Im Vergleich zum 2:1-Erfolg gegen die Schweiz änderte Trainer Fatih Terim sein Team auf drei Positionen. Mehmet Topal, Semih und Emre Güngör rücken für Emre Asik, Tümer (Leistenverletzung) und Gökdeniz in die Startelf. Weiter passen musste auch Emre Belönzoglu wegen einer Wadenprellung. Lediglich eine Änderung nahm sein tschechisches Pendant Karel Brückner nach dem 1:3 gegen Portugal vor: Koller durfte wie schon bei der EM-Eröffnungspartie stürmen, Baros rückte zurück ins zweite Glied.
Noch nie konnte die Türkei gegen die tschechische Auswahl gewinnen - und auch im Stade de Geneve erwischte die Brückner-Elf den besseren Start. Auch wenn die großen Chancen in der Anfangsphase ausblieben, bestimmte der Europameister von 1976 das Spiel, wirkte spritziger, kombinationssicherer, zweikampfstärker. Was fehlte, waren klare Tormöglichkeiten. Lediglich eine Chance für Koller, der nach einer Freistoßflanke von Jankulovski knapp über das Tor köpfte (11.), sorgte für etwas Unterhaltung bei den 29000 Zuschauern. Zu ungenau zielte auch Tuncay bei einem der wenigen türkischen Entlastungsangriffe. Der Stürmer vom FC Middlesbrough verfehlte das Tor um gut einen halben Meter (17.).
Dass es ein "Endspiel" um den Viertelfinaleinzug war, wurde vor allem am Einsatz der Akteure ersichtlich. Zahlreiche Fouls unterbrachen die Partie und somit auch den Spielfluss. Dennoch blieb die Reprezentace tonangebend. In der 33. Minute klärte Volkan noch knapp vor Sionko. Doch bereits in der nächsten Situation war der Fenerbahce-Keeper geschlagen. Matejovsky brachte den mitgelaufenen Rechtsverteidiger Grygera ins Spiel. Dessen maßgenaue Flanke verwertete Koller fünf Meter vor dem Tor per Kopf. Von Volkans Fingerspitzen prallte der Ball an die Latte und von dort über die Linie (34.).
Von den Türken war bis zur Pause herzlich wenig zu sehen, auf eine Reaktion der Terim-Truppe warteten die Fans vergeblich. Die Höhepunkte setzten weiter die Tschechen. Zunächst aber nur durch einen kuriosen Unfall. Sionko wurde gefoult, stürzte - und verletzte im Fallen seinen Teamkollegen Matejovski so schwer, dass er für Jarolim ausgewechselt werden musste (39.). Torgefahr strahlte weiterhin Jan Koller aus. Der Nürnberger Stürmer köpfte in der 42. Minute nach Freistoßflanke von Jankulovski einen Meter über das Tor, kurz vor der Pause flog auch ein Volleyschuss des 2,02 Meter langen Stürmers über den Kasten der Türken hinweg.
Fatih Terim reagierte zur Pause, brachte Sabri für Semih. Und noch etwas änderte sich im zweiten Durchgang: Das Wetter. Dass die Türken mit Regen gut zurecht kommen, bewiesen sie bereits bei der Partie gegen die Schweiz. Und auch diesmal wirkte der Wolkenbruch scheinbar erfrischend für die türkische Auswahl. Tschechien sah sich nur noch in die Defensive gedrängt, Angriff auf Angriff rollte auf das Tor von Keeper Cech. Nihat hätte beinahe einen Jankulovski-Fehler genutzt, schoss aber volley knapp über das Tor (48.). In der 53. Minute musste erstmals Cech eingreifen, als Tuncay frei zum Kopfball kam. Der Chelsea-Schlussmann stand jedoch goldrichtig.
