Am Freitagabend traf das DFB-Team ohne den verletzten Schweinsteiger in Berlin mit der Türkei auf den wohl härtesten Rivalen im Kampf um den Gruppensieg. Der Hiddink-Elf, bei der für den verletzten Arda Dortmunds Sahin zum Einsatz kam, war im ausverkauften Olympiastadion große Unterstützung sicher.
Deutschland entschied das Spitzenspiel gegen die Hiddink-Truppe mit 3:0 zu seinen Gunsten und setzte sich dadurch an der Tabellenspitze fest. Lange Zeit neutralisierten sich beide Mannschaften, ehe Deutschland einen Zahn zulegte und unter Mithilfe der Latte und des Pfostens durch Klose in Führung ging. Nach dem Seitenwechsel steigerten sich Türken zunehmend, konnten die Niederlage, die Özil und erneut Klose besiegelten, aber nicht mehr abwenden.
Hinter dem Spitzenduo sicherte sich Belgien in Kasachstan, das am Dienstag die DFB-Auswahl empfängt (23 Uhr Ortszeit), den ersten Dreier in der laufenden Gruppenrunde.
Der zur Pause eingewechselte Ogunjimi war derweil bei seinem Länderspieldebüt der Matchwinner für die Belgier in Astana. Der Angreifer vom KRC Genk war sowohl in der 52. wie auch in der 70. Minute gedankenschnell zur Stelle und markierte per Abstauber beide Treffer für die "Roten Teufel". Zwischen diesen beiden belgischen Erfolgsmomenten musste Kasachstans Abwehrmann Kislizyn aufgrund einer Gelb-Roten-Karte vom Feld. Die vom deutschen Coach Bernd Storck trainierten Kasachen, bei denen der Oberhausener Schmidtgal in der Startformation stand, hatten sich bis zum Kabinengang tapfer zur Wehr gesetzt. Doch die abgeklärten Belgier, bei denen die Bundesliga-Akteure Bailly (Gladbach), van Buyten (FC Bayern) und Simons (Nürnberg) zum Einsatz kamen, ließen sich letztlich die Zwei-Tore-Führung in Durchgang zwei nicht mehr nehmen.
Den zweiten dreifachen Punktgewinn bejubelte auch Österreich, das der von Berti Vogts gecoachten aserbaidschanischen Nationalmannschaft mit 3:0 die Grenzen aufzeigte. Das Publikum im Wiener Ernst-Happel-Stadion feierte dabei besonders zwei Akteure des SV Werder Bremen. Prödl brachte Team Austria bereits in der 3. Minute in Front, ehe Arnautovic mit seinen Treffern in der 53. und 90. Minute den 3:0-Endstand herstellte. Am Dienstag steigt in Brüssel nun das direkte Duell der beiden Außenseiter im Rennen um Platz zwei.
Während sich Russland zuletzt gegen die Slowakei überraschen hatte lassen (0:1), konnten die Iren vor dem Kräftemessen im Heimspiel gegen Arsharvin & Co. eine blütenweiße Weste vorzeigen. Mit einem weiteren Dreier gegen ersatzgeschwächte Russen - Stammkeeper Akinfeev, sein Vertreter Gabulov sowie Stürmer Pavlyuchenko fielen aus - hätten die Trapattoni-Schützlinge einen großen Schritt machen können. Hätten, wohlgemerkt.
Der Sbornaja setzte die Anspannung, bei einer Niederlage in´s Hintertreffen zu geraten, in positive Energie um. Kerzhakov und Dzakoev sorgten in Dublin für eine 2:0-Halbzeitführung (10. und 28.). Shirokov legte fünf Zeigerumdrehungen nach Wiederanpfiff das vermeintlich spielentscheidende 3:0 nach. "Spurs"-Angreifer Keane per Foulelfmeter und Long machten mit ihren Treffer die Schlussphase aber noch einmal spannend.
Bereits vorab konnten sich die Russen in ihrer Staffel für Schützenhilfe aus Armenien bedanken. Die zuvor zweimal siegreichen Slowaken ließen in Eriwan erstmals Federn und mussten sich den Hausherren mit 1:3 geschlagen geben.
Trainersohn Vladimir Weiss hatte zwar zwischenzeitlich für den WM-Achtelfinalisten den Ausgleich markiert, Ghazaryan und Ukraine-Legionär Mkhitaryan machten jedoch den ersten Dreier der Kaukasier perfekt.
In Gruppe C reiste Favorit Italien nach Nordirland. Zwar hatten die Nordiren zum Leidwesen der Slowenen zuletzt überrascht und beim WM-Teilnehmer mit 1:0 gesiegt. Dennoch schien im Vorfeld Sieg Nummer drei der Squadra Azzurra als vermeitlich sicherer Tipp. Die Prandelli-Schützlinge kamen auf der Insel aber nicht über torloses Remis hinaus.
