"Ronaldo will spielen, er kommt ins Aufgebot und wird dann von unseren Verbandsärzten untersucht", erklärte kurzerhand der Präsident des portugiesischen Fußballverbands (FPF), Gilberto Madaíl. Und sorgte somit für dunkle Wolken am iberischen Fußballhimmel.
Denn aus dem Real-Lager tönen ganz andere Stimmen. "Die Ärzte empfehlen, dass er nicht zur Nationalmannschaft fährt", sagte beispielsweise Sportdirektor Jorge Valdano in einem Radio-Interview. Und Trainer Manuel Pellegrini fügte am Freitag auf einer Pressekonferenz hinzu: "Ich kann verstehen, dass der Spieler besorgt ist. Es tut mir leid für ihn und Portugal. Aber wenn er gekonnt hätte, hätte er schon längst für uns gespielt."
Zum Hintergrund des Disputs: Der Rekordtransfer der Fußbal-Geschichte (für 94. Mio. Euro von ManUnited zu Real) hatte sich im Champions-League-Spiel der "Königlichen" am 30. September gegen Olympique Marseille am rechten Knöchel verletzt - und danach trotzdem in der WM-Qualifikation für sein Land gespielt. Beim 3:0 Portugals gegen Ungarn musste er sich in der 27. Minute auswechseln lassen. Bei Real war man darüber natürlich nicht begeistert.
Und jetzt hört es sich so an, als ob "CR9" wieder an einen Einsatz für Portugal denkt. "Wir müssen abwarten und einen Schritt nach dem anderen machen. Es sieht danach aus, dass es besser wird", sagte der Torjäger (5 Treffer in den ersten 5 Saisonspielen) der "Marca".
Am 14. und 18. November steigen die Spiele gegen Bosnien-Herzegowina. Und Nationaltrainer Carlos Queiroz, 2004 bei Real Madrid als Trainer gescheitert, versucht die Wogen zu glätten. "Wir werden Ronaldos Profi-Karriere nicht in Gefahr bringen", sagte er und gab zu Protokoll, dass man im portugiesischen Lager nichts über die Schwere der Knöchelverletzung wisse. Bis Sonntag will er sich pro oder kontra Ronaldo entscheiden und sein Aufgebot bekanntgeben. "Bis dahin kann noch viel passieren", so Queiroz vielsagend.
Zuletzt hatte am Donnerstag der niederländische Mediziner Nicolaas van Dijk Portugals den "Knöchel der Nation" intensiv begutachtet. Er riet dem Weltfußballer von 2008, das Gelenk noch zwei Wochen lang konservativ zu behandeln und dann erneut untersuchen zu lassen. Eine Operation ist also vorerst kein Thema. Was die "Königlichen" mit Erleichterung aufnehmen dürften. "Ronaldo umdribbelt den OP-Tisch", titelte die "Marca". Nach Ansicht des spanischen Sportmediziners Pedro Luis Ripoll dürfe man jedoch nichts überstürzen. Und dieses Risiko besteht, sollte Ronaldo in gut einer Woche in den Play-off-Spielen auflaufen - und seine Verletzung möglicherweise abermals aufbrechen. Dann dürfte der Graben zwischen Lissabon und Madrid tiefer sein als je zuvor.
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