In der Liga die große Einsamkeit an der Spitze, in der Champions League das große Zittern ums Achtelfinale: Inter Mailand befindet sich im Gefühlschaos. Und dabei bleibt es: Vier Tage nach der 0:2-Schmach in Barcelona sorgte der Titelverteidiger per 1:0 gegen den AC Florenz schon für eine kleine Vorentscheidung in der Meisterschaft. Milito behielt fünf Minuten vor Schluss aus elf Metern, nachdem er selbst klar gefoult worden war, die Nerven, markierte sein neuntes Saisontor und machte damit das anstehende Spitzenspiel bei Juventus Turin am nächsten Samstag noch langweiliger.
Denn Juve verlor überraschend bei Cagliari Calcio mit 0:2 und rangiert jetzt als Dritter bereits acht Punkte hinter Inter. Nené mit einem Traumschuss vor und Matri mit einer Einzelleistung nach der Pause versetzten der "Alten Dame" einen bösen Dämpfer und nahmen vorerst den letzten Rest Spannung aus dem Titelkampf.
Überraschungsaufsteiger Parma indes bleibt im Rennen um die internationalen Startplätze, gegen den SSC Neapel, der seit sechs Spielen ungeschlagen war und ebenfalls in Lauerstellung liegt, erkämpften sich die Schinkenstädter ein spätes 1:1: Amoruso glich per Foulelfmeter Denis' Führungstor (32.) kurz vor Schluss noch aus.
"Ich werde einen Käfig samt Vorhängeschloss nehmen", hatte Bergamos Coach Antonio Conte vor dem Duell mit der Roma in Bezug auf Tottis Comeback-Hattrick am vergangenen Wochenende gesagt. Der Superstar der Roma trug sich zwar tatsächlich nicht in die Torschützenliste ein, die Punkte nahmen die Giallorossi trotzdem mit: Vucinic und Perrotta drehten nach frühem Rückstand (Ceravolo, 13.) die Partie in ein 2:1. Damit setzen die Hauptstädter ihren Aufwärtstrend fort und sind wieder im vorderen Mittelfeld zu finden. Bergamo, das sich unter der Woche erst gegen einen Drittligisten im Pokal blamierte, hält sich dagegen nur dank des besseren Torverhältnisses noch über dem Abstiegsstrich.
Die beiden Trainer-Debüts am Samstagnachmittag verliefen derweil nicht wie gewünscht. Beim Tabellenletzten Siena hat Alberto Malesani - als schon dritter Übungsleiter in dieser Saison - das Sagen, zum Start gab's ein Last-Minute-1:2 beim zweitbesten Aufsteiger aus Bari. Nach langer Führung werden die Toskaner, die Ende August den bisher einzigen Sieg einfuhren, mal wieder mit dem Schicksal hadern.
Auf den Schleudersitz in Palermo hat sich unter der Woche Delio Rossi gesetzt, bei Chievo Verona (0:1) ging der Einstand allerdings in die Hose. Die Sizilianer hängen weiter im hinteren Tabellenmittelfeld herum. Noch schlechter sieht es bei Lazio Rom aus, wo man seit drei Monaten auf einen Sieg wartet. Selbst gegen den punktgleichen FC Bologna wurde es nicht besser - Trainer Davide Ballardini wackelt heftiger denn je.

Im Spiel am Sonntagabend standen sich schließlich Kellerkind Catania Calcio und der AC Mailand gegenüber. Die "Rossoneri" sind nach schwachem Saisonstart wieder auf Kurs, allerdings dauerte es auf Sizilien bis zur Nachspielzeit, ehe gejubelt werden durfte. Klaas-Jan Huntelaar traf in der dritten und vierten Minute der "Verlängerung" per Doppelschlag zum 2:0-Erfolg und markierte seine ersten Treffer für den neuen Klub. Nach einem Pass von Inzaghi brach er den Bann mit einem Volleyschuss, mit Unterstützung von Keeper Andujar. "The Hunter" fügte Sekunden später mit einem sehenswerten Heber sein zweites Tor gleich an. Milan ist damit bei sieben Punkten Rückstand hartnäckigster Inter-Verfolger und zum siebten Mal in Folge ungeschlagen. In der Königsklasse brauchen die Lombarden nach dem 1:1 gegen Olympique Marseille noch einen Sieg, um das Achtelfinale zu erreichen.
Eröffnet wurde der Spieltag am frühen Samstagabend mit dem 2:0-Erfolg von Udinese Calcio gegen den Liganeuling AS Livorno. Das Team aus der Hafenstadt bleibt damit tief im Tabellenkeller. Di Natale (29.) und Floro Flores (40.) machten den Sieg für den heimstarken Klub aus dem Friaul schon vor der Pause perfekt.
Um 20.45 Uhr startete dann das sogenannte "Derby della Lanterna", das Aufeinandertreffen des CFC Genua auf den Lokalrivalen Sampdoria. Und das Lokalderby wurde die im Vorfeld erwartete hitzige Angelegenheit. Schiedsrichter Roberto Rosetti hatte Schwerstarbeit zu leisten und verteilte insgesamt sieben Gelbe, zwei Gelb-Rote und eine Rote Karte.
Vor 32.000 Zuschauern im Stadion Luigi Ferraris war der CFC die aktivere Mannschaft. Nach Foul des ehemaligen Hamburgers Reto Ziegler Palacio gab es Strafstoß für den CFC, den Milanetto sicher verwandelte (10.). Kurz vor der Pause schwächte sich Genua allerdings selbst, als Biava nach einem wiederholten Foul an Cassano die Gelb-Rote Karte sah. Doch in Unterzahl gelang dem CFC durch Marco Rossi (53.) gar das 2:0. Nur wenig später musste sein Namensvetter bei Sampdoria mit der Ampelkarte vom Platz. Palladino erzielte dann mit einem erneuten Strafstoß in der 75. Minute den Endstand.
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