Der fußballerische Höhepunkt des Wahl-Wochenendes in Italien stieg am Sonntagabend in Mailand. Es knisterte in San Siro: Derbyzeit! Besonders im Fokus beim Spiel der Spiele in der Domstadt: Mario Balotelli, der Inter einst Richtung Manchester City verließ und von einigen Anhängern seines Ex-Klubs kurz nach der Rückkehr zum Stadtrivalen rassistisch beleidigt wurde. Auch am Sonntag traten leider wieder einige Unbelehrbare auf den Plan, die mit aufblasbaren Bananen wedelten. "Balotelli hat sehr gut reagiert und sich nicht auf die Provokationen eingelassen", sagte Milan-Coach Massimiliano Allegri nach dem Spiel. Auf den Rängen gab es nicht nur Negatives zu berichten, beide Fanlager warteten vor Spielbeginn mit imposanten Choreographien auf.
Auf dem Rasen war dann allerdings nur Milan imposant. Mit dem Schwung des überraschenden 2:0-Erfolgs gegen den FC Barcelona im Rücken machten die Rossoneri von Beginn an mächtig Dampf und waren dem Stadtrivalen in fast allen Belangen überlegen. Die Belohnung: Das 1:0 von El Shaarawy, der nach herrlichem Zuspiel von Boateng mit dem Außenrist zur Führung einschoss (21.).
Es ging weiterhin nur in eine Richtung. Inter hatte es einzige Torhüter Handanovic zu verdanken, nicht mit einem höheren Rückstand in die Pause zu gehen: Der Slowene parierte einen Balotelli-Kopfball in furioser Manier (27.), entschärfte einen weiteren Versuch des Milan-Neuzugangs aus kurzer Distanz (29.) und war auch bei einem Flatterball des Angreifers auf dem Posten (40.). So ging es beim Stand von 1:0 in die Kabine - und damit war Inter bestens bedient.
So kam es wie es kommen musste: In der Pause nahm Inter-Coach Andrea Stramaccioni einige Umstellungen vor und hatte zudem wohl auch die richtigen Worte gefunden. Denn die Nerazzurri kamen nun besser ins Spiel, von dem aufgrund von massivem Pyro-Einsatz erst ab der 60. Minute wieder alles zu sehen war. Guarin zwang Abbiati zu einer ersten Glanztat. Dann war es der Sekunden zuvor eingewechselte Schelotto, der nach einer Gargano-Flanke per Kopf zum Ausgleich einnetzte (71.). Damit nutzte Inter eine der großen Milan-Schwächen aus: Es war bereits das 13. Kopfball-Gegentor der Rossoneri in der laufenden Saison - Liga-Höchstwert!

Danach gelang es keinem der beiden Teams mehr, noch einen Wirkungstreffer zu setzen, das Derby endete 1:1. Nach Inters Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte ging der Punktgewinn letztlich in Ordnung. Eigentlich hätte der 211. Vergleich der beiden Stadtrivalen zur Pause allerdings schon entschieden sein können. Der Punktgewinn hilft keinem der beiden Teams so richtig weiter beim Bemühen, sich noch einen Champions-League-Rang zu sichern.
Am vergangenen Spieltag kam Spitzenreiter Juventus Turin nochmal mit einem blauen Auge davon, nachdem die alte Dame bei der Roma verlor und der SSC Neapel wegen der Nullnummer gegen Sampdoria nicht noch bedrohlich näher kam. Mit vier Punkten Vorsprung ging die Juve also in den Spieltag, und mit Kellerkind Siena vor der Brust.
Die Elf von Juventus-Trainer Coach Antonio Conte löste die Pflichtaufgabe mit 3:0 und wird somit uneinholbar in das danach anstehende Topspiel gegen Napoli gehen. Dieses steigt am übernächsten Freitag (1. März) und könnte für die Meisterschaft schon vorentscheidenden Charakter haben. Siena gelang nach den Überraschungserfolgen über Inter (3:1) und Lazio (3:0) kein weiterer Coup - Lichtsteiner, Giovinco und Pogba sorgten für Jubel unter den 40.000 Fans. Siena hatte zweimal Alu-Pech.
Die Roma setzte nach dem 1:0 gegen Juventus (Tor: Totti) in Bergamo einen weiteren Dreier drauf und scheint unter Interimstrainer Aurelio Andreazzoli den richtigen Weg einzugschlagen. In einem turbulenten Spiel bei phasenweise starkem Schneefall ließen sich die Hauptstädter auch von zwei Treffern des im Winter von Inter zu Atalanta gestoßenen kroatischen Talents Livaja nicht irritieren. Marquinho, Pjanic und mit dem finalen Treffer Torosidis (77.) stellten den Zeiger auf Auswärtssieg und lassen die Roma wieder auf die Europa-League-Teilnahme hoffen. Der von Olympiakos Piräus im Januar geholte Abwehrrecke Torosidis traf in seinem dritten Einsatz für die Römer erstmals ins Netz - per Kopf sehenswert aus spitzem Winkel.
Nicht unerwähnt soll das Geschehen auf Sardinien bleiben. Vor quasi leeren Rängen im seit Monaten im Brennpunkt stehenden Stadion "Is Arenas" - rund 300 Personen aus dem privaten Umfeld der Spieler waren zugelassen - spielte sich zwischen Cagliari Calcio und dem FC Turin nach der Pause ein Spektakel ab! Insgesamt sieben Tore, zwei Rote Karten und einen Last-Minute-Sieg der Hausherren sahen die Auserwählten.
