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04.07.2011, 15:14

FIFA entschuldigt sich - Elke Günther wird deutlich

"Wenn es auf die Knochen geht, sind sie völlig überfordert"

Staunen, Gelächter, Kopfschütteln - und eine zerknirschte FIFA: Eine fast unglaubliche Lachnummer stellt die Qualität der Schiedsrichterinnen bei der Frauenfußball-WM in Deutschland ernsthaft infrage. Am Montag wurden zahlreiche kritische Stimmen laut - und auch die Frage, ob nicht auch Männer Spiele bei der Frauen-WM leiten sollten.

Bruna aus Äquatorial-Guinea nimmt den Ball in die Hand - kein Elfmeter!
Bruna aus Äquatorial-Guinea nimmt den Ball in die Hand - ganz klar kein Elfmeter!
© ZDFZoomansicht

Ausgangspunkt der Diskussion: Beim Spiel zwischen Äquatorial-Guinea und Australien (2:3) in Bochum hatte eine Abwehrspielerin der Afrikanerinnen den vom Pfosten abgeprallten Ball für jeden offensichtlich sekundenlang in die Hand genommen, obwohl das Spiel nicht unterbrochen war. Bruna ließ den Ball schließlich fallen - Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal aus Ungarn entschied auf Weiterspielen.

Der Weltverband FIFA sah sich gezwungen, noch vor der Pressekonferenz ein Statement verlesen zu lassen. "Wir wissen alle, dass es einen Vorfall gab. Wir haben mit der Schiedsrichterin gesprochen. Sie sagt, dass es ihr sehr leid tut, dass sie das klare Handspiel nicht gesehen hat", teilte Karen Espelund, die für das Spiel zuständige FIFA-Offizielle, zerknirscht mit.

Dass Kritik kommen würde, war nach dieser eklatanten Fehlentscheidung klar. Erklärungsversuche verliefen schnell im Nirwana. Der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner, derzeit Lehrwart beim DFB, drückte seine Ratlosigkeit gegenüber der dpa so aus: "Also, ich kann es mir eigentlich nur so erklären, dass es da einen Wahrnehmungs- oder Konzentrationsfehler gegeben hat." Dass das Fehlverhalten Brunas auch von den Assistentinnen unbemerkt blieb, sei ebenfalls unerklärlich.

Gaals Blackout krönt eine Reihe von Fehlentscheidungen und Unsicherheiten bei dieser WM. Das Niveau der Schiedsrichterinnen ist häufig schlichtweg schwach. "So was habe ich noch nie erlebt. Wenn es so schwache Schiedsrichterleistungen gibt, sollte man überlegen, ob man nicht auch Männer Spiele bei der Frauen-WM leiten lässt", sagte Holger Osieck, Coach von Australiens Männer-Auswahl, der beim Spiel in Bochum Augenzeuge war.

Auch Seitz liegt daneben

Bereits am Donnerstag hatte die Leistung der Schiedsrichterin des zweiten deutschen Gruppenspiels gegen Nigeria (1:0) erheblichen Unmut bei den Frauen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ausgelöst. Cha Sung Mi (Südkorea) ließ die harten Attacken der Afrikanerinnen fast durchgehend ungesühnt. Herbert Fandel, Vorsitzender der deutschen Männer-Schiedsrichter wollte seinen Augen nicht trauen: "Da hab' ich erstmal den Fernseher zurechtgerückt." Als Fußball-Fan könne man davon sprechen, "dass es keine gute Leistung war".

Harte Fouls sind Neuland für die Unparteiischen

Beim zweiten Sonntagsspiel zwischen Brasilien und Norwegen (3:0) ahndete die Unparteiische Kari Seitz (USA) Martas Foul vor dem 1:0 der Südamerikanerinnen nicht und lag auch sonst einige Male daneben. Die Ansprüche an die Schiedsrichterinnen werden immer höher, das bestätigt auch Bibiana Steinhaus, die bei der WM Spiele leitet und im Männerfußball bis in die Zweite Liga aufgestiegen ist. Das schneller und härte gewordene Frauenspiel fordert die Unparteiischen - und überfordert sie derzeit eben leider des Öfteren. Vor allem diejenigen, die in ihrer Heimat nicht Woche für Woche Erfahrungen auf hohem Niveau sammeln können. Seit 1999 setzt die FIFA bei Frauen-Turnieren nur noch weibliche Referees ein und kann derzeit aus einem Pool von 550 Schiedsrichterinnen auswählen (Vergleich: 3100 männliche Schiedsrichter). Die ehemalige FIFA-Unparteiische Elke Günther hielt gegenüber der "taz" fest, dass insbesondere hart umkämpfte Spiele für die Frauen an der Pfeife Neuland sind. "Viele Schiedsrichterinnen können zwar Spiele pfeifen, so lange sich alle auf dem Platz liebhaben, aber wenn es auf die Knochen geht, sind sie völlig überfordert."

 
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