
Wie es seinem Naturell entspricht, betonte Klinsmann anschließend die positiven Seiten der Niederlage im König-Baudouin-Stadion in Brüssel: "Es war eine interessante Partie für beide Seiten", sagte der 47-Jährige nach der Partie gegenüber US-amerikanischen Medien. "In den ersten 25 Minuten funktionierte unser Passspiel ganz ordentlich, danach aber setzte sich die individuelle Klasse der Belgier immer mehr durch. Meine Spieler werden eine Menge aus der Partie lernen", führte Klinsmann weiter aus.
Dieser Lernprozess hat noch etwas Zeit, denn erst im kommenden Sommer beginnt für die USA in der 3. Runde der WM-Qualifikation in Nord- und Mittelamerika der Ernstfall. Und der Wahl-Kalifornier betont immer wieder, dass Ergebnisse zwar wichtig seien, aber noch mehr die "Entwicklung der Mannschaft" im Vordergrund stehe.
Dass der von Klinsmann vorangetriebene Umbau Zeit braucht, stößt bei den Spielern auf Verständnis: "Fußball werden wir nicht neu erfinden, das Spiel bleibt gleich, die Spieler auch", so Hannovers Cherundolo stellvertretend: "Der Plan des Trainers ist langfristig angelegt, wir schauen momentan nicht auf die Ergebnisse."
„"Klinsmann ist mehr als nur ein Motivator. Er hat im taktischen Bereich jede Menge drauf"“Steven Cherundolo (Hannover 96)
Der Verteidiger lobt Klinsmann und erwartet für die Zukunft Fortschritte: "Klinsmann ist mehr als nur ein Motivator. Er hat im taktischen Bereich jede Menge drauf. Sein Stab achtet wirklich genau darauf, was jeder von uns macht - und wie wir es machen. Wir werden uns verbessern. Wir sind geduldig."
Gegen Belgien wurde die neue Spielkultur allerdings nur in der Anfangsphase sichtbar. Aggressiv ging das US-Team in die Zweikämpfe, schnell wurde der Ball nach vorne gespielt. Gefahr entstand aber lediglich durch Standardsituationen. Dempseys Freistoß nach sechs Minuten wurde eine Beute von Belgiens Keeper Mignolet, ein Versuch von Torres nach einer Viertelstunde verfehlte nur knapp sein Ziel.
Dann aber riss der Faden, Belgien übernahm mehr und mehr die Kontrolle, US-Keeper Howard geriet in den Blickpunkt. Der Everton-Profi war aber bei Schüssen von Nürnbergs Simons (25.) und Evertons Fellaini (32.) auf dem Posten.
Auch nach dem Seitenwechsel setzte sich die Dominanz des Teams von Nationalcoach Georges Leekens fort. Das Siegtor resultierte aus einem Distanzschuss von Lombaerts, dem nach einem missglückten Abwehrversuch der Ball in der 55. Minute quasi vor die Füße fiel.
Zwar war die USA anschließend um eine Antwort bemüht, was von Klinsmann ebenfalls positiv registriert wurde, doch insgesamt waren die Angriffe zu bieder, um die von Simons umsichtig dirigierte belgische Abwehr in Verlegenheit zu bringen. Dennoch jubelten die US-Boys in der 86. Minute, allerdings zu früh. Denn Schiedsrichter William Collum sah beim Kopfballtor von Edu eine Regelwidrigkeit.
Ein "bisschen lustig" habe er die Aberkennung des vermeintlichen Abseitstreffers gefunden, sagte Klinsmann mit vorsichtiger Schiedsrichterschelte. Der zuständige Assistent sei unmittelbar nach dem Schlusspfiff in die Kabine gestürmt. Kein Handschlag mit den Kollegen, nichts. Vielleicht habe er ja "zu viel Klinsmann im Ohr" gehabt. "So etwas habe ich vorher noch nie gesehen."
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