Beim Halbfinalhinspiel des FA Cup am 15. April 1989 zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forrest kam es im völlig überfüllten Liverpooler Fan-Block zu einer Massenpanik, bei der 96 Menschen ihr Leben verloren, mehrere Hundert wurden zudem zum Teil schwer verletzt. Es ist bis zum heutigen Tage das schlimmste Unglück in der britischen Fußball-Geschichte.
Für die Katastrophe wurde allerdings niemand zur Rechenschaft gezogen, eine Aufarbeitung der Ereignisse fand lange Zeit nicht statt. Vielmehr wurden die Fans beschuldigt, für das Unglück verantwortlich gewesen zu sein. Gegen diese Einschätzung kämpften allerdings die Angehörigen sowie Freunde und Unterstützer der getöteten Fans.
Nachdem im Sommer über 130.000 Menschen eine Petition unterschrieben haben, die Dokumente öffentlich zugänglich zu machen, stimmte das britische Parlament im Vorjahr der vorzeitigen, vollständigen und unzensierten Veröffentlichung zu. Normalerweise beträgt die Sperrfrist für Regierungsunterlagen in Großbritannien 30 Jahre.
Eine unabhängige Untersuchungskommission unter dem Vorsitz des anglikanischen Bischofs von Liverpool sichtete in 18 Monaten über 450.000 Dokumente. Am 12. September stellte sie die Ergebnisse vor. Und diese waren vernichtend. 41 der 96 Opfer hätten gerettet werden können, wenn die Einsatzkräfte rechtzeitig und anders reagiert hätten.
Es kam ans Licht, dass die Polizei im Nachhinein nicht nur das eigene Verhalten vertuschte, sondern auch eine gezielte Verleumdungskampagne gegen die Liverpool-Anhänger lancierte. Dazu soll die Polizei in über 100 Fällen Zeugenaussagen verändert haben. Zudem soll sie gezielt Falschmeldungen verbreitet haben, um die Fans in ein schlechtes Licht zu rücken. Der Bericht der Untersuchungskommission wies zudem den Gerichtsmedizinern Mängel bei der gerichtlichen Untersuchung der Todesursache nach. Die offizielle Todesursache lautete auf "Tod durch Unfall". Die Angehörigen der Opfer haben dies aber niemals akzeptiert.
Im Anschluss an den Bericht kündigte der Generalstaatsanwalt einen Antrag an. Diesen folgte der London High Court und machte so den Weg für neue Untersuchungen frei. Der Oberste Richter des Zivilgerichts sagte, es sei "unvermeidlich und wünschenswert", dass diese Ergebnisse zu einer neuen Beurteilung der Ereignisse führten. Er entschuldigte sich zudem bei den Familien der Opfer, die lange um diesen neuen Prozess hätten kämpfen müssen. "Wir müssen unsere Bewunderung und unseren Respekt für ihre lange Suche nach der Wahrheit zollen", sagte der Richter.
Nun können sich die Angehörigen und Freunde der Opfer Hoffnungen machen, dass neue Fakten ans Licht kommen, die die Unschuld der Fans beweisen könnten. Denn die britische Innenministerin Theresa May kündigte komplett neue Untersuchungen an. "Ich möchte eine schnelle und sorgfältige Antwort auf die Ergebnisse des Hillsborough-Panels sehen, um den 96 Fußballfans und den Familien der Opfer gegenüber, die so hartnäckig gekämpft haben, Gerechtigkeit walten zu lassen", sagte May.
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