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14.10.2011, 22:11

Interview mit US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann

"Es gibt richtige Baustellen - aber das ist das Schöne"

Im Interview mit dem kicker spricht Jürgen Klinsmann (47) über seine neue Aufgabe als Trainer der US-amerikanischen Nationalelf. Das 0:1 gegen Ecuador war bereits die dritte Niederlage im fünften Spiel unter Klinsmann. Doch der Wahl-Kalifornier ist mit großem Eifer bei der Arbeit und überzeugt, ein international konkurrenzfähiges Team aufbauen zu können.

Jürgen Klinsmann will mit dem US-Team neue Wege gehen.
Jürgen Klinsmann will mit dem US-Team neue Wege gehen.
© Getty ImagesZoomansicht

kicker: Nur ein Sieg am Samstag gegen Honduras und nun die dritte Niederlage gegen Ecuador: Wie lautet ihre Zwischenbilanz nach fünf Spielen, Herr Klinsmann?

Klinsmann: Wir sind auf dem richtigen Weg. Wenn man die Zwischenbilanz nach Ergebnissen misst, sieht sie negativ aus. Aber wie sich die Mannschaft entwickelt, wie sie unsere Arbeit angenommen hat - das ist toll zu sehen. Wir reißen die Spieler mit einem höheren Trainingsrhythmus aus ihren Gewohnheiten. Das haben sie verstanden und sie gewöhnen sich immer mehr daran.

kicker: Nürnbergs Timothy Chandler und Hoffenheims Daniel Williams haben schon Stammplätze. Was sagen Sie zu ihren Leistungen?

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Klinsmann: Wir haben mit Timothy Chandler ein Riesentalent. Wir sind superzufrieden, wie er sich hier präsentiert. Wie er spielt, mit welcher Abgeklärtheit er schon im diesem Alter die Aufgaben annimmt. Wie er das Spiel liest - antizipiert. Er hat heute eine klasse Leistung gezeigt. Valencia, einen Spieler, der bei Manchester United für Furore sorgt, hat er komplett aus dem Spiel genommen. Mit fairen Mitteln, ohne Fouls. Er hat ihm den Rang abgelaufen und sich dazu noch in die Offensive eingeschaltet. Ich glaube, in Chandler und mit Danny Williams haben wir zwei deutsch-amerikanische Jungs mit großer Perspektive, die uns enorm viel Freude bereiten werden. Wir hoffen auch, dass Fabian Johnson in Hoffenheim nach seiner Rückenverletzung zurückkommt. Die Mannschaft wächst zusammen und versteht sich immer besser - auch außerhalb des Spielfelds. Ich glaube, die Niederlage war unglücklich, weil wir die erste Halbzeit kontrolliert haben und unsere Chancen hatten, aber das ist öfter so. Du machst die Dinger nicht rein und irgendwann kommt dann ein Fehler.

kicker: Nicht nur Fabian Johnson, sondern auch Landon Donovan und Jose Torres fehlten wegen Verletzungen. Was kann man erwarten, wenn alle dabei sind?

Klinsmann: Ich glaube, mit Donovan sowie Torres und Johnson - die wir noch nicht im Spiel gesehen haben - haben wir echte Qualität im Kader. Wir befinden uns in einem Prozess, der dauern wird. Wir werden auf diesem Weg ein paar Rückschläge wegstecken müssen. Aber ich glaube, wenn man den Kader anschaut, haben wir ein echt gutes Team, das bei der WM-Qualifikation absolut konkurrenzfähig sein wird.


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Letzte Meldung: Die USA gastiert erneut zu einem Länderspiel in Europa. Die Klinsmann-Elf spielt am 11. November 2011 im Pariser Stade de France gegen Frankreich. Die Qualifikationsspiele zur WM 2014 in Brasilien beginnen für die USA erst im Juni 2012.
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kicker: Was sind Ihre größten Baustellen beim Umbau der Nationalmannschaft?

Klinsmann: Zu viele eigentlich. In der Umbau-, beziehungsweise Aufbau-Phase gibt es richtige Baustellen. Das ist aber auch das Schöne an der Arbeit. Wenn die Mannschaft schon so weit wäre, wie man sie haben möchte, hätte man den Trainer wahrscheinlich nicht gewechselt. Aber sie haben erkannt, dass sie neue Wege gehen müssen. Das erwarten sie nun von mir. Wir haben auch die Zeit und Geduld, weil wir einen anderen Spielkalender als in Europa haben. Die WM-Qualifikation spielen wir erst im Sommer. Wir können also in aller Ruhe nach Talenten suchen. Wir haben jetzt mit Johnson, Williams und Chandler drei Deutsch-Amerikaner in der Mannschaft, die hier die wenigsten kannten. Es kommen weitere Talente in Europa nach. Wir haben zwei Jungs in Südamerika, viele in Mexiko. Meine Aufgabe ist auch zu filtern. Wir stellen eine Olympiamannschaft zusammen. Sechs oder sieben sind unter 23 und können Olympia spielen. Wir sind dabei, einen Kader aufzubauen, der europäischen Standard bekommt.

kicker: Wie scouten Sie diese Spieler? Sehen Sie alle persönlich?

