Es ist die eigentliche "Geburtsminute" des größten spanischen Sturmtalents, das derzeit auf der iberischen Halbinsel gegen den Ball tritt. Und der kleine Blondschopf bleibt auch noch cool, trabt Richtung Eckfahne, küsst das Vereinsemblem seines Trikots mit der Nummer 27 auf dem Rücken, stellt sich mit ausgestreckten Armen in die Kurve - bis ihn die Teamkollegen überrennen. Muniain wirkt, als hätte er es nie anders erwartet.
Exakt 16 Jahre und 289 Tage ist er alt an diesem denkwürdigen Tag in Valladolid. Kein Torschütze in der Primera Division war jemals jünger, auch wenn er Xisco nur knapp schlägt. 2003 hatte der damalige Villarreal-Spieler ebenfalls im Alter von 16 Jahren getroffen, war jedoch zwei Monate und vier Tage älter als Muniain. "Dieser Junge steht für ganz besondere Momente auf dem Platz", weiß auch Thomas Schaaf. Der Werder-Trainer machte wie viele andere Vereine auf internationalem Boden bereits Bekanntschaft mit dem Supertalent. Beim 3:1 wurde er zur Pause eingewechselt, bereitete in der Nachspielzeit den 1:2-Anschlusstreffer der Basken vor.
Sein Pflichtspieldebüt feierte er ebenfalls in der Europa League gegen Young Boys Bern am 30. Juli 2009. Ein wenig bemerkenswerter Auftritt der Caparros-Elf, die mit 0:1 verlor. Doch in der 59. Minute erhob sich die Menge von ihren Sitzen und tobte, als Muniain eingewechselt wurde - Gänsehaut pur im altehrwürdigen Estadio San Mames. Beim 2:1-Sieg im Rückspiel eine Woche später traf er bei den Schweizern zum 2:0 und sicherte so das Weiterkommen. "So viele Dinge gingen mir durch den Kopf, als ich das Tor gemacht habe. Besonders habe ich an meine Familie gedacht, die mich immer unterstützt hat", erklärte er. "Mir kamen wirklich die Tränen."
Das Wasser wird auch bald den Fans in den Augen stehen. Denn Muniain ist nicht zu halten. Beinahe jeder Topklub macht Jagd auf ihn. Nach seinem Geniestreich in Valladolid kam er vorerst zwar nicht mehr zum Einsatz, das änderte sich aber gegen Valencia (1:2) am 13. Spieltag. Als Einwechselspieler traf er zum zwischenzeitlichen 1:1. Vergangenes Wochenende entschied er erneut als Joker das Spiel, indem er beim 2:1-Erfolg in Saragossa beide Treffer mustergültig vorbereitete.
Jede dieser Partien lassen den Wert des Ausnahmetalents steigen, zumal sich die Ablösesumme angeblich nach der Zahl der Einsätze des dribbelstarken Technikers richten soll. "Diejenigen, die schon länger bei uns sind, beschützen ihn", sagt sein Trainer Joaquín Caparrós. "Er ist jung und extrovertiert. Das hat ihm geholfen, sich schnell zu integrieren." Kein Wunder, dass die Mitspieler ihm den Spitznamen der bekannte Zeichentrickfigur Bart Simpson verpasst haben: klein, blond, frech.
Das inzwischen weltweit agierende Scoutingsystem von Bilbao - der Klub spielt ausschließlich mit Akteuren baskischer Abstammung - hatte das Talent früh erkannt und ihn schon im Alter von 12 Jahren in sein Fußball-Internat gesteckt. Muniain erhält zudem eine Ausbildung an einer Schule, die mit Athletic zusammenarbeitet. Nur mit dem Kopfballspiel hapert es noch ein wenig - kein Wunder bei einer Körperlänge von 169 Zentimetern. Doch das sollte kein Problem sein für den "Basken-Messi", wie ihn Medien und Fans gerne bezeichnen. Mit 16 Jahren ist man ja schließlich noch lange nicht ausgewachsen.
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