Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Portugal

Portugal

3
:
0

Halbzeitstand
1:0
Deutschland

Deutschland


PORTUGAL
DEUTSCHLAND
1.
15.
30.
45.
46.
60.
75.
90.

Gruppe A, Rotterdam: Portugal - Deutschland 3:0 (1:0)

Defizite wie noch nie

Keiner, der im Rotterdamer Stadion "De Kuip" Augenzeuge war, wird diesen heißen Abend vergessen: Temperaturen noch beim Abpfiff um 22.30 Uhr etwa 25 Grad, überschäumende Begeisterung bei den Portugiesen, hochkochende Emotionen bei den deutschen Fans, dagegen eisiges Schweigen bei den meisten deutschen Spielern. Man hatte 90 Minuten erlebt, die aus deutscher Sicht auch nur den Hauch einer positiven Beurteilung nicht verdient. So einfallslos, so bewegungsarm, nach dem Rückstand so lethargisch hat man kaum eine deutsche Nationalmannschaft über 90 Minuten hinweg erlebt.


Die Einzelkritik von Wolfgang Tobien


Die beschämende 0:3-Niederlage gegen die Reserve der Portugiesen verdeutlichte einen Klassen-Unterschied in punkto Technik, Spielwitz, Tempo-Fußball und individueller Leistungs-Stärke. Dass es am Ende nur 0:3 hieß, verdankt Deutschland dem Übermut des Gruppensiegers, der am Ende mit unseren Profis Katz und Maus spielte und mehr auf Lässigkeit denn Kampfbereitschaft aus war.

Dabei hatte Portugals Trainer Humberto Coelho auf neun Stammspieler verzichtet, um ihnen vor dem Viertelfinale eine Verschnaufpause zu gönnen. Eine halbe Stunde schien Ribbecks Elf, durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Ziege, Jeremies, Babbel und natürlich Bierhoff wesentlich weniger personell geschwächt, mithalten zu können. Zwingend war es zwar nicht, was die verjüngte Mannschaft bot, aber zumindest einige Kombinationen ließen ansatzweise erkennen, dass ein Weiterkommen am Anfang noch in den Köpfen der Spieler hing.

Doch mit Bodes Fehlschuss an den Innenpfosten nach der besten Kombination des gesamten Turniers und dem wenige Minuten später gefallenen Führungstor der Portugiesen war es mit einem Schlage aus in punkto Disziplin und Einsatzwillen.

Ribbeck hatte versucht, den portugiesischen Sturm mit einer halbherzig spielenden Vierer-Abwehrreihe lahm zu legen. Rehmer und Nowotny kümmerten sich um die beiden Sturmspitzen, Linke - der wohl noch nie in einem bedeutendem Spiel auf der linken Außenseite arbeiten musste - hatte sich um den auf rechts zurückhängenden Conceicao zu kümmern - womit er, kein Wunder, völlig überfordert war. Matthäus pendelte zwischen Abwehr und Mittelfeld pausenlos umher und versuchte, Schwungräder zu drehen; dass auch er am Ende entnervt überfordert war, liegt in der Natur der Dinge.

Im Mittelfeld versuchten Hamann und Ballack von einer ordnenden, mehr defensiven Rolle in ein offensives Geschehen einzugreifen - mit mehr bescheidenen als erfreulichen Erfolgen. Bode, auf links angedacht, hielt nie seine Position und war mehr auf rechts und im zentralen Mittelfeld zu finden, wo er meist Scholl oder Deisler im Wege stand. Kein Wunder, dass seine Großchance über die linke Seite anlief. Scholl selber verzettelte sich einmal mehr in spektakulären, aber völlig nutzlosen Soli, so dass nur Deisler als einziger konstruktiver Flankengeber für Jancker blieb. Doch der Münchner unterstrich einmal mehr seine Kopfballschwäche, so dass die Portugiesen wenig Mühe mit den deutschen Angriffen hatten.

Vor allem die beiden Innendecker Jorge Costa und Fernando Couto bedankten sich regelmäßig für die Einfallslosigkeit deutscher Angriffs-Bemühungen. Zudem verstand der Ex-Dortmunder Paulo Sousa, der in einer Rolle wie früher der brasilianische Nationalmannschafts-Kapitän Dunga auflief, die Aufbauarbeit von Ballack und Scholl schon im Ansatz zu zerstören. Unterstützt wurde er dabei von Capucho, der je nach Bedarf in eine Dreier-Kette im Mittelfeld oder in den Sturm wechselte.