Serbien, das in Belgrad mit Estland eigentlich eine vergleichbar lösbare Aufgabe vor der Brust hatte, machte es nicht besser als der Weltmeister von 2006. Beim Debüt von Trainer Vladimir Petrovic gingen die "Beli Orlovi" zwar nach 60 Minuten durch den Stuttgarter Kuzmanovic in Front, doch die Balten drehten die Partie, in der Lukovic durch ein Eigentor den negativen Spielausgang für schwache Serben passend illustrierte. Einzig Slowenien setzte in Gruppe C seinen Favoritenstatus auch in Toren um. Beim 5:1-Heimerfolg gegen die Faröer trafen sowohl Kölns Edel-Reservist Novakovic vom Elfmeterpunkt aus (70.) wie auch der Bochumer Dedic (84.).
Auch Serbien (gegen Estland) und Slowenien (gegen Färöer) stehen vor gemeinhin lösbaren Aufgaben.
Weißrussland kam in Luxemburg nur zu einem 0:0 und musste die Partie gar zu zehnt beenden, Kornilenko sah glatt Rot (69.). Auch die Bosnier führen keinen Dreier ein: Zwar markierte Hoffenheims Ibisevic für die "Drachen" in der 21. Minute das 1:0. Klodian Duros Treffer nahezu unmittelbar vor dem Halbzeipfiff bedeutete in Albanien jedoch nur einen Punkt. In der Heimat wurde davon kaum Notiz genommen, zumindest was bewegte Bilder anbelangte, hatte der öffentlich-rechtliche Rundfunk von Bosnien-Herzegowina keine Senderechte gekauft.
Frankreich hatte damit die Möglichkeit, mit einem Sieg am Samstag gegen Rumänien die Tabellenführung zu übernehmen, musste aber lange auf die erlösenden Treffer zum 2:0 warten. Im ersten Durchgang waren die Franzosen im Stade de France noch das gefährlichere Team und hatten durch Malouda (20.) und Benzema (41.) gute Chancen zur Führung. Nach der Pause entwickelte ein munterer Schlagabtausch mit guten Möglichkeiten auf beiden Seiten. Richtig brenzlig wurde es für die Rumänen in der 58. Minute, als Keeper Pantilimon einen Schuss von Valbuena gerade noch an die Latte lenken konnte. Doch auch die Gäste hätten den Siegtreffer erzielen können: Nach Zuspiel des in der 63. Minute eingewechselten Stuttgarters Marica traf S?punaru nur den linken Pfosten (71.).
Dass am Ende doch noch der erste Sieg im Stade de France seit fast einem ganzen Jahr für die Equipe Tricolore reichte, war Remy zu verdanken, der nach einem langen Ball aus der eigenen Hälfte nicht zu stoppen war und das umjubelte 1:0 markierte (83.). Mit einem strammen Schuss aus 13 Metern Entfernung machte Gourcuff (90./+3) schließlich alles klar. Die Franzosen eroberten damit die Tabellenspitze und können diese am Dienstag mit einem Sieg gegen Luxemburg festigen.
Mit Spitzenreiter Schweden und der Niederlande stehen in der Gruppe E jetzt schon die beiden Mannschaften an der Spitze, die wohl auch am Ende dort landen werden. Der WM-Zweite leitete den Führungswechsel mit einem Erfolg in Moldawien ein, ehe die Schweden am Dienstag zum Gastspiel in die Niederlande anreisen.
Bondscoach Bert van Marwijk beeindruckte vor der Partie mit der Maßnahme, den zum wiederholten Male überhart einsteigenden de Jong aus dem Kader zu werfen. Elia dagegen fehlt unfreiwillig: Eine Fersenverletzung verhindert den Einsatz des HSV-Profis. In Moldau tat sich die Elftal unerwartet schwer und kam nur zu einem knappen 1:0-Auswärtserfolg. Verantwortlich für den Minimalsieg von Oranje zeichnete sich ein "Königblauer": Huntelaar präsentierte sich der 37. Minute treffsicher.
In Schlagdistanz hat sich derweil Ungarn mit einem 8:0-Kantersieg gegen San Marino gebracht. Vor heimischem Publikum in Budapest war das Team aus dem Zwergstaat, welches die Partie zu Neunt beendete, nicht mehr als ein Sparringspartner für die Mannen von Nationaltrainer Sandor Egervari. Bereits nach 27 Minuten waren die Magyaren auf 4:0 davongezogen. Der Mainzer Szalai führte gleich dreimal (18./27./48.) seine zuletzt auch in der Bundesliga gezeigten Goalgetter-Qualitäten vor.
