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14.06.2016, 15:36

kicker-Reporter Mounir Zitouni auf den Straßen von Paris

Wie ein Cowboy im gefahrenvollen Tal

Spätestens am Place Charles de Gaulle wird es haarig. Den beeindruckenden und mächtigen Triumphbogen vor Augen werden die aus allen Richtungen heranfahrenden anderen Autos zu echten Bedrohungen. kicker-Reporter Mounir Zitouni stürzte sich ins Pariser Verkehrschaos.

Viel los am Arc de Triomphe: Autos von allen Seiten.
Viel los am Arc de Triomphe: Autos von allen Seiten.
© picture allianceZoomansicht

Raketenartig schießen sie aus den zwölf Avenues heran, machen aus dem riesigen Kreisel am Champs-Elysées eine echte Herausforderung. Angesichts der fehlenden Markierungen und der links wie rechts überholenden Wagen wird die Fahrt um den Triumphbogen zum Überlebenskampf. Von wegen gemütlich eine Runde drehen.

Am Arc de Triomphe gilt die Rechts-vor-links-Regelung, das heißt bei einer Runde zwölfmal abstoppen und irgendwie schauen, eine Lücke im Strom der von rechts ankommenden Wagen zu finden. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. In Frankreich gibt es zwei Arten von Kreiseln: Zum einen den klassischen, mehr und mehr aussterbenden so genannten rond-point, der sich an Plätzen wie jenem am Arc de Triomphe befindet; daneben hat man aber auch den "carrefour giratoire", ebenfalls ein Kreisel, der aber der Familie der Kreuzungen angehört und im Gegensatz zum "rond-point" den Autos, die sich im Kreisverkehr befinden, die Vorfahrt gibt.

Selbst die Franzosen kommen da schon mal ins Grübeln, wann wo was gilt. Ich auch. Ich merke schnell: Mit Vorsicht komme ich hier nicht weit. Es ist eher so: Je aggressiver und forscher ich fahre desto mehr Platz machen einem die anderen Verkehrsteilnehmer. Das ist am Place Charles de Gaulle so wie überall sonst in Paris. Das Verhalten der Auto- und Motorradfahrer in der Stadt hat eher süd- als mitteleuropäische Züge. Rote Ampeln werden genauso gerne ignoriert wie Zebrastreifen oder Vorfahrtsregelungen. Anständiges Einparken funktioniert hier nur anständig, wenn man einmal vorne und hinten die anderen Autos anstupst. Und wer am Tag weniger als zehnmal hupt, der hat noch einen weiten Weg in der Pariser Verkehrsschule vor sich.

Wer nicht frühzeitig Platz macht, kriegt Ärger

Chaotisch: Verkehr in Paris.
Chaotisch: Verkehr in Paris.
© kicker

Frankreichs Hauptstadt, das ist verkehrstechnisch Palermo statt Kopenhagen. Das zeigt sich besonders auf dem berüchtigten Peripherique, der drei- bis fünfspurigen Stadtautobahn, die wie ein Ring um das Stadtzentrum führt und beinahe zu jeder Tageszeit Stop-and-go hat. Blinker? Für Franzosen ein weit überschätztes Utensil. Rechts überholen? Muss wohl im französischen Code de la Route erlaubt sein. Besonders gefährlich leben die Motorradfahrer, die im Slalom an den langsamer fahrenden oder stehenden Wagen vorbeirasen. Wer da nicht frühzeitig Platz macht, kriegt Ärger. Ich erschrecke zweimal, weil mir Zweiradfahrer mit der Faust oder Hand aufs Auto schlagen, weil ich keine Lücke neben mir zuließ. Doch zwischen all den Autos, Motorrädern und LKW ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten. Den richtigen Weg zu finden ist in einer Stadt wie Paris, das inklusive der Vorstädte 13 Millionen Einwohner hat und wo täglich neue Baustellen und Straßensperrungen dazukommen, nicht einfach.

Das bekannteste Schild der Franzosen: "Toutes directions", alle Richtungen. Für suchende Touristen und Besucher in der Stadt nicht wirklich eine große Hilfe. Geduld ist gefragt und das eigentlich immer. Aber irgendwann bin auch ich an diesem Tag sicher in meinem Parkhaus angekommen. Mit dem Auto ohne Beulen fühle ich mich wie ein Cowboy, der gerade mit seinem Pferd ein gefahrenvolles Tal durchquert hat. Das Komische: Irgendwie freue ich mich schon wieder auf die nächste Fahrt. Chaos kann anziehend sein, zumindest in diesem Fall.

Zur EM gehört weitaus mehr als nur der Fußball an sich: Land und Leute, Fans und Stimmung, Kultur und Kurioses. 14 kicker-Reporter sind vor Ort in Frankreich, um auch von außerhalb der Stadien zu berichten.

Mounir Zitouni

 
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