Europol gab am Montag in Den Haag bekannt, dass es sich um 380 manipulierte Spiele handeln soll. Insgesamt sollen 425 Spieler, Schiedsrichter und weitere Offizielle involviert sein.
Unter den betroffenen Spielen sollen Spiele der WM- und EM-Qualifikation sowie diverse Partien aus den eruopäischen Topligen betroffen sein. Der Zeitraum liegt zwischen 2008 und 2011. Des Weiteren stehen zwei Partien aus der Champions League unter Manipulationsverdacht. Details hierzu wurden am Dienstagabend bekannt.
Der ungarische Verein VSC Debrecen bestätigte, dass Torhüter Vukasin Poleksic im Zusammenhang mit zwei Champions-League-Spielen von der UEFA befragt wurde. Wie die Ungarn mitteilten, wurde der Profi schon 2010 verhört. Bei den betroffenen Partien handelt es sich laut Debrecen um das Gastspiel beim FC Liverpool (0:1) sowie die Heimpartie gegen den AC Florenz (3:4) aus der Gruppenphase der Champions-League-Saison 2009/10.
Wie die Nachrichtenagentur AP am Dienstag berichtete, hat die UEFA zu den neuen Details keinen Kommentar abgegeben. Den montenegrinischen Nationalspieler Poleksic hatte die UEFA im Juni 2010 wegen Kontakten zu einer kriminellen Gruppe und eines nicht gemeldeten Manipulationsversuches bis Juni 2012 gesperrt. Bei dem Verfahren ging es damals offiziell nur um die Partie gegen Florenz.
„ "Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball."
“ Europol-Direktor Rob Wainwright
Der vom Bochumer Landgericht abgehandelte Skandal um den Wettpaten Ante Sapina sowie dessen Komplizen Marijo C., bei dem es sich um 51 manipulierte Spiele gehandelt hat, ist in den Zahlen von Europol bereits enthalten. "Aus deutscher Sicht war das zum Großteil ein Fazit unserer Ermittlungen. Von neuen Fällen weiß ich derzeit nichts", sagte der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek dem Sport-Informations-Dienst (SID). Bienioßeks Kollege Andreas Bachmann, der in Den Haag vor Ort war, wies allerdings darauf hin, dass bei den derzeit untersuchten Fällen unter anderem deutsche Sportler "die Leidtragenden" seien.
In einer ersten Stellungnahme ließ Europol-Direktor Rob Wainwright keine Zweifel an den Manipulationen: "Für uns steht fest, dass es sich um den größten Fall aller Zeiten in diesem Bereich handelt", sagte Wainwright. "Das ist erst die Spitze des Eisberges." Der Europol-Direktor erklärte weiter: "Das ist ein trauriger Tag für den europäischen Fußball."
Durch die Manipulationen in 15 Ländern sollen die Betrüger rund acht Millionen Euro verdient haben. Dabei führt die Spur offenbar nach Asien. "Es gibt ein Wettkartell mit Sitz in Singapur, das Beziehungen zu mehreren europäischen Ländern unterhält", sagte der Europol-Chef. Er sprach zudem von Manipulationen auf einem "nie dagewesenen Niveau". Zwei Millionen Euro sollen an Bestechungsgeldern geflossen sein.
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