Plötzlich war der Platz da, plötzlich stand Fernando Torres rechts im Strafraum allein vor Aston Villas Keeper Brad Friedel: Tor! Ganz locker hatte der Spanier am Dienstagabend in der dritten Minute der Nachspielzeit beim Verfolgerduell im Villa Park zum siegbringenden 1:0 eingeschossen und damit seine Reds wieder ins Geschäft um Platz vier gebracht.
„ Jeder weiß: Wenn er in Form ist, ist er der Beste der Welt. “ Steven Gerrard über Fernando Torres
Und auch für Torres war es nicht irgendein Tor: Es war sein 50. - im 72. Spiel für Liverpool. Das ist neuer Rekord, so schnell hatte noch kein Spieler an der Anfield Road diese Marke durchbrochen. Liverpool-Legende Roger Hunt, Sturmpartner von Geoff Hurst in der englischen Nationalelf bei der WM 1966, hielt bislang die Klubbestmarke. "Jeder weiß: Wenn er in Form ist, ist er der Beste der Welt", sagte Liverpools Kapitän Steven Gerrard über seinen stärksten Mitspieler.
Torres hätte sich wahrlich keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können, schließlich punkten auch die Konkurrenten um den Champions-League-Qualifikationsplatz, Tottenham und Manchester City (unter dem neuen Trainer Roberto Mancini) momentan eifrig. Vier Punkte ist Rang vier, den derzeit die Spurs besetzen, nur noch entfernt.
"Wir hoffen, dass uns dieser Sieg einen großen Schub gibt", peilt Gerrard nach dem zweiten Sieg binnen 48 Stunden nun eine Serie an: "Villa, die Spurs und ManCity werden weiter kämpfen und wir müssen das auch. Es ist wichtig, dass wir darauf aufbauen."
Der völlig in den Sand gesetzte Saisonstart mit dem Aus in der Gruppenphase der Champions League, Niederlagen in der Liga - mit derzeit sieben Stück sind es schon fünf mehr als in der gesamten Vorsaison - und dem längst erledigten Titeltraum hatte für jede Menge Anspannung in Liverpool gesorgt. Trainer Rafael Benitez hielt dem Druck allerdings stand, wohl auch aus finanziellen durfte der Spanier sein Amt behalten.
Zuletzt hatte er mitten in Wochen voller Niederlagen und Rückschläge mit dem Versprechen, Liverpool noch unter die Top Four zu führen, für Aufsehen gesorgt. "Was soll ich auch sonst sagen?", wundert sich Benitez jetzt über die Reaktionen. "Ich muss der Erste sein, der daran glaubt, und ich muss die Spieler dazu bringen, auch daran zu glauben. Die Leute sagen, ich setze sie unter Druck. Was soll ich denn auch sonst tun? Ich bin der Trainer!"
Damit es mit dem Vorhaben noch was wird, sollten allerdings vor allem die Leistungsträger gesund sein. Die Reds hatten bereits mit jeder Menge Verletzungspech zu kämpfen, auch Torres verpasste schon einige Partien. "Es ist wichtig für uns, dass Gerrard und Torres fit bleiben", weiß Benitez. "Wenn das der Fall ist und sie in den meisten der restlichen Spiele auflaufen können, haben wir eine sehr gute Chance." Gerrard pflichtet seinem Trainer bei: "Fast jeder im Team ist jetzt wieder fit, also gibt es keine Entschuldigungen mehr." Klar ist allerdings auch: Benitez ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass der Kader in der Breite nicht gut genug besetzt ist.
Das neueste "Opfer" ist übrigens Glen Johnson. Der Rechtsverteidiger musste kurz vor Torres' Siegtreffer mit einer einer Knieverletzung ausgewechselt werden und bekam nach einer Kernspintomographie die üble Diagnose: Bänderriss! Um die Ausfallzeit abschätzen zu können, wird der englische Nationalspieler am Donnerstag einen Spezialisten konsultieren. Es drohen mehrere Monate Pause.
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