"Lächerliche Franzosen erleiden Bruchlandung und verbrennen", so schrieb die "Irish Times" mit einer satten Portion Genugtuung nach dem Aus der Equipe Tricolore bei der WM. Irland war in Südafrika nicht mit von der Partie, weil ein gewisser Thierry Henry im Entscheidungsmatch die Hand zur Hilfe nahm. Am Freitag startete das Team von Giovanni Trapattoni einen neuen Anlauf. Beim 1:0-Sieg in Armenien traf Keith Fahey von Birmingham City (76.), der erst acht Minuten zuvor eingewechselt worden war. Russland mühte sich im Anschluss in Andorra zu einem 2:0. Für die Elf von Dick Advocaat (übernahm für Guus Hiddink) traf der Stuttgarter Pavel Pogrebnyak in der 14. und 64. Minute, beim zweiten Tor per Elfmeter. Zu rechnen dürfte auch mit der Slowakei sein, auch wenn der WM-Achtelfinalist gegen Mazedonien bis zur Nachspielzeit zittern musste, ehe Besiktas' Holosko noch zum Sieg traf.
In der Gruppe C werden erneut Erinnerungen an Südafrika wach. Gleich drei WM-Teilnehmer sehen sich wieder - mehr als in jeder anderen Staffel der EM-Qualifikation. Nur: So richtig erfolgreich war das Trio nicht. Italien, mit Stuttgarts Molinaro in der Startelf, kehrte nach der Schmach am Kap nun immerhin in die Erfolgsspur zurück, auch wenn es in Estland ein alles andere als glatter Start war. Die Balten führten bis zur 60. Minute nach einem Fehler von Buffon-Vertreter Sirigu, ehe Sampdoria-Spielmacher Cassano per Kopf nach Pirlo-Ecke ausgleichen und wenig später Juve-Verteidiger Bonucci - ebenfalls nach Pirlo-Ecke und Cassano-Hacke - das schmeichelhafte 2:1-Siegtor erzielen konnte. Der deutsche Gruppengegner Serbien, der nach der Vorrunde die Koffer packen musste, gewann auf Färöer mit 3:0 durch Lazovic (13.), Inters Stankovic (18.) und den baumlangen Zigic (90.+1), Nationaltrainer Radomir Antic fehlte gesperrt. Slowenien landete derweil auf dem harten Boden der Tatsachen: 0:1-Heimschlappe gegen Nordirland! Das konnte auch der Kölner Angreifer Novakovic nicht verhindern.
Frankreichs WM-Scherbenhaufen ist noch nicht zusammengekehrt, da setzte es in der Gruppe D am Freitag schon die nächste Schmach! Gegen Weißrussland, trainiert von Bernd Stange, unterlag der Weltmeister von 1998 mit 0:1 durch ein Tor eines gewissen Kislyak (Dinamo Minsk, 86.), erzielt nach einer Abseitsposition des Ex-Stuttgarters Hleb. Zahlreiche Topspieler wie Anelka, Evra, Ribery und Toulalan fehlten gesperrt. Andere wie Gourcuff, Nasri, Lassana Diarra und Benzema waren verletzt. Rumänien kam gegen Albanien nur zu einem 1:1, Luxemburg unterlag Bosnien-Herzegowina erwartungsgemäß mit 0:3 - auch Wolfsburgs Dzeko traf in der furiosen Anfangsviertelstunde.
Die Finnen hatten in der WM-Qualifikation zweimal gegen Deutschland überrascht (3:3, 1:1), zum Auftakt in der Gruppe E musste die Mannschaft um Altstar Jari Litmanen selbst eine unliebsame Überraschung hinnehmen. Nach Rot gegen Leverkusens Routinier Sami Hyypiä (36.) unterlagen die Nordeuropäer in Chisinau gegen Moldawien mit 0:2 (0:0). Suvorov (69.) und Doros (74.) machten den Sieg perfekt. Hyypiä fehlt somit am Dienstag im Spiel bei Vize-Weltmeister Niederlande in Rotterdam gesperrt.
"Oranje" übersprang die niedrige Hürde San Marino ohne zu straucheln mit 5:0. Nach Kuijts 1:0 schraubte der neue Schalker Torjäger Huntelaar mit einem Dreierpack das Resultat noch in standesgemäße Höhe. Rückkehrer van Nistelrooy (HSV) wurde in der zweiten Hälfte von Bondscoach Bert van Marwijk eingewechselt und machte in der Nachspielzeit dann prompt "sein" Tor. Es war das 34. im 65. Länderspiel. Damit überholte van Nistelrooy in der ewigen Torjägerliste der Elftal das Oranje-Idol Johan Cruyff und hat nun nur noch Patrick Kluivert (40 Tore), Dennis Bergkamp (37) und Faas Wilkes (35) vor sich.
