"Ich hab viele Derbys in Mailand, Madrid und London gespielt, aber in Rom ist die Derby-Leidenschaft am größten", sagte der frühere Roma-Verteidiger Christian Panucci. Am Sonntagabend war es mal wieder so weit: Das Duell Roma gegen Lazio zog die Hauptstadt wieder einmal in ihren Bann. Das Spiel musste in der ersten Halbzeit unterbrochen werden, weil Feuerwerkskörper auf den Platz geworfen wurden, laute Böller explodierten und enorme Rauchentwicklung den Blick vernebelten.
Es ging aber auch ohne bengalisches Feuer heiß her auf dem Platz, was allein vier Gelbe Karten in der ersten Hälfte bezeugen. Glück hatte die Roma, als Mexez einen Lichtsteiner-Schuss klärte und dabei beinahe ein Eigentor erzielt hätte. Mexez musste kurze Zeit später noch vor dem Pausenpfiff mit einer Knieverletzung vom Feld, für ihn kam Cassetti.
Und eben jener Cassetti schickte die Giallorossi in der 78. Minute mit seinem erlösenden und letzten Endes spielentscheidenden 1:0 (78.) in einen Freudentaumel. Die letzten Minuten musste AS Rom zu zehnt überstehen, nachdem Pizarro binnen zwei Minuten zweimal Gelb sah, also mit Gelb-Rot vom Platz flog.
Die Roma visiert also wieder obere Tabellenregionen an, hat nur noch einen Punkt Rückstand auf den Champions-League-Relegationsplatz. Lazio dagegen steckt immer tiefer in der Krise. Die Biancocelesti warten seit dem 30. August auf den ersten Sieg in der Serie A! Die Tage des Davide Ballardini als Lazio-Coach dürften gezählt sein.
Da das Spitzenquartett bereits am Samstag im Einsatz war, gehörte der Sonntag dem Rest der Liga. Und der bot am Nachmittag viele Tore. 23 in sieben Spielen. Vier davon fielen beim Verfolgerduell in Genua, wo der CFC im Hochgefühl des 3:0-Derbyerfolgs gegen Sampdoria das Überraschungsteam aus Parma empfing. Die Zuschauer sahen eine unterhaltsame Partie, in der die Gäste Palacios erstes Serie-A-Tor durch einen Doppelpack von Bibiany konterten. Nationalspieler Paladino bescherte Genua dann immerhin noch einen Punkt. Die Gastgeber waren allerdings im Pech, als Milanettos Treffer wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung die Anerkennung verwehrt wurde.
Parma bleibt damit Vierter, hat allerdings nur vier Punkte Vorsprung auf Platz zwölf! Es geht eng zu in der Serie A. Der AC Florenz beendete seine kleine Durststrecke nach zwei Niederlagen in Folge durch das 2:0 gegen Atalanta Bergamo und machte gleich fünf Plätze gut. Die Fiorentina, die Vargas mit einem sehenswerten Distanzschuss in Führung brachte, schob sich auf Rang fünf vor. Dramatisch ging es zum 50-jährigen Jubiläum des Stadio San Paolo in Neapel zu, wo Bari zweimal in Führung ging, der SSC zwei Minuten vor Schluss dank Quagliarellas Tor zum 3:2 aber doch noch das letzte Wort hatte. Bari beendete das Spiel mit neun Mann.
Neue Hoffnung schöpft Schlusslicht Siena, das sich im Kellerduell gegen Catania mit 3:2 durchsetzte und damit nach Punkten zu den Sizilianern aufschloss. Unter dem Strich hängt auch Livorno fest, das im Vergleich zweier Aufsteiger gegen den AC Chievo mit 0:2 unterlag. Drei wichtige Punkte fuhr der FC Bologna ein, der Udinese mit 2:1 bezwang.
Bayern Münchens Champions-League-Gegner Juventus Turin hat das Titelrennen in der italienischen Meisterschaft offen gehalten und am Samstag Serienmeister Inter Mailand die erste Liga-Niederlage seit Ende September zugefügt. Das Team um den Ex-Bremer Diego besiegte die Gäste vier Tage vor dem Gruppenendspiel gegen die Bayern in der Königsklasse 2:1 (1:1) und rückte mit nun 30 Zählern bis auf fünf Punkte an den Spitzenreiter Inter (35) heran.
In Turin trafen Giorgio Chiellini (20.) und Claudio Marchisio (58.) die Treffer für den Vizemeister, Samuel Eto'o hatte in der 26. Minute den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt.
In einem hitzig geführten "Derby d'Italia" sah Felipe Melo in der 89. Minute die Gelb-Rote Karte, doch Inter konnte in der Kürze der Zeit kein Kapital mehr aus seiner numerischen Überlegenheit schlagen.
Vor dem Anpfiff zum "Derby d'Italia", waren bereits im Giuseppe-Meazza-Stadion die beiden anderen Mitglieder des Spitzenquartetts im Einsatz: Milan empfing Sampdoria. Nach sieben Spieltagen dümpelten die Rossoneri im grauen Mittelfeld auf Platz zwölf, Coach Leonardo stand kurz vor dem Rauswurf. Doch dem Brasilianer gelang die Wende. Sechs Siege und ein Unentschieden später steht sein Team auf Rang zwei, der nun gefestigt wurde. Milan begann furios und stellte durch Treffer von Borriello (2.), Seedorf (22.) und Pato die Weichen früh auf Sieg. Samp konnte sich von dem Schock der ersten halben Stunde nicht mehr erholen, verlor letztlich sang- und klanglos mit 0:3 und rutschte vorerst aus den Champions-League-Rängen. Der AC kann sich nun voll auf auf die Königsklasse konzentrieren, wo in Zürich die letzten Punkte eingefahren werden müssen.
UEFA-5-Jahreswertung
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