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13.02.2013, 14:34

Machatschkala: Trainer-Guru Guus Hiddink im Fokus

"96 besitzt überragende Offensivkräfte"

Mit 66 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss! Niemand wundert sich, wie es im Song von Udo Jürgens heißt, dass Guus Hiddink noch kein Rentner ist. Der Guru aus Holland, eine der Lichtgestalten in der Trainer-Zunft, packt noch richtig zu. Im Kaukasus und in Moskau, seinen beiden aktuellen Arbeitsstätten. Und er hat noch Spaß daran, den Retorten-Klub Anschi Machatschkala in die richtigen Bahnen zu lenken. "Mir macht die Aufgabe Freude", bestätigt der fidele Guus im Gespräch mit dem kicker vor dem Duell mit Hannover 96 in der Europa League (LIVE! am Donnerstag ab 18 Uhr bei kicker.de).

Projekt Machatschkala: Guus Hiddink will den Retortenklub Anschi in die Weltspitze führen.
Projekt Machatschkala: Guus Hiddink will den Retortenklub Anschi in die Weltspitze führen.
© imagoZoomansicht

Wieder mal hat Hiddink alle seine Kritiker Lügen gestraft. Allein wegen des rollenden Rubels, den Klubeigner Suleiman Kerimow, ein Milliardär, in Bewegung setzt, sei er in den beinahe schon fernen Osten gezogen, hatten viele ihm vorgehalten. Nicht nur das Geld habe ihn dorthin gelockt, entgegnete der polyglotte Niederländer. "Ich will in Machatschkala einen Prozess einleiten, auf seriöse Weise einen Profiverein aufbauen." Einen Verein, der bislang in Russland nicht sehr beliebt und immer wieder heftigen Anfeindungen ausgesetzt ist, weil er aus der Kaukasusregion stammt. Ein Verein, dessen Besitzer Kerimow immer wieder unter Korruptionsverdacht steht. Vergangene Saison wurde das Spiel gegen Amkar Perm offiziell untersucht.

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Im Februar jährt sich erstmals der Tag, an dem Guus Hiddink anheuerte. Seine Zwischenbilanz sieht mehr als positiv aus: "Wir sind auf dem richtigen Weg. Und es ist schneller voran gegangen, als ich geglaubt habe." Das Projekt Anschi nimmt Fahrt auf: In der Liga liegt der Hiddink-Klub an zweiter Stelle, nur zwei Punkte hinter ZSKA Moskau, indes immerhin drei Zähler vor Zenit St. Petersburg. Machatschkala mischt im Titelkampf mit. Es wächst etwas heran, das sich sehen lassen kann. Mit Hiddinks Worten: "Es gibt die vier großen Klubs aus Moskau und Zenit, wir wollen uns einmischen. Es ist gelungen."

Der Schlüssel zum Erfolg? "Eine gute Mischung aus erfahrenen Profis und jungen russischen Spielern", so der Meistertrainer. Eindrucksvoll hat er eine Kursänderung vorgenommen: Sicherlich, in Machatschkala wird über die Maßen gut kassiert. Auch Hiddink lässt sich seine Dienste fürstlich honorieren. Doch die Strategie, mit teuren Altstars den Erfolg kaufen zu wollen, gilt nicht mehr als alleinige Doktrin.

Einst begann es mit dem Brasilianer Roberto Carlos, dem aktuellen Assistenten, der dort sein kostspieliges Gnadenbrot abholte. Mit Samuel Eto'o, dem 32-jährigen Kameruner, von dem behauptet wird, dass ihn ein jährliches Netto-Salär von 20 Millionen Euro aus Mailand in den Kaukasus lockte, spielt noch ein absoluter Starkicker.

Hiddink gibt dem einheimischen Nachwuchs eine Chance

Auch der Franzose Lassana Diarra (27, zuletzt Real) und der russische Nationalspieler Juri Shirkow (29) zählen zur Kategorie jener Fußballer. Doch es gibt auch die junge Garde talentierter Einheimischer wie Oleg Schatow (22), Fjodor Smolow (21) und Serder Sederow (18). Hiddinks Denkweise: Dem Nachwuchs eine Chance. Nur so könne sich Anschi auf Dauer in der Spitze etablieren. "Es ist die Philosophie, die auch von Präsident Kerimow inzwischen akzeptiert wird", betont der Coach. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte er längst aufgehört. So macht er weiter. Vertrag zunächst bis Ende der Spielzeit. Verlängerung wahrscheinlich, wenn der Erfolgskurs anhält.

