Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
16.06.2016, 14:54

kicker-Chefredakteur Jörg Jakob in Lens

"Banter" im TGV: Mit Engländern und Walisern unterwegs

So geht's auch. Statt sich am Vorabend eines Spiels in einer berüchtigten Hafengegend zu versammeln oder in einem Bahnhofsviertel, reisen Tausende Engländer und Waliser mit den TGV über Paris ins kleine Lens.

Waliser und Engländer in Lens
Waliser und Engländer am Donnerstag in der Innenstadt von Lens.
© kickerZoomansicht

Die 32000-Einwohner-Stadt, deren Stadion mehr Zuschauer fasst (38000), ist auf den "Battle of Britain" vorbereitet. Die Schulen sind vorsichtshalber geschlossen, am Himmel kreisen Hubschrauber, am Bahnhof stehen auch speziell ausgerüstete, schwer bewaffnete und vermummte Polizisten, aber wohl dosiert. 1400 Polizisten und Gendarmen seien insgesamt im Einsatz, hieß es.

Am Abend in Lille waren es andere Szenen, die befürchteten. Jagdszenen mit rund 200 englischen Rowdys, Russen, auch Franzosen. Katz-und-Maus-Spiele, keine harmlosen, viel Tränengas. 36 Festnahmen, die meisten wegen Trunkenheit.

Von einem strikten Alkoholverbot kann nicht die Rede sein

In Lille und in Lens kann von einem strikten Alkoholverbot nicht die Rede sein. Auch nicht im TGV. Wer ein E-Ticket buchte, bekam kurz darauf die Nachricht per Mail, dass die Mitnahme von Alkohol verboten sei. Also ein "dry train", wie sie auf der Insel öfter eingesetzt werden.

Doch es wird nicht kontrolliert und die britischen Brüder können teilen. Die Engländer im Abteil versorgen bereitwillig einige Waliser. Alles in Maßen.

Der Zug setzt sich mit Verspätung in Bewegung, mit den Sitzplatzreservierungen ist einiges durcheinander gelaufen. Sitzen jetzt die vier Waliser falsch, oder die vier Engländer? Und überhaupt: Mit mir sind wir an diesem Tisch sowieso einer zu viel. "No problem", ein Chelsea-Fan nimmt freiwillig die unbequeme Kofferablage.

Im Zug blüht zwischen den Fans der Flachs

Je näher der TGV Arras und schließlich Lens im Norden kommt, desto mehr ist Zeit für "banter". Der typische britische Flachs zwischen Fußballfans blüht. Die Southampton- und Liverpool-Anhänger geben den Ton an, fordern die Jungs aus Swansea heraus.

Jetzt geht's um Joe Allen, den "Pele von Wales, hahaha", und um "Ian Rush, der heute auch mit 60 noch besser stürmt, als Hal Robson-Kanu." Also: "Warum stellt ihr Rush nicht auf?" Auch, dass die Waliser bei der EM vor den Spielen ihre eigene Hymne und nicht "God save the Queen" anstimmen, wird thematisiert: "Singt mal die Hymne richtig."

Die Frauen und Männer mit dem Drachen im Wappen nehmen es mit Humor. Solche Sprüche sind unverfänglich, im Vergleich zu anderen nur allzu gut bekannten Beleidigungen.

Nicht jetzt und hier, aber wenn die Cardiff- oder Swansea-Supporter sonst auswärts antreten, singen "the Welsh" oft ironisch: "We know what we are, sheep shagging bastards, we know what we are". Nun, das ist nicht schön, aber wenn es beim verbalen Schlagabtausch bleibt beim von den Medien sogenannten "Battle of Britain", dann ist schon viel gewonnen. Und im Stadion ertönt dann, wie beim Länderspiel in Berlin unlängst schon pausenlos zu hören, der neue Lieblingssong auf beiden Seiten: "Don't take me home, I don't wanna go to work, I wanna stay here, drink their lovely beer."

kicker Sonderheft zur EURO 2016
 
Seite versenden
zum Thema

DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel kicker MeinVerein Voice & VR eMagazine