Lediglich zwei Unentschieden hatte Griechenland vor dem Duell mit den Letten ergattert. Bei den beiden aufeinanderfolgenden Heimspielen gegen Lettland am Freitag sowie gegen die Israelis am Dienstag war die Elf von Rehhagel-Nachfolger Fernando Santos somit zum Siegen verdammt. Teil eins dieser Mission glückte. Dank Torosidis´ Treffer (58.) behielten die Griechen in Piräus mit 1:0 gegen Lettland die Oberhand.
Am Samstag sicherten sich die Kroaten dann die Tabellenführung mit einem 2:1 in Israel. Matchwinner war Kranjcar, der in der 36. Minute per Elfmeter und in der 41. Minute vor der Pause die Gäste auf die Siegerstraße brachte. Der Ehrentreffer durch Shechter kam zu spät (81.).
In Wales hatte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus als Coach der abgeschlagenen Bulgaren seine erste Bewährungsprobe. Nur ein Sieg half wirklich weiter, "für uns ist das Spiel wie ein Finale", weiß auch Matthäus, der nach dem unumstößlichen Rücktritt von ManUnited-Angreifer Berbatov überraschend freiwillig auf Bojinov (Parma) verzichtete. Das Matthäus-Debüt glückte: Das Team des deutschen Rekord-Nationalspielers durfte nach dem Treffer von Popov drei Minuten nach Seitenwechsel und nach Abpfiff über die ersten drei Punkte, durch welchen die Chance auf die EM-Teilnahme gewahrt wurde, jubeln.

Parallel reiste die Schweiz zu einem ebenso wichtigen Duell nach Montenegro, das wie England vor der Partie gegen die Eidgenossen zwei Siege auf dem Konto hatte. Der Druck auf die Elf Ottmar Hitzfeld war immens. Zudem musste man ohne den Wolfsburger Torhüter Diego Benaglio auskommen. In Podgorica setzte sich die sportliche Talfahrt der Schweizer fort: 0:1 hieß es am Ende, da Roma-Stürmer Vucinic in der 87. Minute das Visier richtig eingestellt hatte.
Zypern hatte in Gruppe H zuletzt beim 4:4 in Portugal einen Überraschungscoup gelandet. Gegen Staffel-Primus Norwegen zog die Auswahl der Mittelmeerinsel jedoch mit 1:2 den Kürzeren.
Riise sorgte in Larnaka mit seinem Treffer in Minute zwei für einen Blitzstart der Nordeuropäer. Carew ließ kurz vor dem Halbzeitpfiff das 2:0 folgen (43.). Nach dem Anschlusstreffer durch Okkas (58.) konnten die Zyprer den Ausgleich nicht mehr bewerkstelligen. Somit grüßen die Norweger mit der Maximalausbeute von neun Punkten aus drei Partien weiter souverän von der Tabellenspitze.
Später am Abend haben sich die Portugiesen nach ihrem Fehlstart beim ersten Doppelspieltag mit einem 3:1 gegen Dänemark wieder Luft verschafft. Ronaldo & Co. haben gleichzeitig für die 2:3-Niederlage bei der letzten WM-Qualifikation gegen die Dänen Revanche genommen. Nani (29., 31.) leitete den Erfolg mit einem Doppelschlag ein. Das einzige Gegentor machten die Portugiesen dann gleich mit einem Eigentor von Ricardo Carvalho (79.) selbst. Cristiano Ronaldo machte in der 85. Minute schließlich alles klar, die Portugiesen überholten damit die Dänen und schoben sich auf den zweiten Rang vor.
An Spanien, das Litauen standesgemäß mit 3:1 nach Hause schickte, kommt in Gruppe I wohl keiner vorbei. Hinter dem Weltmeister aber ist im Gerangel um den zweiten Platz für alle Mannschaften bis auf Liechtenstein alles möglich.
Tschechien bekam es nach der schmerzvollen Heimniederlage gegen Litauen (0:1) mit Schottland zu tun, auf Grund der britischen Spielweise traditionell kein Lieblingsgegner der Osteuropäer. Dass der Bilek-Truppe keine Ausreden mehr halfen, hatte der Ex-Hannoveraner und Nationalelf-Rückkehrer Jiri Stajner bereits vor der Partie in Prag unmissverständlich verkündet: "Wir müssen einfach Tore schießen!" In Abwesenheit von Torjäger Baros war es mit dem Berliner Hubnik ein Verteidiger, der durch seinen 1:0-Siegtreffer diese Aufforderung zumindest einmal in die Tat umsetzte und so einen Fehlstart des EM-Finalisten von 1996 verhinderte.