"Kleine Schweizer machen Deutschland lächerlich. Es ist doch ein Kraut gewachsen gegen die Deutschen!", schrieb die großen Boulevard-Zeitung "Blick". Weniger lautstark, aber nicht weniger euphorisch jubelte die "Neue Zürcher Zeitung": "Historischer Jubel. Das Fußball-Nationalteam schlägt Deutschland am Samstag in Basel 5:3. Die Schweiz musste 56 Jahre auf einen Sieg gegen die deutsche Mannschaft warten. Eren Derdiyok erzielt drei Tore. Frisch, frech, fröhlich, frei." Zudem habe man einen "matten EM-Favoriten" (NZZ) gesehen, der ein "chaotisches Bild" abgebe (Basler Zeitung). Und erheblichen Anteil an diesem schwachen Auftritt der DFB-Elf hatten Derdiyok und Barnetta.
Nach seinen drei Toren gegen Deutschland freute sich der Angreifer gar über sein "Spiel des Lebens". "Nach drei Toren gegen Deutschland kann man nur zufrieden sein. Wir sind frech aufgetreten und belohnt worden", sagte Derdiyok, der in der vergangenen Spielzeit bei Bayer Leverkusen oft nur auf der Ersatzbank Platz nehmen musste.
Bei seinem Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld hat Derdiyok in Abwesenheit seiner Sturm-Konkurrenten Alexander Frei und Marco Streller einen bleibenden Eindruck hinterlassen: "Ich freue mich, dass ich Eren Derdiyok das Vertrauen geschenkt habe, obwohl er kaum Spielpraxis hatte. Er war vor dem Spiel noch angeschlagen, aber hat sich durchgebissen. So stelle ich mir Spieler vor, die sich aufdrängen wollen."
Neben Hitzfeld wird auch Hoffenheims Coach Markus Babbel gejubelt haben. Der Stürmer wird in der kommenden Saison für die Kraichgauer auf Torejagd gehen und der Wechsel spielte offenbar eine entscheidende Rolle. "Durch den Wechsel bin ich mit einem ganz leichten Bauchgefühl in dieses Spiel gegangen, weil ich befreit bin. Ich bin überzeugt von diesem Schritt, weil ich mir erhoffe, in Hoffenheim mehr zu spielen. Ich habe einen Neuanfang gebraucht, einen neuen Schub", sagte der gebürtige Baseler.
Dabei hatte Barnetta entscheidenden Anteil an der Galavorstellung des Stürmers. Alle drei Tore legte der 27-Jährige auf. Verletzungsbedingt kam er in Leverkusen erst in der Schlussphase der Saison zu einigen Einsätzen. Gegen Deutschland gab er nach über einjähriger Pause sein Comeback im Team der Eidgenossen. Mit gemischten Gefühlen wird Leverkusen auch diesen Auftritt verfolgt haben. Eine Vertragsverlängerung mit Bayer 04 hatte er unlängst abgelehnt.
Der Abschied des Flügelflitzers scheint damit so gut wie sicher. "Die Verhandlungen sind im Gange. Eine neue Liga verbunden mit einer neuen Sprache ist sicher ein Traum von mir. Aber in Leverkusen geht es mir fast zu gut. Also falls ich wechsle, muss alles passen", hatte Barnetta, der unter anderem bei Newcastle United im Gespräch ist, bereits vor dem Länderspiel gegen Deutschland gesagt. Eine kleine Chance scheint der Werksklub demnach aber noch zu haben.
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