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23.06.2008, 13:49

Gomez und Podolski stehen auf unterschiedliche Art im Blickpunkt

"Ich wollte keine Gomez-Show"

Unterschiedlicher könnte es für die beiden kaum laufen. Mario Gomez war im deutschen Sturm gesetzt, doch ihm fehlten Glück und vor allem Tore. Der Stuttgarter hat sich rausgespielt aus Joachim Löws Startelf. Lukas Podolski kam durch die Hintertür "linkes Mittelfeld" rein - und überzeugte voll. Als Torjäger und -vorbereiter. Beide stehen im Blickpunkt, auch, weil ihre Zukunft auf Vereinsebene alles andere als geklärt ist.

Mario Gomez, Lukas Podolski (re.)
Zwei, die für Diskussionsstoff sorgen: Mario Gomez und Lukas Podolski (re.).
© imagoZoomansicht

Die Bayern wollen Gomez, am vergangenen Freitag gab es jedoch erst einmal eine Absage aus Stuttgart. "Das Thema ist für uns erledigt", sagte VfB-Sprecher Oliver Schraft. Wahrscheinlich wird es nach der EURO aber doch noch einmal auf den Tisch kommen. Der 22-jährige Angreifer ist vertraglich noch gebunden, könnte nur via Ablösezahlung wechseln. "Das Interesse der Bayern ehrt mich", sagte Gomez gegenüber dem kicker. Und derzeit wisse er nicht, ob er sein erstes Training nach der EM in Stuttgart oder München absolviert. "Vielleicht weder da noch dort", lässt Gomez Raum für weitere Spekulationen. Bei einem Wechsel müsse jedoch alles stimmen - "das Sportliche, das Familiäre und das Umfeld". Verstimmt zeigte er sich über eine angeblich ironische Äußerung von VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt, der sich am vergangenen Mittwoch in einer TV-Sendung über die Leistungen von Gomez lustig gemacht und scherzhaft eine Ablöse im "dreistelligen Millionenbereich" gemacht hatte. "Über Herrn Hundts Aussage war ich nicht erfreut. Das ist nicht, wie es sein sollte. Das habe ich dem Verein gesagt, dass ich das so nicht akzeptiere."

Denn als EM-Versager fühle sich Gomez keineswegs, trotz der vergebenen Chancen gegen Polen und Österreich. "Man kann mir vorwerfen, dass ich die Chancen vergebe, aber nicht, dass ich mich vorne nicht bewege." Einen Verlust an Sicherheit gesteht Gomez ein, jedoch wolle er nicht aufgeben. "Es wird der Tag kommen, an dem der Ball von meinem Schienbein ins Tor springt". Eine "Mario-Gomez-Show" wollte er sowieso nicht haben - "entscheidend ist der Erfolg der Mannschaft".

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Das sieht auch Lukas Podolski so. "Wir sind hier, um den EM-Titel zu holen, das zählt", sagte der 23-Jährige im kicker-Interview. "Persönliche Ziele", wie etwa die Torjägerkanone bei dieser EURO, habe er sich ohnehin nicht gesetzt. Dennoch kann der frühere Kölner im Gegensatz zu Mario Gomez mit seinen Leistungen mehr als zufrieden sein. Drei Tore, ein erstklassiger Assist beim 1:0 gegen Portugal und eine kicker-Durchschnittsnote von 2,5. Das hatten nicht viele erwartet, zumal für Podolski nach einer Saison als Edelreservist bei den Bayern kein Platz in der Nationalelf schien. "Ich habe vom ersten Tag des Trainingslagers auf Mallorca an alles gegeben, um mich aufzudrängen", so Podolski.

Im Gegensatz zum Verein verspüre er unter Joachim Löw "das absolute Vertrauen". Die Position sei dabei zweitrangig. In ungewohntem Terrain präsentierte sich Podolski trotz des "einen oder anderen Stellungsfehlers" überraschend stark. Ist die Mittelfeldrolle auch eine Option im Verein? "Warum nicht? Nicht nur Toreschießen macht Spaß", meint Podolski. Vertrauen, Spaß und Lockerheit - das geht derzeit nur in der Nationaelf. Bei den Bayern nicht. "Wenn man kaum spielen darf, kann es keinen Spaß machen", argumentiert Podolski. Genugtuung gegenüber den Bayern-Verantwortlichen verspüre er dennoch nicht. Auch wenn das Werben um Gomez seiner Meinung nach das fehlende Vertrauen bestätigt.

Mertesacker wünscht Podolski-Wechsel nach Bremen

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Nun kommt Jürgen Klinsmann, unter dem Podolski eine starke WM 2006 spielte. Trotzdem: Der Ex-Kölner wird seine "Situation unabhängig vom Trainer" bewerten. "Das kommt alles nach der EURO", weiß der Stürmer, der seinen Stellenwert durch die Turnierleistungen gesteigert sieht. Also gibt's zwei Möglichkeiten: Sich bei den Bayern mit gesteigertem Selbstbewusstsein gegen die Konkurrenz um Klose, Toni und möglicherweise auch Gomez durchzusetzen. Oder, den Lockrufen anderer Vereine zu folgen und auf einen Wechsel zu drängen. Juventus Turin, Tottenham und Manchester City haben angeklopft. Das Ausland wolle er "bestimmt nicht ausschließen". Und eine Rückkehr nach Köln, wäre das nicht ein persönlicher Abstieg? Podolski will nichts ausschließen. "Ich weiß selbst, was für mich am besten ist."

Sein DFB-Teamkollege Per Mertesacker, nach eigener Aussage nach leichter Erkrankung inzwischen "erkältungstechnisch, aber noch nicht sportlich über den Berg", sprach sich am Montagmittag in der Pressekonferenz in Tenero für einen Wechsel Podolskis nach Bremen aus. "Man sollte das in Erwägung ziehen, er kann in Bremen auch Champions League spielen." Podolski und Werder, das könnte aus Sicht des Innenverteidigers klappen. "Aber da muss jetzt auch von ihm etwas kommen", so Mertesacker. Bis zum Turnierende wird weiter nur geredet - danach kommt wohl wieder Bewegung rein. In den Fall Gomez. In den Fall Podolski.

23.06.08
 
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