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20.06.2016, 14:38

"Manic Monday" in einem Vorort von Lille

Keine Fritten in Loos

Und prompt macht er sich wieder lustig, Bruce Dickinson von Iron Maiden. Mit seiner Einladung: "On Thursday night you can do it, on Friday night you can do it, on Saturday night you can do it..." Jeden Tag war, übertragen gesagt, alles möglich. Nun taucht er aus der Vergangenheit auf und Monster-Maskottchen Eddie gleich mit: Im Schlepptau die Erinnerung an die Live-Aufnahme der Rocker von Iron Maiden aus den 80ern. Es muss am Hunger liegen, dass die Gedanken schwirren, das gute "Blonde", das es hier im Norden Frankreichs gibt, haben wir heute noch nicht genossen.


Aus Lille berichtet Jörg Wolfrum

Fritten-Alarm in Frankreich - oder doch nicht?
Fritten-Alarm in Frankreich - oder doch nicht?

Hier in Loos, einem Vorort von Lille, ist mal wieder nichts los. Zumindest hat unser Sehnsuchtsort, die Friterie, die Frittenbude, geschlossen. Manic monday. Nur, dass auch der Sunday kein fun-day war, wie es bei den Bangles heißt. Und am Samstag war auch zu. Frites Fraiches, wie der Kiosk wirbt: Schön wär's. Der Smiley, der das Pommes-Logo an der Kiosk-Front ziert, scheint uns auszulachen.

Die berühmten Fritten, wir hatten sie schon auf der Anreise in Belgien genossen. Sie verwandelten eine aus der Zeit gefallene Autobahn-Raststätte fast schon zum Gourmet-Tempel. Die Klinke zur Toilettentür wollte man nicht mal mit spitzen Fingern berühren, aber die Fritten waren ein Gedicht. Und die Soßen erst... Hannibal, Cocktail, Andalusien... Wir entschieden uns für Samurai. Doch selbst ein banales Ketchup könnte diesen Fritten nicht ihrer Klasse berauben.

Wir sagen daher lieber: Remis

Auch hier, ein paar Kilometer hinter der Grenze. Auch hier sind Fritten Kult, die Schlangen vor den Buden zeugen davon. Selbst die kleine Portion für 2,50 Euro reicht für zwei, und wer will, darf sogar mit Karte zahlen. Französische oder belgische Fritten? Jetzt nur keinen Fehler machen und diese wunderbar freundlichen Nordfranzosen brüskieren... Wir sagen daher lieber: Remis. Nur, wie gesagt: Heute ist nichts los in Loos, zumal in diesem Moment auch die andere Friterie am Ort geschlossen hat.

Man könnte auf der anderen Straßenseite zu einem Mister Donald oder so ähnlich gehen - allerdings: Könnte es einen größeren Fritten-Frevel geben?

Also Rundgang, vielleicht findet sich was anderes. Einen Steinwurf entfernt von der Friterie zunächst mal eine Schule, daneben ein Musikinstitut, dazu ein Nachbarschaftszentrum, Kinder, viele davon mit Migrationshintergrund, werden dort nachmittags umsorgt. Freilich nicht mit Fritten. Es ist eine bunte Mischung hier im Arbeitervorort. Gegenüber quasi, auf einer begrünten Verkehrsinsel, haben Sinti und Roma ihre Zelte aufgeschlagen, wir sind noch immer in Sichtweite der Friterie. Bei jeder Ampel-Rotphase klopfen die kleinsten aus der Großfamilie an die Fensterscheiben der Autos, die Einladung zu Pommes bei Herrn Donald lehnen sie jedoch ab. Sie sind auf Euro getrimmt.

kicker-Redakteur Jörg Wolfrum vor verschlossener Frittenbude.
kicker-Redakteur Jörg Wolfrum vor verschlossener Frittenbude.

Weiter also: Je tiefer wir eintauchen in den Vorort Loos, desto mehr hat geschlossen. Allerorten "A vendre", zu verkaufen. Viele dieser Schilder so vergilbt wie die offenbar seit Jahren leer stehenden Immobilien. Die alten, verwaschenen Gardinen hinter einfachen Holzfenstern zeugen davon. Was in besseren Tagen vielleicht heile Welt verkörperte, charakterisiert heute den Stillstand.

Lange Theke, Zapfhähne und der Charme der Vergangenheit

Der Blumenladen? Dicht. Die Bücherei? Auch. Gut, gelesen wird heute selbst in besten Kreisen immer weniger. Aber es passt ins triste Bild. "Le Pain a l'Ancienne", die Bäckerei: vernagelt. "Nach alter Art" wurde hier gebacken. Zuletzt vor langer Zeit. Dafür gibt es eine Confiserie. Und einen Schönheitssalon. Für Hunde. Die Herrchen können in den Waschsalon. Luxus in Loos. Ebenfalls aktiv, wie auch nicht: ein Steinmetz unweit der beiden Friedhöfe, nahe des Looser Stadions. Die Kneipe dort: Hat was. Lange Theke, ein paar Zapfhähne und den Charme der Vergangenheit. Nur leider: gerade geschlossen.

In "Manic Monday" erträumten sich die Bangles einst ein Flugzeug zur Flucht nach vorne. Könnte uns Bruce Dickinson von Iron Maiden vielleicht...? Mit der Ed Force One ...? Bei der nächsten Frittenbude absetzen?

Oh la la! Vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, selbst wenn's um fantastische Fritten geht. Offen hat abends ja immer ein grell-bunter Fast-Food-Pizza-Bäcker. Und: Im TV läuft dort sogar EM.

Zur EM gehört weitaus mehr als nur der Fußball an sich: Land und Leute, Fans und Stimmung, Kultur und Kurioses. 14 kicker-Reporter sind vor Ort in Frankreich, um auch von außerhalb der Stadien zu berichten.

 

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