Erst nach einer Viertelstunde konnten sich die Tschechen aus der Umklammerung befreien. Und wie! In der 61. Minute war Koller nach einem Steilpass auf und davon. Der Angreifer konnte aber nicht davon profitieren, dass Referee Fröjdfeldt seine Abseitsposition übersah. Er agierte zu überhastet und setzte das Leder mit links neben das Tor. Doch nur eine Zeigerumdrehung später fiel das 2:0. Sionko hatte auf der rechten Seite ausreichend Platz und Zeit zum Flanken. In der Mitte war Plasil einen Schritt schneller als Sabri und brachte das Leder im Fallen im kurzen Eck unter. Pech für die Türken, dass zu diesem Zeitpunkt Emre Güngör verletztungsbedingt behandelt werden musste (62.).
Doch auch den Tschechen kam das Glück abhanden. Polak traf nach einer Hereingabe nur den Pfosten, im Nachsetzen hätte er wohl die Vorentscheidung markiert, doch Emre Asik traf ihn mit dem Fuß am Kopf. Der fällige Elfmeterpfiff blieb jedoch aus (71.).
Somit war die Partie nicht gelaufen - zumal die Türken sogleich zum Gegenschlag ausholten. Hamit Altintop spielte das Leder von rechts klug in den Rücken der Abwehr. Nutznießer war Arda, der Cech mit einem beherzten Schuss aus 15 Metern ins kurze Eck überwand (75.). Eine Viertelstunde blieb den Türken also noch. Und das Bemühen war ihnen keinesfalls abzusprechen, allein die Genauigkeit fehlte. Machte aber nichts. Denn ausgerechnet der sonst so sichere Keeper der Tschechen erlaubte sich einen Blackout. Altintops Flankenball ließ Petr Cech einfach fallen, Nihat staubte in der 87. Minute problemlos ab. So musste man sich notgedrungen auf Elfmeterschießen einstellen. Doch nicht mit Nihat. Nach einem klasse Pass von Altintop stand er allein vor Cech und traf ins rechte obere Eck.
Doch damit war's immer noch nicht vorbei mit der Dramatik. Die Tschechen warfen alles nach vorne, die Nerven lagen blank. Als Volkan sich gegen Koller zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ - der Torhüter schubste ihn abseits des Balles um -, musste Feldspieler Tuncay in den Kasten. Es gelang der Brückner-Elf jedoch nicht mehr, seine Qualitäten zu prüfen. Mit Mann und Maus verteidigten die Türken den Vorsprung und brachten den Sieg über die Zeit.
Am Freitag, 20.6., dürfen somit die Türken im Viertelfinale ran. In Wien trifft der Tabellenzweite der Grupe A auf Kroatien, den Sieger der Gruppe B.
| Türkei |
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![]() Aufstellung: Volkan Demirel (3) - Hamit Altintop (2,5) , Emre Güngör (4) , Servet Cetin (2,5) , Hakan Balta (4) - Mehmet Aurelio (3) - Tuncay (3) , Semih Sentürk (5) Einwechslungen: 46. Sabri Sarioglu (3) für Semih Sentürk 57. Kazim-Richards (4) für Topal 63. Emre Asik für Emre Güngör Reservebank: Rüstü Recber (Tor) , Tolga Zengin (Tor), Gökhan Zan, Gökdeniz Karadeniz, Emre Belözoglu, Tümer Metin, Ayhan Akman, Mevlüt Erdinc, BoralTrainer:
Terim |
| Tschechien |
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1:2
Arda Turan (75., Rechtsschuss, Hamit Altintop)
2:2
Nihat Kahveci (87., Rechtsschuss, Hamit Altintop)
3:2
Nihat Kahveci (89., Rechtsschuss, Hamit Altintop)
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Rote Karten |
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Gelbe Karten |
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Türkei: Topal(1. Gelbe Karte) , Mehmet Aurelio(2.) , Arda Turan(1.) , Emre Asik(1.) Tschechien: Galasek(1. Gelbe Karte) , Ujfalusi(1.) , Baros(1.) |
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| Besondere Vorkommnisse | |
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Feldspieler Tuncay muss für den des Feldes verwiesenen Volkan ins Tor (90./+2), Baros erhält auf der Reservebank die Gelbe Karte (90./+5).
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