
Also versprach er Marta, sich einen richtigen Job zu suchen, falls keine Besserung einträte. Denn als Tormaschine hatte er sich auch in den drei Profijahren zuvor keinen Namen gemacht.
"Vielleicht änderte sich mein Schicksal, weil ich mir keinen Kopf mehr machte, ob ich traf oder nicht. Wäre es weiter nicht gelaufen, hätte ich eben aufgehört." Völlig sorgenfrei schoss sich der 1,94-Hüne plötzlich durch die Provinz des calcio - Lodigiani (Serie C1) und Treviso (Serie B). Die Tore fielen wie Dominosteine und die Welt musste dem potenziellen "Avvocato" Toni für immer Adieu sagen. Denn sein Einkommen verdiente er sich weiter in kurzen Hosen.
Über Geld muss er sich mittlerweile überhaupt keine Sorgen mehr machen. Und über Tore erst recht nicht. 13 Spiele für Florenz, 16 Treffer. Rechts, links Kopf, die Bälle fliegen wie ferngesteuert ins Netz der Gegner. In der Toskana brach eine wahre Toni-Manie aus, die Gazzetten tauften das Team in FiorenToni um. "Schon unheimlich. Egal was ich mache, das Ding ist immer drin", flüstert Toni beinahe schüchtern. Auf dem Platz funktioniert er in Trainer Prandellis System mit seiner selbstbewussten Physis jedoch hartnäckig als einzige Spitze. Bei Nationalcoach Lippi ist Toni für die WM in Deutschland bereits gesetzt.
Dabei war Toni Anonymität gewohnt. In der Serie A debütierte er relativ spät mit 23 für Vicenza und etablierte sich erst im Jahr darauf bei Brescia, wo er vom Genius eines Roberto Baggio profitierte. "Von ihm habe ich Kniffe gelernt, die dir kein Trainer der Welt beibringen kann." 2003 lockte ihn Palermo und der Schlaks beförderte den Klub prompt mit 30 Toren in die Erste Liga, eine Saison später trug er mit 20 Treffern gar zum Einzug in den UEFA-Pokal bei.
Doch gerade in Süditalien werden Mythen genauso schnell zerstört wie aufgebaut. Nach einem üblen Zwist bot der eigenwillige Präsident Maurizio Zamparini seinem Topstürmer für zehn Millionen Euro Milan an. Die holten lieber Alberto Gilardino, und so endete Toni in Florenz. Die Palermo- Fans überschütteten Toni mit "Verräter"-Briefen und Morddrohungen. Als Italien das WM-Ticket in Palermo löste, wurde jede Ballberührung Tonis gnadenlos ausgepfiffen. In seinem Schattendasein 1998 wäre er wohl selbst über Pfiffe erfreut gewesen. Denn da beachtete ihn wirklich niemand. "Lange her", sagt Toni. "Eine andere Zeit." Nur Marta, die gibt's immer noch.
Oliver Birkner
UEFA-5-Jahreswertung
Deutschland nun klar vor Italien.
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