Rosige Aussichten: In Machatschkala wird eine neue moderne Arena erreichtet, internationalen Maßstäben angepasst, bezugsfertig zur neuen Saison. Und auch eine Jugend-Akademie ist im Bau. Für dieses Internat hat Hiddink zwei Fußballlehrer aus seiner Heimat verpflichtet. Anschis Zukunft wird am Reißbrett geplant, von Hiddink, dem Architekten des neuen Großklubs im einstigen Zarenreich.

Momentan kümmert er sich noch intensiver um die Gegenwart. Spiel gegen Hannover. 96 sei Favorit, erklärt Hiddink, als der kicker ihn im Trainingslager an der Costa del Sol erwischt. Seine Begründung: "Hannover spielt schon Meisterschaft, ist im Rhythmus und auf Betriebstemperatur. Wir indes kommen nur aus dem Training."

Die Saison in Russland startet erst am 10. März. Extrem lange Pause, die die Russen mit zwei Trainingslagern überbrückten: erst in Dubai, nun in Spanien. Dass die erste Partie im Luschniki-Park in Moskau auf Kunstrasen stattfindet, sei ebenfalls kein Plus für seine Spieler: "Wir spielen auf dieser Fläche auch nur zwei- bis dreimal im Jahr."

QPR verdreht Samba den Kopf - Willian kommt für 35 Millionen

Neuer Star am Firmament in Dagestan: Willian kam aus Donezk.
Neuer Star am Firmament in Dagestan: Willian kam aus Donezk.
© imago

Hiddink machte sich vor Ort ein Bild vom Gegner. Besuch des Derbys gegen Wolfsburg und dieses Urteil: "96 besitzt überragende Offensivkräfte wie Diouf, Schlaudraff und Huszti." Es werde schwer, zumal einer seiner besten Verteidiger kurz vor Transferende das Weite gesucht habe: Christopher Samba (28), der früher auch mal bei Hertha aktive Kongolese, wechselte zu Queens Park Rangers. "Ein Leistungsträger", so Hiddink, "schade, dass er weg ist, doch die Engländer haben ihm den Kopf verdreht."

Direkten Ersatz konnten sich die Russen nicht mehr besorgen. Lange hatten sie sich nicht am Winter-Basar beteiligt. So zeigten sie kein Interesse an Kaka, den in Madrid unglücklichen Samba-Zauberer. "Nur Gerüchte, nie ein Thema", empört sich Hiddink, "alle meinen noch, wir würden mit Geld um uns werfen und Oldies holen." Doch kurz vor dem Transferschluss langten sie doch noch mal hin. Sie blätterten stolze 35 Millionen Euro auf den Tisch, um sich die Dienste des in Donezk überragenden Brasilianers Willian (24) zu sichern. "Ein herausragender Spieler", urteilt Hiddink über den begehrten Schachtar-Legionär. "Wir müssen auch an die Zukunft denken." Neue Zeitrechnung in Machatschkala, wo Mijnheer Hiddink die klare Richtung vorgibt. Der rüstige Guus weiter voll am Ball. Zwar 66 Jahre alt, fängt für ihn ein neues Trainer-Leben an.

Hans-Günter Klemm


Lesen Sie am Donnerstag im kicker ein Interview mit Guus Hiddink. Darin spricht der Niederländer auch über das Thema Geld, die Rolle Eto'os in der Mannschaft und die Chancen in der russischen Liga.

13.02.13
 

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weitere Infos zu Hiddink

Vorname:Guus
Nachname:Hiddink
Nation: Niederlande
Verein:

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Vereinsdaten

Vereinsname:Anschi Machatschkala
Gründungsdatum:01.01.1992
Anschrift:Dakhadayeva 23
RUS-367012 Mahachkala
Telefon: 007-8722-682008
Telefax: 007-8722-678520
Internet:http://www.dgap.mipt.ru/~shamil/anzhi/

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