Schweden bezwang dank Wernbloom (Alkmaar/2) Ungarn mit 2:0, Milan-Neuerwerb Ibrahimovic stand als Kapitän der Skandinavier wieder auf dem Feld.
Eine kleine Besonderheit hatte die Gruppe F zu bieten: Israel und Malta duellierten sich anders als das Gros der EM-Bewerber schon am Donnerstag. Um 2012 dabei zu sein, müssen sich die Israelis aber gehörig strecken, sind doch auch die ambitionierten Kroaten und die neu aufgestellten Griechen in ihrer Staffel vertreten. Der Auftakt ist jedenfalls geglückt. Mit einem glänzend gelaunten Yossi Benayoun gewann Israel mit 3:1 (1:1) gegen Malta. Dabei erzielte der Chelsea-Star alle drei Treffer für sein Team (7., 64., 75.). Jamie Pace glich zwischenzeitlich für Malta aus.
Kroatien, immer noch trainiert von Slaven Bilic, startete am Freitag in Lettland mit einem 3:0-Erfolg, den die Bundesliga-Stars Petric (HSV) und Olic (Bayern) einleiteten. Srna erzielte das Tor zum Endstand. Konkurrent Griechenland kam nach dem Ende der Ära Otto Rehhagel unter Neu-Coach Fernando Santos gegen Georgien nur zu einem mageren 1:1. Der Karlsruher Iashvili schockte die Hellenen früh (3.), Spiropoulos glückte wenigsten noch der Ausgleich.
Der Sieg in Gruppe G dürfte nur über England gehen, auch wenn die "Three Lions" das Katastrophen-Turnier in Südafrika noch nicht ganz verdaut haben. Ohne Terry, Lampard und Crouch spielte sich Tottenhams Jermain Defoe in den Vordergrund. Mit seinem schnellen Tor zum 1:0 nahm er dem Capello-Team die Nervosität. Zwei weitere Tore sowie ein Treffer von Adam Johnson führten zum 4:0-Auftaktsieg über Bulgarien.
Montenegro besiegte Wales dank Kapitän und Roma-Legionär Vucinic mit 1:0. Der Hauptkonkurrent der Capello-Truppe, die Schweiz, ist erst am Dienstag gefordert - als Gastgeber der Engländer. Die Eidgenossen testeten am Freitag in St. Gallen gegen Australien (0:0), Torjäger Frei verschoss einen Elfmeter.
Zwei WM-Teilnehmer messen sich derweil in Gruppe H, logisch, dass Portugal und Dänemark die großen Favoriten auf den begehrten ersten Platz sind. Während die Skandinavier erst am Dienstag eingreifen, unterhielten die Iberer am Freitag beim Auftakt gegen Zypern neutrale Fußballfans wohl bestens. Die eigenen Anhänger werden eher gelitten haben. Denn die Pflichtaufgabe mutierte zu einem Scheibenschießen ohne Sieger. Ohne den verletzten Cristiano Ronaldo und den gesperrten Trainer Carlos Queiroz reichte es nur zu einem 4:4! Der Bremer Hugo Almeida (8.) traf in der abwechslungsreichen Startphase - 1:2 nach elf Minuten -, Liverpools Neuzugang Raul Meireles (29.) glich für den Vize-Europameister von 2004 zum 2:2 aus. Danny (50.) brachte die Portugiesen erstmals in Führung, Okkas (57.) antwortete. Und auf Manuel Fernandes' 4:3 (60.) hatte Avraam (90.) noch eine letzte Antwort parat. Das zweite Gruppenspiel des Abends stieg auf Island, wo Norwegen dank Hannovers Neuzugang Abdellaoue nach Rückstand noch mit 2:1 (75.) gewann.
In der Gruppe I gibt sich Welt- und Europameister Spanien die Ehre. In Vaduz gegen Liechtenstein ließen die Iberer nichts anbrennen. Fernando Torres, kaum wieder fit, machte gleich zwei Tore, das erste mit einem sehenswerten Lupfer. WM-Held Villa und ManCity-Neuzugang Silva trafen ebenfalls für die "Roja", die am Dienstag gegen Argentinien testet.
Am Gruppensieg der Del-Bosque-Elf dürfte kein Zweifel bestehen. Die einzigen halbwegs ernstzunehmenden Konkurrenten dürften Schottland und Tschechien sein - beide starten im Übrigen gegen Litauen: die Schotten am Freitag mit einem dünnen 0:0, Rosicky & Co. am Dienstag.