Alles klar in Gruppe A! Deutschland gewann das Nachbarschaftsduell gegen Österreich auf imponierende Art und Weise mit 6:2 und kann die Hotelzimmer für die EM bereits buchen. Bleibt noch Platz zwei, der in die Relegation führt. Die Türken sind jetzt wohl der aussichtsreichste Kandidat auf diesen Rang, auch wenn sie sich fast einen dicken Ausrutscher geleistet hätten - aber eben nur fast! Der türkische Trainer, Guus Hiddink, schrammte ohne die verletzten Nuri Sahin und Hamit Altintop knapp an einer Blamage vorbei. Bis zur siebten Minute der Nachspielzeit hatte Kasachstan den Türken ein 1:1 abgetrotzt. Burak Yilmaz' Führungstor (31.) egalisierte Ulan Konysbaev (55.) nach der Pause. Danach drückte Türkiye mit aller Macht nach vorne, biss sich aber die Zähne aus und zeigte zudem noch Nerven. In der Nachspielzeit flog Selcuk Inan nach einem harten Foul gegen Heinrich Schmidtgal (SpVgg Greuther Fürth) mit glatt Rot vom Platz (90.+2). Vieles sah nach einem Patzer der Türken aus, den jedoch Arda Turan per direktem Freistoß in der siebten Minute der Nachspielzeit (!) noch verhinderte. Durch den mühsamen Sieg eroberte die Hiddink-Elf Platz zwei und hat zudem noch ein Spiel in der Hinterhand.
Neben den Türken sind die Belgier ein weiterer ernstzunehmender Kandidat. "Vor uns liegt eine rosige Zukunft", erklärte Leekens kürzlich. Sie sprechen bereits von einer "goldenen Generation", umso größer wäre die Enttäuschung, würde nicht der zweite Platz herausspringen, dazu war ein Sieg in Aserbaidschan fest eingeplant. Für das Team von Coach Georges Leekens, der ohne den verletzten Daniel van Buyten (Achillessehnenprobleme) auskommen musste, kam es dann aber anders: Zwar hatte Nürnbergs Routinier Timmy Simons (34) die "Roten Teufel" per Foulelfmeter in Führung gebracht (55.), kurz vor Schluss sorgte aber Rauf Aliyev mit dem Ausgleich zum 1:1-Endstand (86.) für blankes Entsetzen bei den Belgiern und viel Freude bei seinem Trainer Berti Vogts. Durch das Remis und den Sieg der Türken verdüsterten sich die EM-Chancen der Belgier enorm.
Hochspannung verspricht weiter die Gruppe B. Irland, Russland und die Slowakei hatten vor dem Spieltag jeweils sechs Partien bestritten und dabei 13 Punkte eingefahren. Während Favorit Russland gegen Mazedonien dank eines Treffers von Igor Semshov (41.) zu einem 1:0-Arbeitssieg kam und weitere drei Punkte einfuhr, mussten sich die Iren mit einem Remis gegen den direkten Konkurrenten Slowakei zufrieden geben. Nach umkämpften 90 Minuten stand ein mageres 0:0, das am Ende nur der "Sbornaja" nutzte. Lediglich statistischen Wert hatte die Begegnung zwischen Andorra und Armenien, welche die Armenier mit 3:0 für sich entschieden.
