Starker Koscielny lobt den Teamgeist

Ekstase, der Schlussakkord - und ein gutes Omen

EM - 08.07. 11:17

"Mit Antoine Griezmann hat der französische Fußball einen neuen Helden", sagt Thierry Henry, Frankreichs Welt- und Europameister von 1998 und 2000, der während der Europameisterschaft für die BBC im Einsatz ist. Damit bringt der Rekordtorschütze der Equipe Tricolore (51 Treffer) das Halbfinale von Marseille auf den alles entscheidenden Nenner.

Aus Marseille berichtet Hardy Hasselbruch

Bloß nicht zu früh freuen: Das scheint auch Frankreichs Trainer Didier Deschamps seiner Mannschaft hier einbläuen zu wollen. © imago

Mit 19,2 Millionen Zuschauern im Schnitt erreichte der übertragende Sender TF 1 die höchste Einschaltquote überhaupt in diesem Jahr. In der Spitze hatte das Spiel sogar phasenweise 22,2 Millionen Besucher. Beweis dafür, dass Frankreich seine Liebe zur Equipe Tricolore wiederentdeckt hat.

"L'Extase" titelte die L'Equipe, Frankreichs täglich erscheinende Sportzeitung , und die ausgelassen jubelnden Spieler der Equipe Tricolore - die Ekstase! Frankreich im Rausch, jetzt schon im Rausch des Finales. Am Freitag flog die Mannschaft von Marseille zurück nach Paris, dem Ort des Endspiels am Sonntag gegen Portugal. In der Verbandssportschule von Clairefontaine, etwa 50 km südwestlich von Paris gelegen, wird sich die Mannschaft auf das große Finale vorbereiten.

Deschamps setzt erneut auf Umtiti

Am Ende hatten alle Beteiligten der Equipe Tricolore im Halbfinale gegen den Weltmeister Deutschland alles richtig gemacht. Die Aufstellung von Marseille war kein Geheimnis, sieht man einmal davon ab, dass Trainer Didier Deschamps in der Innenverteidigung erneut Samuel Umtiti (in seinem 2. Länderspiel!) den Vorzug gegenüber Adil Rami gab. Überraschend war nur die Taktik, die Deschamps gegen den Weltmeister gewählt hatte: Abwarten im 4-4-2-System, den Deutschen den Ballbesitz zu lassen, um dann gefährlich zu kontern und Nadelstiche zu setzen. Mit dem lauf- und defensivstarken Momo Sissoko auf der rechten Seite, während die Turnierentdeckung Dimitri Payet Probleme hatte, seine Defensivschwächen zu kaschieren.

Dafür stand die Defensive sehr sicher mit einem formidablen Laurent Koscielny und einem überragenden Hugo Lloris im Tor. Er zeigte bei einigen spektakulären Paraden sein überragendes Reaktionsvermögen und hielt die Equipe im Spiel. Zum Helden von Marseille aber avancierte Antoine Griezmann. Der Angreifer von Atletico Madrid wurde zum Torjäger und Spielmacher in einem. Nach seinem Doppelpack gegen Manuel Neuer führt Griezmann mit sechs Treffern die Torschützenliste des Turniers deutlich an.

"Wir sind für unseren aufopferungsvollen Einsatz belohnt worden."

Laurent Koscielny

"Das schwerste Spiel kommt erst noch auf uns zu", dämpfte Laurent Koscielny gleich mal die überschäumende Euphorie in der Mannschaft und meinte damit das Finale von Paris. "Aber wir haben als Team zusammengestanden, als uns die Deutschen mit ihrem Ballbesitzspiel unter Druck gesetzt haben. Wir sind für unseren aufopferungsvollen Einsatz belohnt worden", meinte Koscielny, "belohnt für unser Teamwork seit dem 17. Mai, als wir mit unserer Vorbereitung in Biarritz begonnen haben."

"Wir können ein neues Kapitel in der Geschichte des Fußballs hinzufügen", hatte Trainer Didier Deschamps vor dem Spiel geunkt. Genau das ist der Equipe Tricolore in Marseille gelungen. Mit einer vorbildlichen Einstellung, mit einer starken Mannschaftsleistung. Mit Spielern wie Paul Pogba, der sich mit seiner Defensivarbeit in den Dienst der Mannschaft gestellt hat. Aber nicht, ohne sich mit einem Highlight in die Geschichte des Spiels einzubringen. Schließlich bereitete er das 2:0 mit einem Tänzchen gegen Mustafi und anschließender Flanke vor.

Jetzt bleibt also nur der Schlussakkord in Paris. Die Stimmung ist inzwischen im ganzen Hexagon bereitet. Für einen nächsten Titel im eigenen Land. Denn den Heimvorteil nutzten die Franzosen schon 1984 bei der Europameisterschaft und 1998 bei der Weltmeisterschaft. Ein durchaus gutes Omen.

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