
England und Elfmeterschießen ist ein sensibles Thema, deshalb herrschte große Aufregung im Lager der Three Lions, als man feststellte, dass auf dem Trainingsplatz der Elfmeterpunkt einfach fehlte. Nur ein Versehen oder doch ein böser Scherz? Nur gut, dass der Platzwart vermutlich kein Deutscher ist. Das polnische Boulevardblatt Fakt schrieb von einem "Skandal auf dem Platz" und dass Englands Teammanager Roy Hodgson deswegen angeblich ziemlich sauer gewesen sein soll. Zumindest beim öffentlichen Training am Freitag konnte er kein Elfmeterschießen üben lassen. Der Elfmeterpunkt und der Engländer - Freunde werden das wohl nie. Zuletzt flog England bei der WM 2006 in Deutschland im Viertelfinale gegen Portugal wegen seiner Strafstoß-Schwäche aus einem Turnier.
Einige russische Fans wurde handgreiflich (siehe unten), andere brannten während der Partie gegen Tschechien (4:1) Feuerwerkskörper ab und beleidigten den dunkelhäutigen Spieler Theodor Gebre Selassie mit Affenlauten rassistisch. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hat daher ein Disziplinarverfahren gegen den russischen Verband eingeleitet. Das Disziplinarverfahren, teilte die UEFA mit, bezieht sich "auf das Abbrennen und Werfen von Feuerwerkskörpern" sowie das Zeigen "unerlaubter Plakate". Der rassistische Vorfall, den die Organisation Football Against Racism in Europe (FARE) gemeldet hatte, werde untersucht.
Nicht allen Russen ist der überzeugende Sieg gegen die Tschechen gut bekommen. Einige Fans haben im Anschluss an den 4:1-Sieg ihres Teams in Breslau vier Ordner angegriffen und dabei verletzt. Das bestätigte die Polizei in Breslau am Samstag. Der polnische Fernsehsender TVN24 hatte zudem ein Amateurvideo gezeigt, auf dem die Attacke genau zu erkennen war. Eine Gruppe mehrerer Rowdys griff die freiwilligen Helfer am Randes des EM-Stadions an und verletzte sie durch Schläge und Tritte. Über die Gründe ist nichts bekannt. "Vier Personen mussten im Anschluss an diesen Vorfall für kurze Zeit ins Krankenhaus gebracht werden", sagte Polizeisprecher Pawel Petrykowski: "Wir versuchen jetzt, die Angreifer zu identifizieren."
Die TV-Qoten stimmten am ersten Tag der EURO. Das Eröffnungsspiel des Gastgebers Polen am frühen Freitagabend gegen Griechenland (1:1) sahen im Schnitt 9,96 Millionen Zuschauer. Sogar die 10-Millionen-Marke knackte das Spiel zwischen Russland und Tschechien (10,78). Kein Wunder, waren die Russen doch bestens gelaunt und boten einen ersten fußballerischen Leckerbissen. Tschechien wurden gleich vier Tore eingeschenkt, entsprechend ernüchternd war der Tag danach. Rosicky und Baros mussten beim Training kürzer treten und waren nur im Fitnessraum aktiv. Aber die Fans müssen sich keine Sorgen machen, beide sind am Dienstag gegen Griechenland (18 Uhr) wieder am Ball.

Bei der Frage, ob Schwedens Johann Elmander gegen Co-Gastgeber Ukraine gegen das Spielgerät treten wird, scheiden sich die Geister. Denn aus der Türkei meldet sich sein Klub zu Wort: "Unsere Ärzte sind nach wie vor der Meinung, dass er mindestens sechs Wochen warten muss, bis er spielen kann. Selbst wenn wir uns inmitten der Liga-Saison befänden, würden wir so lange warten", sagte Galatasarays Teammanager Cenk Ergün der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet. Weil der 31-Jährige gerade erst von einer Verletzung am rechten Fuß genesen ist, macht sich sein Verein nun Sorgen. Und was sagt der Spieler? Elmander selbst sieht sich bereit für einen Einsatz.

Am Samstagabend steht für die Niederländer der erste Einsatz bevor und auch hier riecht es nach Ärger. Bondscoach Bert van Marwijk schmeckt das Gras im ukrainischen Charkow nicht. Nach dem Abschlusstraining im Metalist Stadion vor dem Auftakt in der deutschen Gruppe B gegen Dänemark kritisierte der ehemalige Dortmund-Coach den Zustand des Rasens. "Der Rasen ist zu lang und zu trocken. Es sind nur ein paar Millimeter, aber das kann schon ein großer Unterschied sein. Vor allem für unser schnelles Spiel", sagte van Marwijk. Eine Lösung ist denkbar einfach: "Der Platz muss nicht nur gemäht, sondern auch gesprengt werden."
Andrea Barzagli wird trotz seiner Wadenzerrung im EM-Aufgebot von Italien bleiben. "Die Kernspin-Untersuchung hat eine Verbesserung gezeigt", sagte Mannschaftsarzt Enrico Castellacci, "wir haben entschieden, ihn hier zu behalten. Er wird in den ersten beiden Spielen nicht zur Verfügung stehen, aber wir versuchen, dass er im dritten Vorrundenspiel spielen kann. Es gibt leichten Optimismus." Vorsorglich hatte der viermalige Weltmeister Abwehrspieler Davide Astori ins Mannschaftsquartier nach Krakau eingeflogen.
EURO-Splitter (09.06.): Frauen erlaubt, Alkohol verboten
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