Italien geht als klarer Favorit in die letzten Spiele der Gruppe C, musste auf den Färöern allerdings wegen des Streiks in der Serie A einen Kaltstart hinlegen. Die fehlende Wettkampfpraxis machte sich dann auch bemerkbar und sorgte für zufriedene Gesichter beim krassen Außenseiter Färöer, der sich mit einer 0:1-Niederlage mehr als respektabel aus der Affäre zog. Das einzige Tor der Partie gelang Antonio Cassano in der elften Minute. Italien glänzt zwar nicht, dürfte von Platz eins aber nicht mehr zu verdrängen sein. Dahinter tobt aber ein extrem spannender Kampf um den zweiten Rang. Besonders die Partie zwischen Nordirland und Serbien stand dabei im Fokus. Ohne die erfahrenen Stützen Nemanja Vidic, Nikola Zigic und Milos Krasic taten sich die Serben sehr schwer, fuhren dann aber doch einen 1:0-Arbeitssieg ein. Den so wertvollen Siegtreffer markierte der ehemalige Herthaner Marko Pantelic (67.). Serbien dürfte sich als Gewinner des Spieltags fühlen, denn Slowenien kassierte zuhause gegen Estland eine unerwartete 1:2-Schlappe. Konstantin Vassiljev (29., Elfmeter) und Ats Purje (81.) netzten für die Balten ein, Tim Matavz gelang in der 71. Minute der zwischenzeitliche Ausgleich für die Mannschaft von Coach Matjaz Kek.
Fast mag man vergessen, dass sich Frankreich bei der WM in Südafrika blamierte. Elf Begegnungen ohne Niederlage kamen mittlerweile zusammen. Und mit Rückkehrer Franck Ribery, der im Testspiel gegen Chile (1:1) vor zwei Wochen wegen Verletzung gefehlt hatte, fuhr die Equipe Tricolore in Gruppe D gegen Albanien den nächsten Erfolg ein. Dieser dürfte letztlich aber eher als Arbeitssieg verbucht werden. Karim Benzema (11.) und Yann M'Villa (18.) hatten die Mannschaft von Trainer Laurent Blanc früh komfortabel in Führung gebracht. Danach offenbarten die "Bleus" aber einige Schwächen in der Defensive und gerieten nach dem Anschlusstreffer durch Erjon Bogdani (46.) nochmal unter Druck, brachten den Dreier dann aber doch in trockene Tücher. Im Verfolgerduell unterlag Weißrussland zuhause Bosnien-Herzegowina mit 0:2. Ohne den verletzten Neu-Wolfsburger Aliaksandr Hleb geriet die Mannschaft von Trainer Bernd Stange früh ins Hintertreffen. Hoffenheims Sejad Salihovic per Elfmeter (22.) und Haris Medjunanin (24.) sorgten mit einem Doppelpack noch vor der Pause für klare Verhältnisse. In der dritten Partie fuhr Rumänien dank eines 2:0-Erfolgs in Luxemburg die eingeplanten drei Punkte ein und bleibt so weiter im Rennen. Gabriel Torje von Udinese Calcio gelang dabei ein Doppelpack (34., 45.).
In Gruppe E fuhren die Niederlande den siebten Sieg in Folge ein. Gegen San Marino war das aber schon ohnehin klar, es war nur die Frage offen, wie hoch der Sieg ausfallen würde. Auch ohne den verletzten Arjen Robben wurde es zweistellig. Beim 11:0-Kantersieg zeigte sich Robin van Persie mit vier Toren am treffsichersten (7., 65., 67., 79.). Die weiteren Tore markierten Wesley Sneijder (12., 87.), Schalkes Klaas Jan Huntelaar (56., 77.), Johnny Heitinga (17.), Dirk Kuijt (49.) und Georginio Wijnaldum (90.). Enger war es zwischen Ungarn und Schweden. Die Skandinavier hätten mit einem Sieg über Ungarn einen direkten Verfolger abschütteln und sogar noch auf Platz eins schielen können. Das direkte Duell mit den Niederlanden steht noch aus. Es kam aber anders: Die Magyaren siegten mit 2:1, glichen in der Tabelle nach Punkten mit Schweden aus und hielten damit ihre Chancen auf Platz zwei aufrecht - allerdings haben sie bereits ein Spiel mehr absolviert. Der ehemalige Bundesliga-Spieler Imre Szabics (Stuttgart, Köln, Mainz und Augsburg) brachte Ungarn kurz vor der Halbzeit in Front (44.). Christian Wilhelmsson glich zwar noch aus (60.), doch Gergely Rudolf sorgte in der Schlussminute für den vielumjubelten Siegtreffer.
