In Spanien rollt am Wochenende wieder der Ball
Die große Primera-División-Vorschau: Mourinhos zweite Chance
Der Streik ist beendet, und somit geht's endlich los in der Primera División. Topfavorit ist - wie in den letzten Jahren auch - der FC Barcelona. Doch die Erfahrung zeigt: José Mourinho treibt seine Teams in der zweiten Spielzeit zu Höchstleistungen an. Durchbricht Real Madrid also die Vorherrschaft der Katalanen? Hinter den großen Beiden tummeln sich wie üblich mehrere Mannschaften im Kampf um die internationalen Plätze - auch das neureiche Malaga will ein Wörtchen mitreden.
Barça: Mit frischen Kräften zu alten Erfolgen

Ein erster Vorgeschmack auf die neue Saison: Im Supercup gingen sich Real und Barcelona erstmals an die Gurgel.
© imago

Für Trainer Pep Guardiola stellt sich eigentlich nur eine Kernfrage: Wohin bloß mit all der Qualität? Im Mittelfeld und in der Offensive hat der FC Barcelona ein Luxusproblem. Arsenal-Neuzugang Fabregas (für zunächst 35 Millionen Euro Ablöse), Alexis Sanchez (für zunächst 26 Millionen Euro) sowie der in der Vorbereitung überragende Thiago Alcantara üben Druck auf die arrivierten Iniesta, Xavi und Pedro aus. Guardiolas Lösung dürfte in der Rotation zu finden sein, zumal Xavi ja schon länger chronische Achillessehnenschmerzen plagen, das Hirn des Barça-Spiels immer wieder Pausen benötigt.
Qualitativ gutes Personal ist auch notwendig, bei der Anzahl von Spielen. Auf den spanischen Supercup folgt nun der europäische Supercup, somit starten die Katalanen erst am Montag gegen Villarreal in die Liga. Pokal, Champions League, dazu die Klub-WM im Dezember - Barcelona dürfte ohne weiteres auf über 50 Pflichtspiele kommen. Zudem wird beinahe der gesamte Kader durch Länderspiele in Mitleidenschaft gezogen.
Doch das hat Barça mit dem frischgebackenen europäischen Fußballer des Jahres Lionel Messi auch in den vergangenen Spielzeiten nicht viel ausgemacht. Den spanischen Supercup habe man "praktisch vom Strand kommend gewonnen, und das gegen eine Mannschaft, die in der Vorbereitung weiter war als wir", erklärte Präsident Sandro Rosell nach dem Erfolg gegen den Erzrivalen Real Madrid. Und so recht ist auch in dieser Saison nicht damit zu rechnen, dass die drei Titel anhaltende Meisterserie von den Königlichen unterbrochen wird, die Störfeuer des katalanischen Quälgeistes José Mourinho scheinen an den Blaugrana abzuperlen.
Real: Zweiter Versuch für "the Special One"
Allen Diskussionen um rüde Fouls, Rudelbildungen und das Verhalten ihres Trainers zum Trotz scheint aus sportlicher Sicht eines klar nach den Supercup-Duellen zwischen Barça und Real: Die "Königlichen" sind näher herangerückt an den zwischenzeitlich enteilten Erzrivalen. Und das, obwohl die ganz großen Stars auf der Liste der Neuzugänge fehlen. Trainer und Manager José "Im zweiten Jahr sind meine Mannschaften immer besser" Mourinho hat mit Dortmunds Nuri Sahin, Fabio Coentrao, Jose Callejon, Raphael Varane oder dem Langzeitverletzten Hamit Altintop vom FC Bayern vor allem den Kader in der Breite ergänzt. Das Werben um den brasilianischen Jung-Star Neymar war derweil noch nicht von Erfolg gekrönt.

Liebling der Fans: José Mourinho weiß aber selbst nur zu gut, dass sich das bei Real schnell ändern kann.
© imago
Die Hoffnung ruht insbesondere auf der momentanen Formstärke von Profis, die bereits in der Vorsaison unter Mourinho für Real spielten. Der französische Torjäger Benzema weckt bei den Real-Anhängern mit seiner beeindruckenden Frühform ebenso Hoffnungen wie der deutsche Nationalspieler Özil, der nun auch die Nummer zehn tragen darf. Von Tormaschine Cristiano Ronaldo (2010/11: 40 Saisontore!) ganz zu schweigen. Aggressiver, offensiver, aber auch teamorientierter - so kann man Real in dieser Saison erwarten. Der Hunger nach den wirklich wichtigen Titeln (Liga, Champions League) ist beim amtierenden Pokalsieger unermesslich groß geworden. Ob es in dieser Saison bereits reicht, Messi & Co. hinter sich zu lassen, muss jedoch weiter bezweifelt werden.