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Frankreich träumt weiter vom 3. Titel

Doppelpacker Griezmann schickt DFB-Elf nach Hause

EM - 07.07. 22:54

Im zweiten Halbfinale der Europameisterschaft wurde zwischen Deutschland und Frankreich der Finalgegner von Portugal gesucht. Und die Equipe Tricolore konnte nach 58 Jahren mal wieder ein Spiel bei einem großen Turnier gegen die DFB-Elf gewinnen. Zwar war der Weltmeister über weite Strecken des Spiels tonangebend, konnte die sich bietenden Chancen aber nicht nutzen. Der Gastgeber machte es besser, profitierte aber bei seinem 2:0-Sieg auch von einem Strafstoß.

Augen zu und durch: Kopfballduell zwischen Olivier Giroud und Bastian Schweinsteiger. © Getty Images

DFB-Trainer Joachim Löw musste seine Mannschaft nach dem 6:5-Elferkrimi im Viertelfinale gegen Italien gehörig umbauen. Khedira (Anriss im Adduktorenbereich des linken Oberschenkels), Gomez (Muskelfaserriss im hinteren Oberschenkel) und Hummels (Gelb-gesperrt) standen nicht zur Verfügung, für sie begannen Schweinsteiger, Draxler und Can, der sein Debüt bei der EM gab. Der Weltmeister agierte im 4-3-3-System mit Schweinsteiger vor der Abwehr und Kroos sowie Debütant Can auf den Halbposition. Müller spielte vorne als Sturmspitze und wurde von den Außen Draxler und Özil unterstützt.

Frankreichs Trainer Didier Deschamps bot derweil die gleichen Elf Spieler auf, die mit einem lockeren 5:2-Viertelfinalerfolg über Island das Halbfinal-Ticket gebucht hatten. Die beiden zuletzt Gelb-gesperrten Rami und Kanté nahmen zunächst nur auf der Bank Platz.

Starker Beginn der Franzosen - Neuer ist da

"Les Bleus" begannen sehr dominant und drückten Deutschland gleich mächtig hinten rein. Beinahe hätte sich der Gastgeber auch für die mutigen Anfangsbemühungen belohnt, aber Griezmann scheiterte nach schönem Solo an Neuer (7.). Nach etwa zehn Minuten fand der Weltmeister besser ins Spiel. Über Kimmich und Can landete der Ball bei Müller, doch der brachte ihn grätschend nicht aufs Tor (13.). Nur eine Minute später holte Lloris den Flachschuss von Can aus dem linken unteren Eck (14.).

Die Deutschen waren nun klar besser im Spiel, dominierten das Duell mit viel Ballbesitz. Der Gastgeber stand tief und lauerte auf Konter über den schnellen Griezmann. Müller versuchte es aus der Distanz (15.), auf der Gegenseite zog Payet einen Freistoß direkt aufs Tor (25.) - beide Abschlüsse blieben ungefährlich. Besser machte es da Schweinsteiger, aber seinen Schlenzer lenkte Lloris mit den Fingerspitzen über die Latte (26.).

Von der Equipe Tricolore war offensiv kaum noch etwas zu sehen: Pogba versuchte es per direktem Freistoß, stellte Neuer damit aber vor keine Probleme (37.). So richtig durchsetzen konnte sich die DFB-Elf aber auch nicht, Müller versuchte es erneut aus der Distanz (39.).

Bei Frankreich ging fast alles über Griezmann, der Mann von Atletico Madrid traf nach 41 Minuten das Außennetz. Wenig später verlor Boateng den Ball an Giroud, der lief alleine auf Neuer zu, wurde aber am Ende stark vom reingrätschenden Höwedes am Abschluss gehindert (42.).

