Der Schweizer Trainer Köbi Kuhn musste im Vergleich zum 0:1 gegen Tschechien auf sein Sturmduo verzichten. Kapitän Alexander Frei fehlte wegen eines Teilabrisses des Innenbandes im Knie, Marco Streller fiel wegen Leistenbeschwerden aus. Der Torschützenkönig der Schweizer Liga, Hakan Yakin, und Eren Derdiyok sollten für das erste Turniertor der Eidgenossen sorgen. Auch bei der Türkei fehlte nach dem 0:2 gegen Portugal der Spielführer. Der angeschlagene Emre Belözoglu saß nur auf der Bank, auch Gökhan Zan (Knieverletzung), Kazim und Mevlüt (beide Bank) fehlten in der Startelf. Emre Asik, Tümer, Arda und Gökdeniz erhielten das Vertrauen von Trainer Fatih Terim.
Die Partie stand aufgrund der Ausschreitungen zwischen den beiden Mannschaften nach dem WM-Qualifikationsspiel in Istanbul 2005 im Fokus des Interesses. Zwar dauerte es gerade mal zehn Sekunden bis zum ersten Foul (Inler an Nihat), in der Folgezeit erhitzten sich die Gemüter jedoch nicht weiter. Für Abkühlung sorgte schließlich auch das Wetter in Basel: Es regnete aus Kübeln. Der Partie taten die äußeren Verhältnisse nicht gerade gut. Beide Teams mussten sich an den glitschigen Rasen erst gewöhnen, auf Torszenen warteten die Zuschauer im St. Jakob-Park zunächst vergeblich.
Erst in der 19. Minute hatte Inler das richtige Rezept gefunden: Fernschüsse. Mit dem Versuch des Schweizers hatte Volkan seine Probleme, da der Ball tückisch vor ihm aufsetzte. Im Nachfassen jedoch schnappte sich der Fenerbahce-Keeper das Leder. Noch mehr Schwierigkeiten hatte der türkische Schlussmann mit dem Geschoss von Hakan Yakin aus 16 Metern, mit den Fäusten rettete Volkan sein Team vor dem Rückstand (22.). Und weiter ging's nach bewährtem Schema: Barnetta verzichtete bei einem 20-Meter-Freistoß auf einen Schlenzer über die Mauer, der Leverkusener drosch die Kugel per Aufsetzer aufs lange Eck. Auch diese Probe bestand Volkan glänzend (25.).
Die Türkei sah sich in die Defensive gedrängt - und wäre dennoch nach einer Standardsituation in der 29. Minute beinahe in Führung gegangen. Benaglio ließ den Ball nach einer Freistoß-Flanke von Nihat nahe der Torauslinie passieren. Arda ließ das Geschenk liegen, er köpfte an den Pfosten. Und das rächte sich. Beim langen Pass von Senderos hatte Servet nicht aufgepasst. Derdiyok legte das Leder an Volkan vorbei und passte quer zu Yakin. Durch eine Pfütze in der Tormitte verlor der Ball zusätzlich an Fahrt, so dass der ohnehin völlig frei stehende Yakin gar keine Probleme mehr hatte, den Ball zum 1:0 einzuschieben (32.). Nur drei Minuten später hatte der Stürmer von den Young Boys Bern einen weiteren Treffer auf dem Fuß. Nach einer Flanke von Behrami und einem erneuten Fehler von Servet schoss er aber am leeren Tor vorbei.
Es war die letzte Chance in einer häufig vom Zufall geprägten, aber durchaus unterhaltsamen ersten Hälfte. Die Führung für die Eidgenossen zur Pause ging in Ordnung, da die Kuhn-Elf die widrigen Platzverhältnisse besser zu nutzen wusste.
Das schien auch Fatih Terim zu bemerken. Mit Mehmet Topal und Semih für Tümer und Gökdeniz brachte er zwei frische Kräfte. Und diese Maßnahme fruchtete früh. Nach Flanke von Nihat stand Semih sträflich frei, Magnin hatte ihm zuviel Raum gelassen. Der Angreifer von Fenerbahce brachte den Ball per Kopf aus fünf Metern im Tor unter, auch wenn Benaglio mit der Hand noch am Ball war (57.).
Der Regen hatte inzwischen nachgelassen. Die Akteure auf dem Spielfeld taten dies nicht. Sichtlich engagiert gingen nun beide Teams zu Werke, es entwickelte sich eine tempo- und abwechslungsreiche Partie. Magnin verfehlte in der 61. Minute das Tor aus 18 Metern nur knapp, etwas ungenauer war der Versuch von Tuncay aus ähnlicher Position auf der anderen Seite (64.). Auch in der 74. Minute agierte der Türke unglücklich. Da er den Ball schlecht annahm, konnte Tuncay keinen Zug zum Tor mehr entwickeln. Sein Querpass auf Nihat besaß ebenfalls nicht die nötige Genauigkeit.

In der 84. Minute waren dann wieder die Eidgenossen dran. Hamit Altintop verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung, so stürmten gleich fünf Schweizer auf einen Türken zu. Letztlich vereitelte einmal mehr Volkan die Riesenchance. Yakin war aus 16 Metern am türkischen Torwart gescheitert. Den beiden Mannschaften war auch in den Schlussminuten wahrlich keine übertriebene Vorsicht zu unterstellen. Und tatsächlich: In der Nachspielzeit fand die Partie noch einen Sieger - und das waren die Türken. Mit einem abgefälschten Schuss aus 18 Metern versetzte Arda dem EM-Gastgeber den Todesstoß, das Leder flog über Benaglio hinweg. Die Fassungslosigkeit über den schmeichelhaften Siegtreffer war in den Gesichtern der Schweizer deutlich abzulesen. Zum achten Mal in Folge blieben die Eidgenossen bei einer EM sieglos.
Die Schweizer treten am Sonntag (20.45 Uhr) erneut in Basel, wo sie seit sechs Spielen nicht gewinnen konnten, zum bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Portugal an, die Türkei kämpft zeitgleich in Genf gegen Tschechien um den Einzug ins Viertelfinale.
| Schweiz |
|---|
| Türkei |
![]() Aufstellung: Volkan Demirel (2) - Hamit Altintop (4) , Emre Asik (4) , Servet Cetin (3) , Hakan Balta (4) - Mehmet Aurelio (2,5) - Tuncay (3,5) , Tümer Metin (5) - Gökdeniz Karadeniz (5) , Arda Turan (2,5) - Nihat Kahveci (3) Einwechslungen: 46. Semih Sentürk (3) für Gökdeniz Karadeniz 46. Topal (3,5) für Tümer Metin 85. Kazim-Richards für Nihat Kahveci Reservebank: Rüstü Recber (Tor) , Tolga Zengin (Tor), Emre Güngör, Gökhan Zan, Sabri Sarioglu, Ayhan Akman, Emre Belözoglu, Mevlüt Erdinc, BoralTrainer:
Terim |
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1:1
Semih Sentürk (57., Kopfball, Nihat Kahveci)
1:2
Arda Turan (90. + 2, Rechtsschuss)
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Gelbe Karten |

