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04.12.2012, 16:03

Spanien: Zu hohe Ticketpreise, zu wenig Spannung

Leere Ränge: Zuschauerschwund in der "Primera"

Viele Fußballvereine auf der iberischen Halbinsel gehen finanziell am Stock. Ein Grund neben der allgemeinen Wirtschaftskrise in Spanien: fehlende Zuschauereinnahmen. Die Ticketpreise sind vielen Spaniern zu hoch, selbst bei Topspielen sind die Stadien nicht mehr ausverkauft - und die Stimmung bleibt auf der Strecke. Das liegt auch an der Einseitigkeit innerhalb der "Primera".

FC Getafe im Coliseum Alfonso Perez
Bescheidene Kulisse: Der FC Getafe vor der Partie gegen Real Madrid. Im Hintergrund: viele leere Sitzschalen.
© imagoZoomansicht

Sinnstiftend für den Zuschauerschwund steht der FC Getafe. Zugegeben: Der Klub aus dem madrilenischen Vorort hat in Sachen Fanerschließung mit Real, Atletico und selbst dem beliebten Klub Rayo Vallecano große Konkurrenz in der spanischen Metropole. Doch selbst bei Topspielen bekommt Getafe das Stadion nicht voll. Gegen den FC Barcelona kamen 13.000 Fans, beim Gastspiel der Königlichen war das 17.000 fassende Stadion mit 9.600 Zuschauern gefüllt. Auch auf Mallorca bot sich bei den Spielen gegen die "Großen Zwei" ein ähnliches Bild. Das andalusische Stadtderby zwischen dem FC Sevilla und Betis, sonst ein Zuschauermagnet, war diesmal nicht ausverkauft.

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Genauere Zahlen über den Zuschauerschwund liegen zwar nicht vor, da die Profi-Liga (LFP) in der laufenden Saison keine offiziellen Statistiken veröffentlicht, doch die vielen leeren Ränge sind inzwischen unübersehbar. Der Hauptgrund: die horrenden Eintrittspreise. In Spanien kosten die Tickets durchschnittlich 49 Euro, mehr als doppelt so viel wie in der Bundesliga, wo der Durchschnittswert etwa bei 22 Euro liegt. "Die Preise sind in den Wolken, die Stimmung ist am Boden", schrieb die Zeitung "ABC". Und das bei einer vom nationalen Statistikamt ermittelten Arbeitslosenquote von etwa 25 Prozent. Bei den 16- bis 24-Jährigen liegt die Quote laut dieser Statistik sogar bei 52 Prozent.

Zerstückelter Spieltag, wenig Spannung

Die Ticketpreise sind aber nicht das einzige Problem. Um mehr TV-Gelder einzunehmen, ist der Spieltag inzwischen komplett zerstückelt worden. Mal spielt man um 21.30 Uhr am Freitagabend, zu Beginn der Saison wurde die Anstoßzeit auch auf 23 Uhr verlegt. Auch das Mittagsspiel am Sonntag zur Erschließung des asiatischen Markts erfreut sich keiner Beliebtheit. Und Montagabend um 21 Uhr wird auch ab und an gekickt. "Für ein Montagsspiel darf man für den billigsten Platz nicht 40 Euro verlangen", sagte José Manuel Mateos, Fanclub-Präsident des FC Getafe, der Zeitung "El País".

Welcher Fan will schon im Stadion miterleben, wie sein Verein gegen Real oder Barça fünf Gegentore kassiert?Ökonom José María Gay de Liébana

Die Anstoßzeiten werden relativ kurzfristig festgelegt, weil sie von den TV-Anbietern ausgehandelt werden müssen. Sie werden über das gesamte Wochenende verteilt, damit zwei Spiele nicht gleichzeitig stattfinden. Von den unbeliebten Anstoßzeiten bleiben Real und Barcelona natürlich verschont, und die beiden Topklubs sacken natürlich auch das meiste TV-Geld ein. Kein Wunder also, dass die beiden die Meisterschaft meist unter sich ausmachen. Ab der Saison 1984/85 hieß in gerade mal vier Spielzeiten der Meister nicht Real oder Barça. Selbst klanghafte Vereine wie Valencia oder Atletico können nunmal nicht mehr mit einer reellen Chance auf den Meistertitel aufwarten. Das macht es für die zweiten Kräfte nicht gerade leichter, namhafte Neuzugänge (auch aus dem Ausland) an Land zu ziehen.

Das ewige Duell nervt also die weitgehend chancenlose Konkurrenz. "Welcher Fan will schon im Stadion miterleben, wie sein Verein gegen Real oder Barça fünf Gegentore kassiert?", fragt der Ökonom José María Gay de Liébana. Auf das Fallbeispiel Getafe trifft das zwar nur bedingt zu. Im Coliseum Alfonso Perez unterlag Real am zweiten Spieltag mit 1:2. Allerdings gab's drei Wochen später gegen Barcelona eine 1:4-Packung.

Der zweite Fall ist tatsächlich eher Regel als Ausnahme. Der Professor aus Barcelona war kürzlich in einer Studie über die Finanzen der spanischen Profi-Klubs deswegen zu dem Schluss gekommen: "Entweder die Liga wird ausgeglichener, oder sie wird sterben. In der jetzigen Form gebe ich ihr allenfalls noch fünf Jahre."

04.12.12
 

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Liga BBVA - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1FC Barcelona48:1640
 
2Atletico Madrid29:1334
 
3Real Madrid34:1029
 
4Real Betis Sevilla23:2425
 
5FC Malaga19:1022
 
6FC Getafe17:1922
 
7Real Valladolid20:1521
 
8UD Levante16:2121
 
9Real Sociedad San Sebastian21:1820
 
10Rayo Vallecano18:3019
 
11FC Sevilla19:2018
 
12FC Valencia18:2318
 
13Real Saragossa16:2316
 
14Celta Vigo16:1915
 
15Athletic Bilbao19:3215
 
16CA Osasuna12:1513
 
17RCD Mallorca14:2313
 
18FC Granada11:2012
 
19Deportivo La Coruna21:3111
 
20Espanyol Barcelona13:2210
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