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22.05.2000, 10:05

Regionalliga, Report

Die neue 3. Liga - Jagd auf den Pleitegeier

DFB-Präsident Egidius Braun brachte angesichts von Konkursen und Schuldenbergen in der Drittklassigkeit den Stein ins Rollen - ab der neuen Saison gibt es nur noch zwei statt vier Regionalligen.

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Egidius Braun war der Erste, der laut über die Zukunft der Regionalligen nachdachte. Schon 1997, nur drei Jahre nach der Neuordnung des Profi-Unterbaus in Deutschland, sorgte er sich um die beteiligten Vereine, von denen bereits damals nicht wenige auf wirtschaftlichem Schlingerkurs steuerten. Schuldenberge wuchsen, Pleiten konnten oft nur mit Mühe abgewendet werden.

So darf es nicht weitergehen - lautete die Erkenntnis des DFB-Präsidenten, der das problematische Gebilde unterhalb der 2. Liga professionalisieren wollte. Seine Idee: Eine eingleisige, bundesweite 3. Liga schaffen. Damit setzte sich Braun nicht durch. Aber sein Grundgedanke, die Zahl der teilnehmenden Vereine zu reduzieren, dadurch die Einnahmesituation der Klubs zu verbessern, fand Anklang. Im August 1998 beschloss der DFB, die zweigeteilte Regionalliga zum Jahr 2000 einzuführen.


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Am 28. Juli geht's nun los. Dann startet die neue 3. Liga mit den zwei Staffeln Nord und Süd in ihre erste Saison. Und weiterhin heißt sie Regionalliga, doch die Unterschiede zu der bisherigen Spielklasse dieses Namens sind markant: Nur noch zwei statt vier Staffeln, nur noch 37 statt 74 Vereine, Steigerung der Einnahmen aus den Fernsehgeldern von 100 000 Mark pro Verein (im Norden und Nordosten), bzw. 200 000 Mark (im Westen, Süden und Südwesten) auf 620 000 Mark.

Die Weichen sind gestellt, und der DFB hofft, dass endlich wirtschaftliche Vernunft einzieht in jenen halbprofessionellen Bereich unterhalb der Bundesligen. Bisher war davon in etlichen Klubs wenig zu spüren. Wie schon 1997/98 (Hessen Kassel) verschwand auch in der laufenden Saison ein Klub per Konkurs von der Bildfläche. Der FC Gütersloh aus der Regionalliga West/Südwest verschuldete sich mit rund neun Millionen Mark, die Auflösung des Vereins war im Februar die Konsequenz.

Schon zum Ende der vergangenen Saison führten finanzielle Probleme zum Aus zweier West/Südwest-Vereine. Der Wuppertaler SV und der FC Homburg konnten ihre Versicherungsbeiträge (Berufsgenossenschaft) nicht zahlen - sie wurden aus der Regionalliga ausgeschlossen.

Im laufenden Spieljahr 1999/2000 kreiste der Pleitegeier nicht nur über Gütersloh. Auch andere renommierte Vereine standen kurz vor dem Konkurs. In der Regionalliga Nordost mussten VfB Leipzig, FSV Zwickau und Lok Altmark Stendal, in der Regionalliga Nord der VfB Oldenburg Insolvenzverfahren einleiten. Misswirtschaft, die Schulden in Millionenhöhe erbrachte, führte zur Zahlungsunfähigkeit dieser Klubs. Nur weil Gläubiger bereit waren, sich mit Bruchteilen ihrer Forderungen abfinden zu lassen, konnte die Auflösung dieser Vereine verhindert werden.

Anderen herunter gewirtschafteten Klubs bot sich kurz vor dem Fiasko eine andere Chance. Wirtschaftsunternehmen halfen mit Millionen-Beträgen, ließen sich dafür langfristig die Vermarktungsrechte der Vereine übertragen. Ein "Mehrfach-Retter" ist Dr. Michael Kölmel, dessen Gesellschaft "Sportwelt" bei mittlerweile sieben drittklassigen Klubs eingestiegen ist. Und zwar bei RW Essen, Fortuna Düsseldorf, Union Berlin, Dynamo Dresden, Carl Zeiss Jena, Sachsen Leipzig und dem FC Magdeburg.

Der erhöhte Finanzbedarf der Vereine gerade in der zu Ende gehenden Saison hat einen Grund: Um sich für die neue, zweigeteilte 3. Liga sportlich zu qualifizieren, rüsteten die meisten Klubs kräftig auf. Durchschnittlich zwei Millionen Mark geben die Regionalisten mittlerweile pro Saison für ihr Personal aus, es gibt allerdings auch Klubs, die sich ihre Spieler, Trainer, Manager bis zu vier Millionen kosten lassen.

Ein Missverhältnis von Einnahmen und Ausgaben war gerade in dieser Qualifikations-Saison programmiert. Dennoch: Es musste eine vorzeigbare Bilanz herauskommen, denn erstmals prüfte der DFB die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Drittligisten. Zumindest jener, die sich für die neue 3. Liga bewarben.

83 Klubs taten dies im März. Einige von ihnen zogen sich alsbald wieder zurück, weil ihre Aussicht auf sportliche Qualifikation mehr und mehr schwand, andere warteten mit unvollständigen oder ungeeigneten Bewerbungsunterlagen auf. Blieben noch 62 Vereine, deren Finanzkonzept der DFB unter die Lupe nahm. Nur Preußen Münster und der VfL Osnabrück übersprangen diese Hürde glatt. Ihrem Einzug in die neue 3. Liga steht aus wirtschaftlicher Sicht nichts entgegen. Alle Anderen müssen noch Bedingungen erfüllen, wenn sie weiter auf eine Teilnahme an der zweigleisigen Regionalliga hoffen wollen. Und dabei handelt es sich vor allem um Geld, das noch bereit zu stellen ist. Keine leichte Aufgaben für die Vereine, die ohnehin fast alle bereits verschuldet sind.

Doch der DFB ist hartnäckig. Er will Pleiten in seiner neuen Liga von vornherein ausschalten. Also müssen die Klubs beispielsweise eine Kaution hinterlegen, in Höhe von einem Zwölftel ihrer jährlichen Personalkosten, zwischen knapp unter 100 000 bis hin zu 400 000 Mark.

Darüber hinaus werden als Sicherheit Liquiditätsreserven gefordert. Die Vereine müssen also ihre Kreditwürdigkeit - teilweise bis zu drei Millio- nen Mark - nachweisen. Geschehen muss das alles bis zum 26. Mai. Wenige Tage später steht dann fest, wer sich aus wirtschaftlicher Sicht für die neue 3. Liga qualifiziert hat. Die betreffenden Klubs bleiben aber auch danach unter Kontrolle. Denn sie haben auch Auflagen während der kommenden Saison zu erfüllen. So müssen sie zum Beispiel regelmäßige Zwischenberichte über ihre Finanzen vorlegen.

Notwendige Zwänge für Vereine, die bisher in der Grauzone zwischen Amateur- und Profifußball ohne Kontrolle herum wursteln durften. In der neuen 3. Liga soll es seriös zugehen. Das ist das erklärte Ziel des DFB und seiner Regionalverbände, die alle Anstrengungen unternehmen, 2000/2001 zu einer Saison ohne Konkurse und Insolvenzverfahren zu machen.

Bernd Jankowski

22.05.00
 
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