EM-Tagebuch von Rainer Holzschuh
Was immer als - vorsichtiges - Fazit der ersten vier Spiele genannt werden kann, läuft auf einen Trend zu schnellem Direktspiel hinaus. Bedächtiges Ballgeschiebe, bei früheren Turnieren viel zu häufig ein taktisches Geduldsmittel, scheint out zu sein.
Wie schön wahrer Spitzen-Fußball sein kann, demonstrierten am Samstagabend mehr als eine Stunde lang die Portugiesen und die erstaunlich starken Türken. Das war höchstes Premier-League-Niveau, was der amtierende Vize-Europameister durchweg bot. Kein Wunder, da doch bereits vier Nationalspieler in englischen Top-Klubs zum unverzichtbaren Personal gehören - angeführt vom unvergleichlichen Cristiano Ronaldo, der beste Aussichten besitzt, in diesem Jahr zum "Weltfußballer des Jahres" aufzusteigen. Erst recht, wenn die Portugiesen auch im Verlauf der EM ihre Form konservieren und damit zum Favoriten avancieren.
Die Schweiz dagegen erstarrte am Samstag kollektiv in Fußball-Trauer. Und jeder, außer den Tschechen, musste Mitgefühl entwickeln. Nicht unbedingt, weil da ein Team trotz überragender Leistungen von den Göttern verlassen schien - so überzeugend trumpfte der Gastgeber nun wahrlich nicht auf. Eher rührte das erneute Missgeschick des in der vergangenen Saison von einer langwierigen Verletzung gebeutelten Volkshelden Alexander Frei, dessen Tränen ganz anders einwirkten als kürzlich der Emotionsausbruch von Ottmar Hitzfeld. Dem ehemaligen Bayern-Trainer wird auf der Tribüne wohl bewusst geworden sein, welch schwere Aufgabe als Nationaltrainer ihn erwartet.
Köbi Kuhn wie auch sein Austria-Pendant Pepi Hickersberger werden alle Mühe aufbieten müssen, ihre kämpferisch ansprechenden, aber fußballerisch doch weit von internationaler Spitze entfernten Manschaft wieder aufzurichten. Beide Teams erarbeiten sich hochkarätige Chancen, aber bei beiden überwog im Gleichklang das Gefühl, sie hätten noch Stunden spielen können, ohne an diesem Tag entscheidend zu treffen.
Dass nun beide Co-Gastgeber mit einer Niederlage ins Turnier gestartet sind, verschafft dem in weiten Kreisen der Bevölkerung ohnehin braven EM-Ambiente keinen weiteren Schub. Die Österreicher wie die Schweizer können bereits mit einer erneuten Niederlage in dieser Woche faktisch aus dem Turnier raus sein und dann werden die wenigen EURO-Accessoires, die man ganz vereinzelt im Land noch sieht, vollends eingemottet.
Schade, denn zumindest bei den offiziellen Anlässsen herrschte ein gutes Maß an EM-Glanz vor. So wie beim stilvollen Eröffnungsempfang des Österreichischen Fußball Bundes im wunderschönen Wiener Kursalon Hübner, bei dem Gelassenheit oberstes Merkmal schien. So viel innere Ruhe kann wohl nur ein Volk entwickeln, das ohnehin ganz entfernt von einer gediegenen Chance eines überragenden Abschneidens träumt.
Welches Paar soll bei der EURO die Innenverteidigung bilden?(47698 Teilnehmer)
|
|
|||||||||||||||
|
||||||||||||||||
| Zeit | Sender | Sendung |
|---|---|---|
| 16:30 | SKYBU | Fußball: Bundesliga |
| 16:30 | SP1 | Handball |
| 17:00 | BR3 | Blickpunkt Sport |
| 17:00 | SKYBU | Fußball: Bundesliga |
| 18:00 | ARD | Sportschau |
| Die aktuellsten Forenbeiträge |
|---|
|
Re (2): Rock am Ring im TV
von:
Adler-Power
- 02.06.12, 16:06 - 0 mal gelesen
|
|
neues Stadion
von:
_evanilson_
- 02.06.12, 16:05 - 1 mal gelesen
|
|
Re (3): Ich gebe mich geschlagen
von:
magical
- 02.06.12, 16:01 - 3 mal gelesen
|