Diese Vorstellung wird die Spekulationen um einen millionenschweren Wechsel nach England nicht abreißen lassen: Mit drei Toren schoss Edinson Cavani den SSC Neapel am Sonntagabend quasi im Alleingang zum 4:1-Erfolg im brisanten Südduell mit dem AS Rom. Der Uruguayer benötigte nur vier Minuten, um das Stadio San Paolo erstmals erbeben zu lassen: Von Pandev schön in Szene gesetzt, behielt der Torjäger frei vor Schlussmann Goicoechea die Übersicht und schoss zur frühen Führung ein. Es entwickelte sich ein munterer Vergleich, in dem die Roma dem Ausgleich vor der Pause mehrfach nahe war. Napoli-Torhüter de Sanctis rettete gleich zweimal stark gegen Destro, der für den grippegeschwächten Osvaldo begann, und parierte auch einen strammen Schuss von Pjanic in starker Manier.
Drei Minuten nach Wiederanpfiff stand es dann 2:0. Wieder schlüpfte Pandev in die Rolle des Vorbereiters, wieder traf Cavani, der sich mit Saisontor Nummer 15 alleine an die Spitze der Torjägerliste setzte. Hamsik hätte auf 3:0 erhöhen können, ließ sich von Goicoechea im direkten Duell jedoch zu weit abdrängen. Das rächte sich aber nicht, denn die Roma vergab die Chance, noch einmal heranzukommen. Wieder im Mittelpunkt: de Sanctis. Erst kratzte der Napoli-Schlussmann einen abgefälschten Totti-Freistoß von der Linie, dann parierte er in einer turbulenten Szene binnen weniger Sekunden gleich dreimal Schüsse aus kurzer Distanz. Wenig später war die Partie entschieden: Cavani stieg nach einer Ecke zum Kopfball hoch und stockte sein Torkonto auf 16 auf (70.).
Der eingewechselte Osvaldo verkürzte zwar nur drei Minuten später wieder, doch es sollte nicht mehr reichen für die Roma, die in letzter Minute noch das 1:4 durch Maggio kassierte. Napoli klettert durch den Erfolg an Inter und der Fiorentina vorbei auf Rang drei, die Römer, bei denen Pjanic noch Gelb-Rot sah, verpassten den Sprung in die Europacupränge und bleiben Sechster.
Die Weihnachtspause ist der "Alten Dame" offenbar nicht gut bekommen: Juventus Turin (mit Neuzugang Peluso in der Innenverteidigung) kassierte am Dreikönigstag eine sensationelle 1:2-Heimpleite gegen Sampdoria. Und das, obwohl die Gäste ab der 32. Minute nach Gelb-Rot gegen Berardi in Unterzahl agieren mussten. Zum Zeitpunkt der Ampelkarte führte der Meister bereits durch einen Elfmeter von Giovinco (24./Berardi an Marchisio), alles schien nach Plan zu laufen für die Juve, die im Kalenderjahr 2012 einen neuen Punkterekord in der Serie A aufgestellt hatte (94).
Unter gütiger Mithilfe von Juve-Keeper Buffon glich Sampdoria acht Minuten nach dem Wiederanpfiff aus. Der Nationaltorhüter ließ sich von einem Icardi-Aufsetzer überraschen. Icardi war es auch, der den Wahnsinn eine Viertelstunde später endgültig perfekt machte: Der junge Argentinier schoss den Außenseiter aus ganz spitzem Winkel in Führung! Der Meister rannte in der Schlussphase natürlich an, hatte jedoch Pech, als Vucinics Schuss von der Unterkante der Latte erst auf die Linie und dann wieder ins Feld sprang. So hielt "Samp" dem Belagerungszustand stand und fügte den Bianconeri die erst zweite Heimniederlage in der neuen Arena zu. Erstmals hatte der Rekordmeister am 3. November 2012 gegen Inter verloren (1:3). "Eine unglaubliche Leistung", jubilierte Gästecoach Delio Rossi, der in Genua vor knapp einem Monat die Nachfolge von Ciro Ferrara angetreten hatte. Juves Vorsprung an der Spitze beträgt noch fünf Punkte. Sorgen macht sich der Meister um Nationalspieler Marchisio, der sich am Knie verletzte, wegen des bereits erschöpften Wechselkontingents jedoch bis zum Schluss auf die Zähne biss.
Unglaubliches trug sich auch in der Toskana zu, wo der AC Florenz gegen Abstiegskandidat Pescara die erste Heimniederlage der Saison kassierte. Jonathas (57.) brachte den Aufsteiger auf die Siegerstraße, Celik machte in der Nachspielzeit alles klar. Mann das Tages war aber eindeutig Torhüter Perin, der die Fiorentina mit seinen Paraden zur Weißglut trieb.
Damit verpassten es die Schützlinge von Trainer Vincenzo Montella, ihren Vorsprung auf Inter Mailand auszubauen. Bei Udinese Calcio erhielten die Nerazzurri am Mittag eine bittere 0:3-Abfuhr. Dabei kam Inter seine katastrophale Chancenverwertung teuer zu stehen, die Mailänder ließen Großchancen im Überfluss aus und bekamen dafür in der 63. Minute die Quittung: Goalgetter di Natale traf für Udine, das nach Gelb-Rot gegen Inters Juan Jesus drei Minuten später auch noch in Überzahl spielen durfte. Muriel (75.) und erneut di Natale (79.) machten den Sieg für die Hausherren, bei den Neuzugang Merkel noch nicht zum Einsatz kam, perfekt. Großer Gewinner der Spieltags war damit Lazio, das am Samstag 2:1 gegen Cagliari gewonnen hatte und als einziges Team aus der Spitzengruppe drei Punkte einfuhr.