Klinsmann: Es gibt sowohl in Europa als auch in Mexiko einige Scouts, die für uns arbeiten. Wir arbeiten intensiv dran, Spieler wie Michael Bradley in Verona, Clint Dempsey in Fulham oder Tim Howard in Everton permanent zu sichten. Das ist neu, aber ich habe die Möglichkeit, weil ich in Europa viele Leute kenne.

kicker: Es gibt nicht nur Spieler mit amerikanischen Eltern in anderen Ländern, sondern auch junge talentierte Spieler aus anderen Ländern hier in die USA.

Klinsmann: Ja, das ist auch das Schöne hier, weil die USA wirklich so ein "Melting Pot" sind. Es gibt einen großen lateinamerikanischen Einfluss. Viele Spieler haben zwei Staatsbürgerschaften - sie können für Mexiko oder für die USA spielen. Das ist auch eine Aufgabe für uns - wie kommen wir an diese Spieler heran und will der Spieler überhaupt für die USA spielen?

Ich war vielleicht drei Schritte zu schnell.Jürgen Klinsmann

kicker: Sie hatten sich nach der WM 2006 für diese Position beworben und wurden vom US- Verband abgelehnt. Wer hat sich geändert? Sie oder der Verband?

Klinsmann: Damals waren sie vielleicht noch nicht bereit dafür. Im Prinzip war ich vielleicht drei Schritte zu schnell. Aber es hat sich viel getan in Amerika. Die MLS hat große Fortschritte gemacht. Der Jugendfußball wurde von Verbandsseite immer mehr strukturiert. Im Prinzip Aufbauarbeiten, die vor 15 Jahren in Deutschland unter meinen Vorgängern gemacht wurden. Das fängt jetzt an, deshalb ist einfach ein guter Zeitpunkt. Wir haben gemerkt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge sind. Es ist eine gute Basis geschaffen worden.

kicker: Nimmt Verbandspräsident Sunil Gulati Einfluss auf Ihre Arbeit?

Klinsmann: Nein, der Cheftrainer hat allein das Sagen. Ich glaube, das hat sich mittlerweile eingespielt. Man braucht einfach Zeit, um miteinander umzugehen. Alles wird in einer Gruppe diskutiert und besprochen. Es sind wichtige Aufgaben, die erledigt werden müssen - eine Olympiamannschaft für London und die WM-Qualifikation ab März. Wie geht es mit dem Trainerstab weiter? Die U20 wird einen neuen Trainer bekommen. Für mich ist es wirklich superspannend, das Ganze anzuführen, aber natürlich muss der Verband das letzte Wort haben.

Ich möchte unbedingt die Copa spielen.Jürgen Klinsmann

kicker: Wollen Sie die Copa America mit Ihrem Team bestreiten?

Klinsmann: Ja, weil das vor fünf Jahren im Prinzip der Knackpunkt war. Ich möchte unbedingt die Copa spielen, um die stärksten Mannschaften als Gegner zu haben. Dafür muss die MLS die Spieler abstellen, weil die Europäer nach dem Gold Cup ihre Spieler zurückrufen. Nun ist es soweit. Die MLS sagt: 'Jürgen, absolut. Wir freuen uns darauf'. Die Kooperation ist jetzt da. Alle sind hungrig auf die nächsten Schritte.

kicker: Joachim Löw hatte 2006 bei der deutschen Nationalelf die Rolle des Taktikers inne. Amerikaner gelten nicht als große Taktiker, suchen Sie einen Ausländer?

Klinsmann: Es gibt in den USA hervorragende Trainer, die alles über Taktik, über Spielsysteme und Training wissen. Nein, ich muss nicht im Ausland suchen. Joachim ist ein wundervoller Freund von mir und er macht einen super Job, aber hier werde ich genau so jemanden finden, der an meiner Seite einen super Job machen wird.

kicker: Deutschland hat die EM-Qualifikation ohne Punktverlust geschafft. Was sagen sie dazu?

Klinsmann: Ich finde das einfach fantastisch, was die Nationalmannschaft in den letzten Jahren geleistet hat. Ich schicke Jogi immer eine SMS mit Glückwünschen. Ich könnte immer den gleichen Text benutzen. Den kann ich abspeichern und wieder losschicken. Den könnte ich schon vor den Spielen losschicken, weil sie eh wieder gewinnen. Ich finde das super. Ich freue mich riesig und drücke natürlich die Daumen, dass sie Europameister werden.

Interview: Jerry Hawkins

14.10.11
 

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