Mit diesen Positions-Rochaden kam die deutsche Defensiv-Abteilung nie zurecht, vor allem weil Rehmer und Nowotny sich häufig uneins waren, wer welche direkte Aufgabe zu erfüllen hatte. Vor allem aber Linkes Unbeholfenheit auf der für ihn ungewohnten Seite an der linken Außenlinie vervollständigte das immer wieder auftretende Chaos im deutschen Deckungsverbund, das auch der in der ersten Halbzeit verbesserte Matthäus und der erneut ballsichere Nowotny nicht zu verhindern wusste. Wenn Conceicao in die Mitte drängte, war Linke nie zur Stelle, irrte irgendwo nutzlos im Raum herum. Kein Wunder, dass dem als Reservist nach Holland gereisten Lazio-Spieler die drei Treffer fast nach Belieben gelangen.

Die deutsche Elf endete im Desaster, in einer Leistung, die selbst größte Pessimisten ihr nicht zugetraut hatten. Dass nicht mal mehr der Ehrgeiz bestand, sich nicht persönlich düpieren zu lassen, deutet auf eine lethargische Einstellung zumindest an diesem Abend hin. Damit endete eine Europameisterschaft, die brutal die spielerischen, aber auch taktischen und vor allem kämpferischen Defizite dieser Fußball-Generation aufzeigte. Defizite, wie sie wohl noch nie in einer deutschen Nationalmannschaft bestanden!


Matthäus im Interview der Woche: Es ist eine Sauerei! Das Protokoll zu einer Pleite: 5 Sterne, viel Sonne, Kurzurlaub und Feten Erich Ribbeck: "Also bin ich gescheitert" Bierhoff: "Eine Schande" kicker-Chefreporter Wolfgang Tobien beleuchtet die Situation und nennt elf Gründe für die Blamage . Werner Lorant: "Das war das Lächerlichste, was ich je erlebt habe"

 

Aufstellungen, Einwechslungen & Reservebänke

Portugal
Aufstellung:
Pedro Espinha (3)    
Beto (3)    
Jorge Costa (3,5) , 
Rui Jorge (2) - 
Paulo Sousa (2)    
Sergio Conceicao (1)            
Costinha (4) , 
Capucho (2) - 
Sá Pinto (2) , 
Pauleta (3)    

Einwechslungen:
67. Nuno Gomes für Pauleta
72. Vidigal für Paulo Sousa
90. Quim für Pedro Espinha

Trainer:
Coelho
Deutschland
Aufstellung:
Kahn (4,5)    
Rehmer (5,5) , 
Matthäus (4,5) , 
Nowotny (4,5) , 
T. Linke (6) - 
Ballack (6)        
Hamann (5) - 
Deisler (5)    
Scholl (5)    
Bode (5,5) - 
Jancker (5)        

Einwechslungen:
46. Rink (6)     für Ballack
59. Häßler (5) für Scholl
69. Kirsten für Jancker

Trainer:
Ribbeck

Tore & Karten

 
Torschützen
1:0
Sergio Conceicao (35., Kopfball, Pauleta)
2:0
Sergio Conceicao (54., Linksschuss)
3:0
Sergio Conceicao (71., Rechtsschuss, Capucho)
Gelbe Karten
Portugal:
Beto
(1. Gelbe Karte)
Deutschland:
Ballack
(1. Gelbe Karte)
,
Jancker
(1.)
,
Deisler
(1.)
,
Rink
(1.)

Spielinfo

Anstoß:
20.06.2000 20:45 Uhr
Stadion:
De Kuip, Rotterdam
Zuschauer:
51504 (ausverkauft)
Spielnote:  3,5
Chancenverhältnis:
9:3
Eckenverhältnis:
4:7
Schiedsrichter:
Dick Jol (Niederlande)   Note 4
schlechte Auslegung der Vorteilsregel, zweite Halbzeit nicht mehr geprüft.
Spieler des Spiels:

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein Voice & VR eMagazine