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08.07.2016, 16:23

C'est la vie - der kicker unterwegs in Frankreich

Als Fußballer zweitklassig, als Taxifahrer erstklassig

Man kennt das. Man sitzt im Taxi und irgendwann fängt man an zu reden. Über das teure Leben, die hohen Steuern, die verblödeten Verkehrsteilnehmer, das Wetter oder eben Fußball. Der junge Taxifahrer, der uns vom Stade de France nach Hause fährt, ist PSG-Fan. "Ich bin Pariser, da ist man für PSG." Aber es gibt doch noch den FC Paris, auch Red Star? Der Taxifahrer schaut mit großen Augen. "Woher kennst du die Vereine? Ich habe selbst mal für Red Star gespielt", antwortet er überrascht.


Aus Paris berichtet Mounir Zitouni

Ein extrem sicherer Taxifahrer in Paris - das ist nicht wenig.
Ein extrem sicherer Taxifahrer in Paris - das ist nicht wenig.
© Getty ImagesZoomansicht

Red Star, ein Verein, im Norden von Paris beheimatet, ist ein großer Traditionsklub in Frankreich, wurde schon 1897 u.a. von Jules Rimet gegründet. Die größten Erfolge feierte der Verein mit Pokalsiegen in den 20er-Jahren, wurde zudem 1946 Vizemeister. 1975 spielte Red Star letztmals in der 1. Liga, nach mehreren Abstürzen bis in die Amateurklassen, spielt der Klub mit dem roten Stern im Emblem seit 2015 wieder in der 2. Liga.

Fouzi, wie sich der Taxifahrer vorstellt, ist Algerier und spielte mehrere Jahre für den Traditionsklub. "Wir sind zweimal aufgestiegen." Ich schaue noch ein wenig ungläubig. "Aber du bist jetzt 30 und fährst Taxi", sage ich. Irgendwo muss doch ein Haken sein. "Ach, ich war im Ausland, habe mich verletzt."

Fouzi holt aus. Ein Agent habe ihn 2012 zu Otelul Galati, in Rumänien, vermittelt. Doch dort habe er weder gespielt noch Geld bekommen. Er sei dann zu Steaua gegangen, doch auch dort habe er nicht gespielt. Nach einem Jahr in Rumänien sei er nochmals in die Ukraine gewechselt, erzählt er. Den Verein kenne er nicht mehr. Das sei auch nicht so wichtig, denn lange sei er eh nicht geblieben.

Fouzi Djemai
Fouzi Djemai
© website Red Star, 12.12.2009

Nach dieser Odyssey habe er sich, zurück in Frankreich, am Knie verletzt und fahre nun Taxi, um ein wenig Geld zu verdienen. "Ich bin schon 30, wie soll ich es hier nochmal schaffen?", fragt er. Trainieren, nochmal Gas geben? Fouzi scheint desillusioniert zu sein. "Hier in Frankreich geben sie dir keine richtige Chancen, wenn du nicht die richtigen Beziehungen hast", klagt er.

Wir sind angekommen. Er sagt mir seinen Namen und fordert mich auf, zu googeln. Das tue ich und entdecke den Taxifahrer tatsächlich später im grün-weiß gestreiften Trikot von Red Star. Auch ein Interview mit der vereinseigenen Homepage gibt es zu lesen. Allerdings, so scheint es mir, war Fouzi nur Spieler der zweiten Mannschaft von Red Star. Wie dem auch sei, der Algerier war nicht nur ein sehr netter und kurzweiliger Gesprächspartner, sondern auch ein extrem sicherer Taxifahrer. Und das ist in Paris nicht wenig in diesen Tagen.

Zur EM gehört weitaus mehr als nur der Fußball an sich: Land und Leute, Fans und Stimmung, Kultur und Kurioses. 14 kicker-Reporter sind vor Ort in Frankreich, um auch von außerhalb der Stadien zu berichten.

Mounir Zitouni

 
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