Es war das Gesprächsthema der Woche, nicht nur in Italien: Beim Testspiel der Rossoneri gegen Pro Patria wurden Kevin-Prince Boateng und andere dunkelhäutige Spieler des AC Mailand zur Zielscheibe rassistischer Gesänge einiger Heimfans. Boateng wollte das nicht hinnehmen, drosch den Ball in Richtung besagter Anhänger und verließ den Platz, Kapitän Ambrosini führte den Rest des Teams ebenfalls vom Feld, die Partie wurde abgebrochen. Beim Heimspiel gegen den AC Siena wärmten sich die Rossoneri in Trikots mit der Aufschrift "AC Milan gegen Rassismus" auf. Danach mühte sich Milan gegen das Schlusslicht zu einem 2:1-Arbeitssieg, den Bojan (67.) und Pazzini (80./Foulelfmeter) mit ihren Treffern auf den Weg brachten.

Es war viel Arbeit, doch die Zahlen laden zum Träumen ein: Durch den mühsamen 2:1-Sieg gegen Cagliari Calcio am Samstagabend hat Lazio Rom zur Halbzeit der Serie-A-Saison 39 Punkte gesammelt. Das gelang letztmals 1999/2000 - als Lazio am Ende unter Sven-Göran Eriksson Meister wurde.
Die Lücke zu Spitzenreiter Juventus Turin ist nach dessen Niederlage am Sonntag auf fünf Punkte geschrumpft. Lazio blieb gegen Cagliari zwar zum zwölften Mal in Folge ohne Niederlage, doch meisterlich war die Leistung nicht gerade: Gegen den finanziell und personell arg gebeutelten Abstiegskandidaten, der mangels Alternativen den erst 17-jährigen del Fabro in der Abwehr aufstellte, lief es zunächst gar nicht rund: Hernanes traf per Freistoß nur die Latte (16.), und Torjäger Klose schaffte es, aus spitzem Winkel das leere Tor zu verfehlen, nachdem er Cagliari-Keeper Agazzi im Eins-gegen-eins schon umkurvt hatte (38.). Ein ungewohnter Fehlschuss.
Nach dem Wechsel ging dann auch noch die Serie von Lazio-Schlussmann Marchetti zu Ende, dem Sau per Distanzschuss das erste Gegentor nach 606 Pflichtspielminuten einschenkte (62.). Plötzlich schnupperte Cagliari, das zuvor fünfmal am Stück verloren hatte, an einer Überraschung. Die Römer, die unter der Woche Kapitän Rocchi an Inter verloren hatten, waren gefordert - und reagierten: Konko glich per Abstauber nach einer Ecke aus (79.).
Und dann wurde es kontrovers: Klose war erneut auf und davon, überlupfte Agazzi. Der Ball ging drüber, doch Agazzi räumte Sekundenbruchteile nach Kloses Abschluss den Nationalstürmer ab. Die Folge: Platzverweis für Agazzi und Elfmeter für Lazio! Cagliari schäumte so sehr, dass auch Cossu vorzeitig zum Duschen musste. Candreva ließ sich von all dem nicht beirren und traf aus elf Metern zum umjubelten 2:1-Sieg.
Hässliches war im Übrigen mal wieder von den Tribünen zu vernehmen. Zwei Tage nach dem der AC Mailand aus Protest gegen rassistische Schmährufe bei einem Testspiel den Platz verlassen hatte, verhöhnten Lazio-Anhänger Cagliaris Victor Ibarbo mit Affengeräuschen. Cagliaris Bank beschwerte sich, der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für einige Sekunden, sprach mit den Kapitänen und veranlasste eine Durchsage über die Stadionlautsprecher.
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Juventus Turin | 40:13 | 44 |
| 2 | ![]() | SSC Neapel | 37:18 | 39 |
| 3 | ![]() | Lazio Rom | 28:19 | 39 |
| 4 | ![]() | AC Florenz | 36:21 | 35 |
| 5 | ![]() | Inter Mailand | 30:22 | 35 |
| 6 | ![]() | AS Rom | 43:33 | 32 |
| 7 | ![]() | AC Mailand | 36:27 | 30 |
| 8 | ![]() | FC Parma | 27:25 | 29 |
| 9 | ![]() | Udinese Calcio | 29:26 | 27 |
| 10 | ![]() | Catania Calcio | 26:27 | 26 |
| 11 | ![]() | AC Chievo Verona | 21:29 | 24 |
| 12 | ![]() | Atalanta Bergamo | 18:28 | 22 |
| 13 | ![]() | FC Turin | 20:22 | 20 |
| 14 | ![]() | Sampdoria Genua | 22:28 | 20 |
| 15 | ![]() | Delfino Pescara 1936 | 17:35 | 20 |
| 16 | ![]() | FC Bologna | 21:26 | 18 |
| 17 | ![]() | CFC Genua 1893 | 20:30 | 17 |
| 18 | ![]() | Cagliari Calcio | 17:35 | 16 |
| 19 | ![]() | US Palermo | 16:29 | 15 |
| 20 | ![]() | AC Siena | 17:28 | 11 |
| 1. Cavani, Edinson | SSC Neapel | ![]() |
| Spiele: 34 | Tore: 29 | |
| 2. di Natale, Antonio | Udinese Calcio | ![]() |
| Spiele: 33 | Tore: 23 | |
| 3. El Shaarawy, Stephan | AC Mailand | ![]() |
| Spiele: 37 | Tore: 16 | |
| 4. Osvaldo, Pablo | AS Rom | ![]() |
| Spiele: 29 | Tore: 16 | |
| 5. Denis, German | Atalanta Bergamo | ![]() |
| Spiele: 36 | Tore: 15 | |