BVB macht sich Mut nach Pokalsieg

Dortmunds Sieg der Mentalität

Pokal - 21.08. 10:56

Es war ein hartes Stück Arbeit, härter noch, als es sich die Spieler und Verantwortlichen von Borussia Dortmund im Vorfeld ohnehin ausgemalt hatten: Erst nach teils dramatischen 120 Minuten plus Nachspielzeit und gleich zwei Last-Minute-Treffern zog der BVB am Montagabend bei der SpVgg Greuther Fürth in die zweite DFB-Pokalrunde ein. Die Art und Weise des späten 2:1-Siegs durch Tore von Neuzugang Axel Witsel (90.+5) und Marco Reus (120.+1) dürfte den Dortmundern Mut machen, dass der nach dem ausgerufenen Neustart eingeschlagene Weg der richtige ist - denn es war in erster Linie ein Erfolg der Mentalität.

Glückliche Gewinner: Am Ende setzte sich mit dem BVB der klare Favorit durch und feierte. © imago

Geschafft, aber glücklich. So wirkten am späten Montagabend die meisten Borussen. Im ersten Pflichtspiel der neuen Saison direkt über 120 Minuten gehen zu müssen, war wahrlich nicht vergnügungssteuerpflichtig. Zugleich aber war es ein guter Test, ob in der Vorbereitung ausreichend gearbeitet wurde. "Wir haben es richtig gemacht", bilanzierte Innenverteidiger Manuel Akanji anschließend zufrieden. "Das wird uns noch weiterhelfen in der Saison."

Helfen dürfte auch der Auftakterfolg an sich, gerade angesichts des schweren Bundesliga-Auftakts am Sonntag daheim gegen RB Leipzig. Eine Niederlage in Fürth - und die war lange Zeit möglich - und die Aufbruchsstimmung rund um den BVB mit seinem neuen Trainer Lucien Favre hätte einen herben Dämpfer erhalten. Die Erleichterung über den Erfolg sei in der Kabine dann auch spürbar gewesen, verriet Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspielerabteilung, der erstmals in seiner neuen Rolle in einem Pflichtspiel auf der BVB-Bank Platz genommen hatte. "Es ist ja klar, dass es hätte unruhig werden können, wenn wir verloren hätten. Daher hilft es sehr, mit diesem positiven Erlebnis zu starten", sagte der frühere Kapitän der Schwarzgelben, "solche schwierigen Momente direkt am Anfang zu erleben, das ist wichtig. So etwas braucht man, um eine Mannschaft zu werden."

Kehl: "Es war ein harter Kampf bis zum Schluss"

Dass sich die Mentalität des Dortmunder Teams verbessert hat, dafür gab es in Fürth gleich mehrere Indizien. So blieb der BVB trotz einer schwachen Chancenverwertung vor der Pause und phasenweise vieler einfacher Fehler im eigenen Spiel stets beharrlich. Auch als Sebastian Ernst 13 Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit den Zweitligisten plötzlich in Führung brachte, sackten die Schultern der Dortmunder nicht gen Boden. Der Lohn war zunächst der Treffer des zuvor eingewechselten Witsel nach Flanke von Reus, der den BVB im allerletzten Moment in die Verlängerung rettete. Später dann das Tor von Reus nach starker Einzelleistung von Jadon Sancho, das Sekunden vor dem Ende der Verlängerung Fürth um den Traum von der Sensation und die Borussia eine Runde weiterbrachte.

"Es war ein harter Kampf bis zum Schluss", sagte Kehl, "wir haben eine super Mentalität gezeigt. Bis zum Ende an uns geglaubt." In der Vorsaison konnte der BVB das von sich nicht immer behaupten. Dass Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc, der durch die Transfers von Witsel und Thomas Delaney der Mannschaft eine gehörige Portion Charakter implementiert hat, anschließend "froh und zufrieden" die Heimreise antrat, war daher - bei allen Hausaufgaben, die die Borussen vor dem Spiel gegen Leipzig noch abarbeiten müssen - verständlich.

Pure Erleichterung bei Sammer und Watzke

Denn um zu wissen, wie wichtig dieser Sieg für den BVB war, genügte am Montag ein Blick auf die Ehrentribüne. Dort saßen Dortmunds Boss Hans-Joachim Watzke und Matthias Sammer, der neue externe Berater der Borussia, Seite an Seite. Allerdings nur bis zu Reus' Siegtreffer. Dann sprang das Duo auf, umarmte sich und jubelte Wange an Wange über das so wichtige Tor. Es war die pure Erleichterung, die aus den Gesichtern Watzkes und Sammers sprach. Sie wussten in diesem Moment: Der Fehlstart ist abgewendet, der oft so schwere Anfang gemacht. Mehr zählte gegen den Zweitligisten, der nicht nur auf dem Papier das schwerste aller möglichen Erstrundenlose für den BVB war, nicht.

Matthias Dersch

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