"Unerbittlich" nannte die Zeitung "Le Figaro" die Leistung des Wintermeisters beim 4:1 gegen Lorient am Samstag. Eine treffliche Beschreibung, gewann Bordeaux doch auch ohne eine Reihe verletzter oder geschonter Stammkräfte (Planus, Wendel, Chamakh) ganz souverän. David Bellion per Doppelpack, Cavenaghi mit seinem ersten Tor seit Februar und zum Schluss noch Gourcuff fuhren den fünften Liga-Erfolg - den siebten Pflichtsieg - am Stück ein. 40 Punkte zur Halbzeit, acht mehr als der Zweite Marseille (ein Spiel weniger): Ist das schon die Titelverteidigung?
"Wir haben eine positive Bilanz", sagt Bordeaux-Trainer Laurent Blanc zwar, "aber wenn wir an der Spitze bleiben wollen, müssen wir wenigstens ebenso viele Punkte in der Rückrunde holen". Tiefstapelei muss man dem Erfolgscoach nicht unterstellen, im Vorjahr waren tatsächlich 80 Punkte zum Titel nötig. Trotzdem ist klar: Bordeaux, das auch in der Champions League dank des Achtelfinal-Los' Olympiakos Piräus von Höherem träumen darf, ist die neue Super-Macht in Frankreich. Von Lyon redet in dieser Hinsicht keiner mehr.
Die Lyonnais, die trotz der Titel-Serie und aller finanzieller Bemühungen nie in die Sphären der europäischen Topklubs vordringen konnten, sind zwar - hinter Lille (31 Punkte) - immerhin noch Vierter, haben aber bereits einen Rückstand von zehn Punkten auf die Girondins angehäuft. Das 1:1 beim AS Monaco - Bastos' Führung glich Park noch vor der Pause für die Gastgeber aus - war der nächste Rückschlag. Ein Sieg aus sieben Ligapartien, ein umstrittener Trainer (Claude Puel), eine zerstrittene Mannschaft - OL ist nur noch ein Schatten vergangener Tage. Kampfansagen wie die von Lyon-Präsident Jean-Michel Aulas ("Wir bleiben ein Kandidat für den Titel") kann derzeit keiner ernst nehmen.
Einzig Olympique Marseille, der teuerste Kader der Ligue 1, hat mit 32 Punkten und einem Spiel weniger Bordeaux noch halbwegs im Blick, konzentriert sich aber zumindest offiziell nur auf die Champions-League-Qualifikation: "Mit dem zweiten Platz wäre das erreicht. Wir geben das Rennen nicht auf, aber wenn die Girondins ihren Rhythmus halten, wird es sehr schwer für die Konkurrenz", konstatierte OM-Coach Didier Deschamps nach dem mageren 0:0 in Saint-Etienne (über 80 Minuten Überzahl inklusive!).
Ein abgeschlagener Ex-Serienmeister, der mit sich selbst beschäftigt ist, ein Verfolger, der nur auf Platz zwei aus ist, und eine eigene Erfolgsserie, die langsam beängstigend wird: Wer oder was soll Bordeaux das Weihnachtsfest noch vermiesen? Nur ein hartnäckiges Gerücht vielleicht: Laurent Blanc könnte nach der WM Nationaltrainer Raymond Domenech ablösen.
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