
Gefeiert wird schon vor dem Anpfiff in Sofia. Geehrt wird jedenfalls Bulgariens Kapitän Stilian Petrov (31) vor dem Spiel gegen die Schweiz für sein 100. Länderspiel. "Er ist ein absoluter Musterprofi", lobt Nationaltrainer Lothar Matthäus, der gerade seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, den Legionär von Aston Villa, "er hat viel Qualität, ist sehr ehrgeizig und mein verlängerter Arm auf dem Platz."
Ob aber ein Petrov reicht, ist fraglich. Schließlich ist sein Namensvetter, der Ex-Wolfsburger Martin Petrov (31, Bolton Wanderers), wegen einer Gelbsperre nicht einsetzbar. Zudem fehlen Stürmer wie Dimitar Berbatov (30, ManUnited), der nicht mehr zur Verfügung steht, und der Herthaner Valeri Domovchiyski (24), der sich laut Matthäus nicht deutlich genug zum Nationalteam bekannt hat. Da mag es überraschen, dass auch der Ex-Dortmunder Dimitar Rangelov (Maccabi Tel Aviv) nicht zum Aufgebot zählt. "Mit seiner Einstellung bin ich nicht zufrieden", erklärt der deutsche Rekordnationalspieler trocken. Auch unmittelbar vor seinem "Finale" gegen die Schweiz hat Trainer Matthäus seinen realistischen Blick auf die Situation. "Hier haben sie die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Es mangelt an Geld, an Strukturen und am Nachwuchs", legt Matthäus die Finger in die Wunden des bulgarischen Fußballs.
Freude empfindet Lothar Matthäus dagegen beim Wiedersehen mit seinem ehemaligen Bayern-Coach Ottmar Hitzfeld. "Ich denke, dass Ottmar mehr unter Druck steht als ich", glaubt er, "weil die Schweiz zuletzt immer bei den großen Turnieren dabei war. Aber er ist einer der erfolgreichsten Trainer der Welt. Dennoch wollen wir attraktiven Fußball bieten und unsere letzte Chance auf die Quali nutzen", gibt sich Matthäus kämpferisch.
Die Schweiz und Bulgarien haben gegen England und Montenegro verloren und erst drei Punkte nach drei Spielen. "Es ist für beide Mannschaften das Entscheidungsspiel, es zählt fast nur noch ein Sieg, eine Niederlage oder ein Remis kann sich keiner erlauben", sagt Ottmar Hitzfeld.
Die Partie wird vom Trainerduell Hitzfelds mit seinem früheren Bayern-Spieler Matthäus (1998 - 2000) geprägt. "Natürlich ist das ein besonderes Spiel, wenn man den Trainer gegenüber kennt", so Hitzfeld. Dies sei auch schon bei den WM-Qualispielen gegen das von Otto Rehhagel betreute Griechenland der Fall gewesen. "Lothar ist ein Fuchs, er kann seine Mentalität auf die Mannschaft übertragen", weiß Hitzfeld, der findet, dass Matthäus schon längst eine Chance in der Bundesliga verdient.
Auch für Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld geht es um viel. Den Zeitpunkt der vorzeitigen Vertragsverlängerung mit Hitzfeld bis 2014 haben vor wenigen Wochen nicht alle verstanden. Verbandspräsident Peter Gilliéron sagt, man wollte Klarheit schaffen, damit sich alle auf das wichtige Spiel in Bulgarien konzentrieren könnten. Andererseits ist den Verantwortlichen beim FC Bayern der Name Hitzfeld auch früher schon in den Sinn gekommen. Besser also, so dachte man in der Schweiz, man reagiert schneller als etwaige Mitbewerber.
Der Ex-Dortmunder Alex Frei wird derweil im Juni gegen England sein letztes Länderspiel bestreiten, ist aber aktuell einer der Hoffnungsträger. Der formstarke Stürmer des FC Basel schoss zuletzt in der Liga ein Tor nach dem anderen. Mit seinem Teamkollegen Streller (Ex-Stuttgart) wird er das Angriffsduo bilden.
H. Hasselbruch, F. Ruch
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