Um "Big Points" ging es in Gruppe F. Drei Mannschaften streiten noch um die direkte Qualifikation. Die beste Ausgangssituation haben die Griechen, die in Israel dank Ninis mit 1:0 gewannen. Auf der Gegenseite gingen Lauterns neuer Torjäger Itay Shechter und Nürnbergs Almog Cohen leer aus. Dritter Anwärter auf ein EM-Ticket sind die Kroaten, die sich in Malta schadlos hielten und einen souveränen 3:1-Sieg einfuhren. Für die Mannschaft von Slaven Bilic, der Bayern Münchens Danijel Pranjic verzichtete, trafen Ognjen Vukojevic (11.), Milan Badelj (32.) und Dejan Lovren (68.). Den zwischenzeitlichen Anschlusstreffer hatte Michael Mifsud (38.) markiert. Im dritten Spiel der Gruppe unterlag Georgien vor eigenem Publikum Lettland mit 0:1.
"Mit einem Sieg gegen England sieht alles wieder anders aus!", hatte sich Bulgariens Coach Lothar Matthäus in Gruppe G vor dem Duell gegen England kämpferisch gegeben. Matthäus setzte auf mentale Stärke und hoffte: "Glaube kann Berge versetzen". Der Berg "England" blieb aber unverrückbar. Die "Three Lions" siegten sicher mit 3:0 und verteidigten damit den Spitzenplatz. Trainer Fabio Capello konnte sich dabei auf die Treffsicherheit von Gary Cahill (13.) und vor allem Wayne Rooney (21., 45.) verlassen. Weil die Überraschungsmannschaft aus Montenegro gegen das punktlose Wales die erste Niederlage kassierte, sind die Engländer nun alleiniger Tabellenführer. Montenegro hat aber weiterhin gute Karten, so kann Bulgarien, das sechs Punkte Rückstand und den schlechteren direkten Vergleich hat, nicht mehr vorbeiziehen. Allerdings hat die von Ottmar Hitzfeld trainierte Schweiz nun wieder Hoffnung geschöpft, da sie ein Spiel weniger absolviert hat und zudem noch Montenegro empfängt.
Bei Portugal hing der Haussegen schief und in Gruppe H bleibt auch nach sechs Spielen alles offen. Bei den Portugiesen sorgte zuletzt Ricardo Carvalho für Unruhe, als er völlig unerwartet seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hatte. Er fühle sich in seiner "Ehre verletzt", hatte der 33-jährige Profi von Real Madrid noch am Mittwochabend mitgeteilt. Auf Zypern lief es für die Iberer aber auch ohne Carvalho. Dank Superstar Cristiano Ronaldo (35., Elfmeter, 82.), den Ex-Bremer Hugo Almeida (84.) und Danny (90.) siegte Portugal mit 4:0. Norwegen bliebt den Portugiesen aber auf den Fersen. Norge entschied nämlich zuvor das Duell gegen Island dank eines verwandelten Elfmeters von Hannovers Mohammed Abdellaoue (88.) mit 1:0 für sich.
Die Spanier konnten sich in Gruppe I zurücklehnen und der Konkurrenz zuschauen. Hinter dem Weltmeister (15 Punkte) klafft eine Lücke. Tschechien war erst am Samstag im Einsatz und kam nicht über ein 2:2 in Schottland hinaus. Der Leverkusener Michal Kadlec hat Tschechien spät das Remis gerettet. Kadlec traf in Glasgow in der 90. Minute per Foulelfmeter zum Endstand. Zuvor hatten Kenny Miller (45.) und Darren Fletcher (82.) die Briten zweimal in Führung geschossen, Jaroslav Plasil den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt (78.). In der Qualifikationsgruppe I liegen die Tschechen mit 10 Punkten auf Platz zwei vor Schottland (5). Bereits am Freitag kam Litauen zuhause gegen Liechtenstein nicht über ein 0:0 hinaus.