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12.11.2011, 16:10

Türkei/Kroatien: Bilic gerät ins Schwärmen

Konsternierter Hiddink stellt sich vor sein Team

Es sollte eine rauschende Ballnacht werden, es endete mit einer der größten Enttäuschungen der jüngeren türkischen Fußball-Geschichte. Nach einer phasenweise konfusen Leistung verlor das Team von Trainer Guus Hiddink vor eigenem Publikum mit 0:3 gegen Kroatien und verspielte damit aller Voraussicht nach das EM-Ticket. Hiddink, dessen Tage am Bosporus sich dem Ende entgegen neigen, stellte sich immerhin vor sein Team.

Emre Belözoglu, Giray Kacar, Sabri Sarioglu, Mehmet Topal und Volkan Demirel
Bitterer Abgang: Emre Belözoglu, Giray Kacar, Sabri Sarioglu, Mehmet Topal und Volkan Demirel nach dem 0:3 gegen Kroatien.
© imagoZoomansicht

"Ich bin für dieses Resultat verantwortlich", sagte der erst am Dienstag 65 Jahre alt gewordene Niederländer klipp und klar nach der deprimierenden Niederlage im Stadion von Galatasaray Istanbul.

Ob seine rühmliche Einstellung ihn aber noch vor der Entlassung wird retten können, erscheint zweifelhaft. Bereits nach dem 1:3 im Oktober gegen die deutsche Elf blies ihm heftiger Gegenwind entgegen, einen Tag nach dem Debakel gegen die Kroaten ließen die türkischen Gazetten keinen Zweifel daran, dass die Zeit des Niederländers am Bosporus spätestens am Dienstagabend nach dem Rückspiel in Zagreb abgelaufen sein dürfte.

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"Wir sind am Ende, und Hiddink auch", schrieb zum Beispiel Milliyet und berief sich auf Quellen innerhalb des türkischen Fußballverbandes. Angeblich soll der erfahrene Coach sogar ohne Abfindung entlassen werden können, wenn er nicht von sich aus zurücktritt.

Zumal die Leistung der Türken nicht wirklich Anlass zur Hoffnung auf ein Fußball-Wunder macht. Eine orientierungslose Abwehr, die alle drei Treffer der Kroaten mehr oder weniger begünstigte, eine nur wenig durchschlagskräftige Offensive, die sich keine einzige nennenswerte Torchance erspielen konnte sowie eine allgemein um sich greifende Verunsicherung. Symptomatisch die Szene in der 26. Minute, als Hamit Altintop durch eine fast schon peinliche Schwalbe einen Elfmeter zu schinden versuchte.

Auch Hiddink selbst verschwendet an ein Wunder nur wenig Gedanken und wirkt mit seinem Latein am Ende: "Es ist wichtig, dass die Spieler nun für die Ehre, für sich selbst und ihr Land spielen", sagte der 65-Jährige. Ein Weiterkommen werde "sehr schwierig, fast unmöglich", gestand Hiddink ein. Zumal in der kroatischen Hauptstadt mit den gesperrten Arda Turan, Sabri Sarioglu, Emre Belözoglu und Hakan Balta gleich vier Stammspieler fehlen werden.

Eitel Sonnenschein herrschte dagegen bei den Kroaten. Die Elf vom Balkan hat nicht nur das EM-Ticket fast in der Tasche, sondern feierte auch noch eine gelungene Revanche für das verlorene Viertelfinale bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz. Damals triumphierten die Türken mit 3:1 im Elfmeterschießen.

Die frühe Führung durch Bayern-Stürmer Olic spielte dem Team von Nationalcoach Slaven Bilic in die Karten. "Das Spiel war nach zwei Minuten entschieden", stimmte auch Hiddink zu. Die Kroaten konnten ihre taktische Raffinesse ausspielen und auf die Fehler der Türken warten. Mandzukic und Corluka jeweils per Kopf nutzten diese denn auch konsequent aus.

Am Ende zeigten die Türken Auflösungserscheinungen und wurden vom eigenen Publikum gnadenlos ausgepfiffen. Die Kroaten zeigten sich aber gnädig und beließen es beim 3:0. "Wir hätten einen noch höheren Sieg verdient gehabt. Es war einfach fantastisch", war Bilic aber rundum zufrieden.

Allerdings mahnte der frührer KSC-Spieler vor Nachlässigkeit: "Das ist ein fantastisches Resultat, aber wir haben erst Halbzeit und es ist noch nicht vorbei. Wir müssen konzentriert bleiben", meinte der 43-Jährige.

12.11.11
 
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