kicker: Kürzlich wurden Sie für 31 Tore als Gewinner des Goldenen Schuhs geehrt. Wie wichtig ist Ihnen diese Trophäe, Signor Toni?
Luca Toni (29): Eine phantastische Auszeichnung für meine Leistung der letzten Saison. Sie liegt mir am Herzen, weil ich sie als erster Italiener gewann - vielleicht sogar als letzter, man weiß ja nie.
kicker: Auch eine Auszeichnung für Florenz?
Luca Toni: Natürlich. Der Verein genießt nicht den Status wie Juventus, AS Rom oder Milan. Man hat schwierige Jahre hinter sich und nach dem Skandal eine ungewisse Zukunft. Der Goldene Schuh gibt dem Verein zumindest eine gewisse Würde zurück.
kicker: Werden Sie ihn in diesem Jahr erneut gewinnen?
Luca Toni: Ich setze alles daran. Vielleicht bekomme ich den Schuh dann in meiner Größe (lacht). Es wird natürlich schwierig. Außerdem wurde ich danach Weltmeister - so ein Jahr kommt nie wieder.
kicker: Bei den ersten EM-Qualifikations-Spielen waren Sie nicht dabei.
Luca Toni: Das war nach meinem langen Urlaub mit Coach Donadoni so abgesprochen. Ich wäre noch nicht fit gewesen.
kicker: Wie schätzen Sie die beiden ersten schwachen Partien ein?
Luca Toni: Fabio Cannavaro hatte Recht, für uns ist jedes Duell als Weltmeister doppelt schwer. Nun trifft Italien auf die Ukraine und wir müssen sofort die verlorenen Punkte wieder holen.
kicker: In der Liga sieht die Lage für Florenz mit 19 Minuspunkten ebenfalls nicht rosig aus.
Luca Toni: Klar. Anstatt um einen Platz in der Champions League zu spielen, kämpfen wir gegen den Abstieg. Da sollte das Team so schnell wie möglich Punkte sammeln, denn der Gang in die Serie B wäre fatal.
kicker: Beeinflusst die Strafe die Leistung der Spieler auf dem Platz?
„Auf alle Fälle sind die Italiener froh, dass wieder Fußball gespielt wird. Denn jeder zeigte sich der vielen Monaten“Luca Toni
Luca Toni: Das ist die große Gefahr. Denn wir werden für eine lange Zeit im Abstiegsstrudel stecken. Das muss man sich immer vor Augen halten und nicht so tun, als sei nichts gewesen.
kicker: Wer ist nach dem Skandal der größte Favorit auf den Titel?
Luca Toni: Inter und der AS Rom, mittlerweile auch Milan, da die Rossoneri die acht Minuspunkte bereits getilgt haben - eine spannende Saison in der Serie A. Auf alle Fälle sind die Italiener froh, dass wieder Fußball gespielt wird. Denn jeder zeigte sich der vielen Monaten der Sport-Politik und Diskussionen ziemlich müde.
kicker: Sind Sie enttäuscht, nun doch nicht in der Champions League dabei zu sein?
Luca Toni: Das war ohne Frage ein harter Schlag. Der gesamte Kader, das Umfeld, alle reagierten wütend und enttäuscht. Nun bestehen hier andere Prioritäten und es gibt leider wenig Zeit, das neugeformte Team einzuspielen, denn wir benötigen Resultate. Eines Tages will ich jedoch unbedingt in der Königsklasse dabei sein - und sie gewinnen. Denn Siegen macht süchtig!
kicker: Wollten Sie nach Bekanntgabe der Strafe weg aus Florenz?
Luca Toni: Es gab eine Menge Gerüchte, die irgendwann nervten. Fakt ist: Inter wollte mich und ich dachte ernsthaft daran zu wechseln. Nun bleibe ich aber in Florenz und erfülle meinen Vertrag bis zum nächsten Sommer. Über das Danach mache ich mir jetzt keine Gedanken. Erst will ich Florenz mit Toren retten.
Interview: G. Timossi
UEFA-5-Jahreswertung
Deutschland nun klar vor Italien.
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