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07.02.2019, 12:31

Stolz und Enttäuschung bei Hertha nach dem Pokal-K.o.

"Es war knapp, richtig knapp, scheiße knapp"

Der Traum vom Finale im eigenen Stadion war geplatzt, aber Vorwürfe gab es keine. Bei Hertha BSC, am Mittwochabend in 120 spannenden Pokal-Minuten mit 2:3 im Achtelfinale am FC Bayern gescheitert, hielten sich Stolz und Enttäuschung beinahe die Waage. Davie Selke, der mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:2 die Tür zur Verlängerung aufgestoßen hatte, sprach aus, was alle Berliner empfanden: "Wir haben alles reingeworfen. Um gegen Bayern zu gewinnen, braucht man einen perfekten Tag. Den hatten wir nicht."

Per Skjelbred
Enges Duell: Per Skjelbred gegen Bayerns David Alaba.
© picture allianceZoomansicht

Perfektion hatten die Berliner am Mittwochabend im ausverkauften Olympiastadion nicht zu bieten, aber Effektivität und Leidenschaft. Per Skjelbred, der Prototyp des Mittelfeld-Arbeiters, nannte die 120 strapaziösen Minuten "ein Drecksspiel - wir mussten viel laufen, die sind schnell, die sind wendig, ab und zu musst du doppeln, ab und zu tripeln". Der Norweger stand in den Katakomben des Olympiastadions, die Füße und Knöchel mit Tapeverbänden geschützt, aus ihm sprachen Stolz und Enttäuschung gleichermaßen: "Es war knapp, richtig knapp, scheiße knapp."

Sie hatten wie zuvor viermal in der Bundesliga gegen die Bayern auch dieses Mal nach 90 Minuten nicht verloren, ehe in der Verlängerung Kraft und Konzentration schwanden und sich die Berliner beim Münchner Siegtor durch Kingsley Coman nicht besonders clever anstellten. "Wir haben zu einfache Tore kassiert", bilanzierte Skjelbred treffend, "und müssen jetzt ein bisschen Video gucken, was wir besser machen können. Man kann immer besser Fußball spielen, aber unsere Leistung war gut. Wir haben 100 Prozent von dem, was wir heute bringen können, gebracht. Wir haben es versucht und alles gegeben, was wir in den Beinen hatten."

Kein dauerhafter Druck

Über 120 Minuten, aufopferungsvoll und leidenschaftlich, aber eben auch mit zu wenig Ruhe und Ballbesitz. So sah es auch Salomon Kalou, der mit Chelsea 2012 die Bayern im "Finale dahoam" im Endspiel der Champions League düpiert und der das erste Berliner Tor für Maximilian Mittelstädt aufgelegt hatte. "Am Ende haben wir uns zu sehr zurückdrängen lassen", konstatierte der Ivorer. "Zwischendurch haben wir die Bayern mal unter Druck gesetzt, aber nicht dauerhaft. Und wenn du den Bayern den Ball lässt, kommen sie irgendwann mit ihrer großen Qualität durch."

Bayern mit unter 30 Prozent Ballbesitz zu schlagen, ist fast unmöglich.Pal Dardai

Einen "guten Kampf von uns" hatte Innenverteidiger Karim Rekik gesehen, "aber nach dem 2:3 war es schwer, nochmal zurückzukommen - irgendwann wird man dann müde". Der Niederländer hatte Glück, dass sein Foul an Leon Goretzka in der 2. Minute von Schiedsrichter Markus Schmidt zur Verblüffung fast aller keinen Elfmeter, sondern eine Gelbe Karte für Goretzka wegen einer vermeintlichen Schwalbe nach sich zog. Auch Hertha-Coach Pal Dardai sagte später: "Kann sein, dass das ein Elfmeter war." Ganz sicher sogar, aber wegen des Spielausgangs spielte die Szene, aus der in der Fortsetzung Herthas erstes Tor entsprang, in der Nachbetrachtung keine große Rolle mehr. "Die erste Halbzeit war ordentlich", fand Dardai. "In der zweiten Halbzeit hat man gespürt, dass es die Bayern besser machen. Der Druck wurde immer größer, in der Verlängerung hatten wir kaum noch Ballbesitz. Wir haben gegen einen guten FC Bayern verloren und müssen aus solchen Spielen lernen. Bayern mit unter 30 Prozent Ballbesitz zu schlagen, ist fast unmöglich."

Kovac über Hertha: "Viel Glück ist auch Können"

Lob bekam Dardai, der am Dienstag dieser Woche sein vierjähriges Jubiläum als Hertha-Trainer hatte, von Bayern-Coach Niko Kovac. Zwischen 2003 und 2006 waren sie Mitspieler und Konkurrenten um den Arbeitsplatz im defensiven Mittelfeld bei Hertha BSC. Als Kovac kurz vor Mitternacht von einem ungarischen Journalisten um eine Einschätzung des Trainers Dardai gebeten wurde, gab es erst einen kleinen Gag ("Der Pal, der kann nichts.") - und dann eine Eloge: "Pal hat geschafft, was nicht viele schaffen: eine Mannschaft aus dem Abstiegskampf zu holen und ins gesicherte Mittelfeld beziehungsweise an die Europa-League-Plätze zu bringen. Sie spielen immer konstant im oberen Tabellendrittel mit, das zeigt die Qualität. Einmal kann man Glück haben, aber wenn man das über Jahre macht - viel Glück ist auch Können."

Steffen Rohr

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kicker.tv Hintergrund- 07.02., 08:43 Uhr
Bayern weiter - Was Kovac trotzdem ärgert
Der FC Bayern steht im Viertelfinale des DFB-Pokals, benötigte dafür in Berlin aber 120 Minuten. Das hatte sich Trainer Niko Kovac anders vorgestellt. Seine Bayern dominierten, leisteten sich aber "wieder zwei Fehler".
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weitere Infos zu Skjelbred

Vorname:Per Ciljan
Nachname:Skjelbred
Nation: Norwegen
Verein:Hertha BSC
Geboren am:16.06.1987


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