Griezmann bleibt eiskalt vom Punkt

Es stellten sich alle auf ein torloses Remis zur Pause ein, da gab es noch einen großen Aufreger. Nach einer Payet-Ecke ging Schweinsteiger gegen Evra zum Kopfball und bekam das Leder an die Hand - Schiedsrichter Nicola Rizzoli aus Italien zeigte nach kurzer Rücksprache mit seinem Linienrichter auf den Punkt. Griezmann ließ sich die Chance nicht nehmen und verwandelte eiskalt - sein fünfter Turniertreffer (45.+2). Fünf Treffer bei einer EM-Endrunde hatte zuletzt der Tscheche Milan Baros 2004 geschafft.

Boateng muss verletzt runter

Nach der Pause kam wieder Frankreich besser ins Spiel, aber Boateng konnte zweimal gegen Giroud und Griezmann blocken (46.). Anschließend wurde die DFB-Elf wieder dominanter, erspielte sich aber zunächst keine gefährlichen Torraumszenen. In der 60. Minute gab es den nächsten Rückschlag: Boateng hielt sich den rechten Oberschenkel und konnte nicht weitermachen - Mustafi kam für ihn ins Spiel. Der Gastgeber investierte nicht viel, konzentrierte sich auf die Defensive. Nach einer Ecke gab es dann aus französischer Sicht wieder einen Hauch Torgefahr, Koscielny nickte das Leder aber auf das Tornetz (63.).

Griezmann schnürt den Doppelpack

Doppelapcker Antoine Griezmann (li.) jubelt über seinen 5. Turniertreffer. © Getty Images

Deutschland lief die Zeit davon, nach 66 Minuten ging Bundestrainer Löw mehr Risiko und brachte Götze für Can. Aber die nächste gute Chance hatten die Franzosen, Payet traf aus 17 Metern jedoch den Ball nicht richtig (67.). Die Equipe Tricolore blieb offensiv immer gefährlich und profitierte in der 72. Minute von einem Abwehrfehler der Deutschen: Höwedes spielte einen Querpass im Strafraum auf Kimmich, der das Leder an Pogba verlor. Der Mann von Juventus tanzte anschließend Mustafi aus und flankte ins Zentrum. Neuer kam raus, konnte den Ball aber nicht entscheidend klären. Griezmann fiel das Leder vor die Füße und er spitzelte es ins Tor.

Sané kommt rein - Mustafi vergibt

Dem Weltmeister wäre beinahe die direkte Antwort gelungen, aber Kimmichs Schuss klatschte ans linke Kreuzeck (74.). Deutschland warf nun natürlich alles nach vorne, Draxlers Freistoß landete neben dem Kasten (76.). Löw riskierte zwölf Minuten vor dem Ende noch mehr, Sané feierte sein EM-Debüt und ersetzte Schweinsteiger. Und der Schalker hatte gleich eine große Chance, nach Kroos-Flanke setzte er den Ball am Kasten vorbei (79.). Nach dem darauffolgenden Standard sprang das Leder Mustafi vor die Füße, aber der drosch es weit über den Kasten (79.).

Die Franzosen spielten es in der Schlussphase clever, ließen wenig zu. Höwedes kam nach einem Kroos-Freistoß zum Kopfball, setzte diesen auf das Tornetz (82.). Deutschland war nun offen, Frankreich konterte: Griezmann verpasste die Vorentscheidung (86.). Auch der eingewechselte Gignac kam nochmal zum Abschluss, und verzog ebenfalls (88.). Deutschland versuchte alles, aber Müller und Götze scheiterten kurz vor dem Ende per Kopf (90.+3). Nach vier Minuten Nachspielzeit pfiff Rizzoli dann ab.

Frankreich trifft nun am Sonntag (21 Uhr, LIVE! auf kicker.de) im Finale der Europameisterschaft in Paris auf Portugal und darf weiter vom dritten EM-Titel träumen.

Torschützen
0:1 Griezmann (45. + 2, Handelfmeter, Linksschuss)
0:2 Griezmann (72., Linksschuss, Pogba)