Im Kampf um den Ligaerhalt traf vor der Pause nur Sau vom Punkt für die Hausherren (11. Saisontor). Nach dem Seitenwechsel glich Cerci sofort aus, ehe Stevanovic zum 2:1 für die Gäste abstaubte (54.). Conti egalisierte zu Beginn der furiosen Schlussviertelstunde per Kopf aus elf Metern - 2:2.

Dann flog Ogbonna bei den Gästen vom Platz, als er Pinilla im Strafraum zu Fall brachte. Bereits den ersten Strafstoß hatte der Innenverteidiger verursacht. Abermals verwandelte Sau - 3:2 (87.). Der soeben eingewechselte Diop flog Sekunden später wegen eines Ellbogenschlags gegen Ekdal gleich wieder vom Platz - Torino nur noch zu neunt! In Unterzahl glichen die Piemontesen dennoch aus, weil Astori Bianchi im Trikot zupfte. Der gefoulte Spieler verwandelte selbst - und es lief schon die Nachspielzeit. Mit einem Punkt wurde es dennoch nichts: Denn Conti schlug den Ball abschließend in seiner Verzweiflung weit nach vorne. Die Kugel wurde abgefälscht und manövrierte so den belgischen Gästetorwart Gillet aus: 4:3, drei Punkte für Cagliari! In einem Spiel, das definitiv eine stattliche Kulisse verdient gehabt hätte.
Am Montag trat der Tabellenzweite Neapel in Udine an. Ein Dreier hätte die Meisterschaft spannend gehalten und Napoli sich von den Verfolgern aus Mailand absetzen lassen. Doch trotz guter Chancen gelang den Gästen kein Treffer. Cavani verpasste schon nach fünf Minuten knapp, Hamsiks Kopfball knapp vor der Pause war zu unplatziert. Udine zeigte sich nur in einer kurzen Phase nach Wiederbeginn engagierter, doch Pereyra ließ die beste Möglichkeit aus. So blieb die Begegnung torlos, wodurch sich Napolis Rückstand auf Spitzenreiter Juve vor dem direkten Duell am kommenden Freitag auf sechs Punkte erhöht.
Zum Abschluss des Montags empfing Lazio Rom das Kellerkind Pescara. Seit dem Ausfall von Miroslav Klose verloren die Laziali zuvor einmal und spielten zweimal remis - am Montagabend gelang endlich ein Sieg. Ein Doppelschlag durch Radu (29.) und Lulic (35.) stellte den Erfolg schon Mitte des ersten Durchgangs sicher, durch den sich die Römer vor die beiden Mailänder Klubs auf Platz drei vorschoben.
Zum Abschluss des Spieltags am Dienstag setzte sich der FC Bologna gegen den AC Florenz durch. Ljajic brachte die Fiorentina zwar in der 27. Minute zunächst in Führung, nach der Pause jedoch trafen Motta (58.) und Christodoulopoulos (84.) für die Hausherren. Florenz bleibt damit hinter Inter Mailand auf Rang sechs kleben.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Juventus Turin | 53:17 | 58 |
| 2 | ![]() | SSC Neapel | 46:21 | 52 |
| 3 | ![]() | Lazio Rom | 37:29 | 47 |
| 4 | ![]() | AC Mailand | 45:32 | 45 |
| 5 | ![]() | Inter Mailand | 41:34 | 44 |
| 6 | ![]() | AC Florenz | 46:32 | 42 |
| 7 | ![]() | Catania Calcio | 34:31 | 42 |
| 8 | ![]() | AS Rom | 54:47 | 40 |
| 9 | ![]() | Udinese Calcio | 35:34 | 37 |
| 10 | ![]() | Sampdoria Genua | 33:30 | 32 |
| 11 | ![]() | FC Parma | 32:35 | 32 |
| 12 | ![]() | Cagliari Calcio | 32:44 | 31 |
| 13 | ![]() | FC Turin | 32:32 | 31 |
| 14 | ![]() | FC Bologna | 35:36 | 29 |
| 15 | ![]() | AC Chievo Verona | 26:42 | 29 |
| 16 | ![]() | Atalanta Bergamo | 24:38 | 27 |
| 17 | ![]() | CFC Genua 1893 | 26:37 | 26 |
| 18 | ![]() | AC Siena | 27:37 | 21 |
| 19 | ![]() | Delfino Pescara 1936 | 20:53 | 21 |
| 20 | ![]() | US Palermo | 22:39 | 20 |
| 1. Cavani, Edinson | SSC Neapel | ![]() |
| Spiele: 34 | Tore: 29 | |
| 2. di Natale, Antonio | Udinese Calcio | ![]() |
| Spiele: 33 | Tore: 23 | |
| 3. El Shaarawy, Stephan | AC Mailand | ![]() |
| Spiele: 37 | Tore: 16 | |
| 4. Osvaldo, Pablo | AS Rom | ![]() |
| Spiele: 29 | Tore: 16 | |
| 5. Denis, German | Atalanta Bergamo | ![]() |
| Spiele: 36 | Tore: 15 | |