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11.10.2010, 13:50

Interview mit Kasachstans Nationaltrainer Bernd Storck

"Drei Punkte sind das Minimalziel"

Kasachstans Trainer Bernd Storck (47) ist unter Druck. Sein Vertrag läuft aus und er muss einen Sieg landen. Eine Frage der Geduld oder der Philosophie.

Bernd Storck
Die Trauben hängen hoch: Kasachstans Nationaltrainer Bernd Storck.
© picture-allianceZoomansicht

kicker: 0:2 gegen Belgien, was erwarten Sie vom Team Kasachstan gegen Deutschland, Herr Storck?

Bernd Storck: Dass es genauso konzentriert spielt wie in der 1. Halbzeit, auch wenn Deutschland eine andere Klasse besitzt. Das wird unter körperlichen Gesichtspunkten sehr schwer, aber ich hoffe, dass wir möglichst lange die Null stehen haben. Sonst wirds ganz schwer. Wir müssen versuchen, unsere Chance nach vorn zu nutzen. Nicht nur reagieren, sondern auch agieren.

kicker: In welcher Beziehung muss Ihr Team besonders zulegen?

Storck: Wir sind unglaubliches Tempo gegangen. Im zweiten Abschnitt sind die Belgier gekommen, weil sie ja auch mussten. Da hatten wir Probleme, uns aus der Umklammerung zu befreien. Dann hatten wir das Pech, dass unser 1:1 nicht gegeben wurde. Wir müssen uns erholen, dass wir am Dienstag wieder Gas geben können.

kicker: War die gute 1. Halbzeit für Ihr Team zu aufwendig?

Storck: Sie war schon sehr intensiv. Wir haben eine unglaubliche Laufbereitschaft gehabt, Akzente nach vorne gesetzt. Das ist das Niveau, was man international haben muss. Aber da liegt eben der Unterschied: Wir haben keinen Spieler, geschweige denn Klub, der international spielt. Auch in der Spielgeschwindigkeit haben wir Defizite.

kicker: Wird der Druck auf die Defensive zu groß, wenn vom Angriff kaum Torgefahr ausgeht?

Storck: Ich möchte weniger von Toren sprechen, ich meine eher Entlastung, die kommen muss. Wir müssen auch mal die Räume nach vorne nutzen. Wenn wir andere körperliche Voraussetzungen hätten, könnten wir auch mal über 90 Minuten gehen. Aber dazu sind wir nicht in der Lage. Das ist unser großes Defizit, deshalb sind wir in der Defensive immer unter Druck.

Karpovich und Kislitsyn nur schwer zu ersetzen

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kicker: Mit Kapitän Karpovich und Kislitsyn sind am Dienstag zwei Akteure gesperrt. Können Sie speziell den Kapitän als "Aggressivleader" ersetzen?

Storck: Das ist schon sehr schwer. Den rechten Verteidiger eher als den Kapitän. Er hat schon in Russland gespielt, er ist der Führungsspieler. Meine Auswahl hier ist nicht so groß. Das ist nicht so einfach, daraus eine schlagkräftige Nationalmannschaft zu bilden.

kicker: Torhüter Sidelnikov wirkte unsicher gegen Belgien. Haben Sie Alternativen?

Storck: Ich sehe seine Leistung nicht so kritisch. Das waren zwei Flatterbälle aus kurzer Distanz. Aber er ist unser bester Mann, da gibts keine Alternative. Aber wir haben jetzt auch Holger Gehrke als Torwarttrainer, das hilft den Keepern, und mir sowieso.

kicker: Planen Sie ansonsten noch wesentliche Umstellungen?

"Ich muss mal sehen, wer dann laufen kann"

Storck: Zwei neue Spieler muss ich eh reinbringen, dann haben wir einige angeschlagene Spieler. Ich muss mal sehen, wer dann laufen kann, wer den besten Eindruck macht. Deutschland ist für mich haushoher Favorit, zusammen mit den Spaniern die Besten der Welt.

kicker: Glauben Sie, dass das Deutschland-Spiel besser besucht sein wird, als die Begegnung gegen Belgien vor nur 8.500 Zuschauern?

Storck: Ich wünsche es mir, das ist schon ein bisschen enttäuschend. Es ist so, dass sich die Fans das nicht leisten können. Astana ist auch nicht die Fußball-Hochburg, das ist eher Almaty, da ist die Resonanz viel, viel größer.

kicker: Gibts nach den Erfahrungen in der EM-Quali für Sie nur Punkte gegen Aserbaidschan zu holen?

Storck: Ja, darum geht's. Das habe ich von Anfang an gesagt. Wenn man die Gegner sieht, muss alles passen, um da mal glücklich zu punkten.

kicker: Also ein Duell der Nationaltrainer Storck gegen Berti Vogts?

Storck: Ich weiß nicht, ob ich dann noch da bin. Mein Vertrag läuft Ende des Jahres aus. Der Verband wollte drei Punkte aus den ersten vier Spielen, was ich für hochgegriffen halte. Nach dem Spiel gegen Deutschland wird man sich zusammensetzen, wie es dann weitergeht.

Fernziel EM 2016 - Fans sind ungeduldig

kicker: Unterschiedliche Ansichten?

Storck: Ich hab immer gesagt, dass wir ein langfristiges Projekt haben, junge Spieler einzubauen. Ziel war, eventuell 2016 bei der EM in Frankreich mal bei einer Endrunde teilzunehmen. Wir sind ein Fußball-Entwicklungsland. Man muss sehen, wie geduldig die Führung ist. Die Zuschauer sind ungeduldig. Ich habe da meine Philosophie: Ich baue lieber einen Jungen ein, der richtig Gas gibt, alles für sein Land gibt, als einen, der nur hinten rumsteht und nichts tut.

kicker: Also müssen Sie jetzt drei Punkte gegen Deutschland holen?

Storck: Genau, drei Punkte muss ich noch holen. Das ist Minimalziel ...

kicker: Sie treten am Dienstag als Deutscher gegen Deutschland an. Ein besonderer Reiz?

Storck: Das ist was Besonderes, weil ich selbst mal Nationalspieler war, wenn auch nur U-21-Spieler. Ich bin ein sehr nationalbewusster Mensch. Jetzt wird's besonders: Ich stehe auf der anderen Seite und höre die Nationalhymne. Es wird ein einmaliges Erlebnis. Das ist schon Wahnsinn. Trotzdem weiß ich, wo meine Aufgabe ist: hier in Kasachstan.

Hardy Hasselbruch

11.10.10
 
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weitere Infos zu Storck

Vorname:Bernd
Nachname:Storck
Nation: Deutschland
Verein:

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Vereinsdaten

Teamname:Kasachstan
Anschrift:Satpayev Street 29/3 480 072 ALMATY
Internet:http://www.kff.kz

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