Fürth: Enttäuschung und Mut nach dem Pokal-Drama

Hilbert: "Mit dieser Mannschaft ist sehr viel möglich"

Pokal - 21.08. 09:33

Am Ende war da einfach nur Leere. Sebastian Ernst blickte reglos vor sich hin, Lukas Gugganig kauerte auf dem Rasen und Fabian Reese blieb so lange liegen, bis ihn ein Betreuer nach oben zerrte. Zweimal zerstörte Borussia Dortmund die Pokalträume der SpVgg Greuther Fürth in der Nachspielzeit, am Ende hieß es 1:2 nach Verlängerung. Der Zweitligist kann aus seinem beherzten Auftritt viel Selbstvertrauen ziehen.

"Es stimmt in der Mannschaft": Fürths Rechtsverteidiger Roberto Hilbert. © imago

Die Trophäe, die er als "Man oft he Match" erhalten hatte, hielt Sebastian Ernst mit beiden Händen vor seinem Bauch fest. Doch wie ein Pokalheld fühlte sich der 23-Jährige nicht, als er am Montag eine halbe Stunde vor Mitternacht über diese 120 packenden Minuten sprach. Ein paar Sekunden hatten dazu gefehlt. Der umtriebige Ernst hatte den Außenseiter mit 1:0 in Führung gebracht, doch der BVB schlug zweimal in der Nachspielzeit zu, erst durch Axel Witsel (90.+5), dann am Ende der Verlängerung durch Marco Reus (120.+1).

"Es war ein schönes Tor, aber am Ende nützt es nichts. Für mich ist das natürlich besonders bitter", meinte der geknickte Ernst. "Die Kraft, die Konzentration, irgendwie alles zusammen", habe gefehlt, um die Sensation perfekt zu machen. 120 Minuten lang hatten die Fürther alles reingeworfen, um den Dortmundern Paroli zu bieten. Auch ohne ihren Kapitän Marco Caligiuri (muskuläre Probleme) und ihren Coach Damir Buric, der wegen eines Trauerfalls in der Familie fehlte.

Bauer, Gugganig und Burchert ragen heraus

"Wir haben für unseren Trainer gekämpft", sagte dessen Assistent und Vertreter Oliver Barth und machte seiner Mannschaft "ein riesiges Kompliment". Das hatten sich die Fürther in der Tat verdient: Der 18-jährige Maximilian Bauer lieferte bei seinem ersten Profieinsatz von Beginn an eine beachtliche Leistung in der Innenverteidigung. Sechser Lukas Gugannig räumte im Mittelfeld fast alles ab und leitete mit einem energischen Einsatz das Tor ein. Keeper Sascha Burchert verhinderte mit mehreren Paraden einen frühen Rückstand. Und Fabian Reese hatte in der Verlängerung sogar die erneute Führung auf dem Fuß, als er auf Roman Bürki zulief. Doch die Schalker Leihgabe scheiterte am BVB-Torwart. Kaltschnäuzigkeit, Kraft und vor allem Glück fehlten am Ende zum Pokalcoup.

Hilbert: "Der Stolz überwiegt"

Selbst Routinier Roberto Hilbert konnte sich nicht an ein ähnlich bitteres Ausscheiden in seiner langen Karriere erinnern. "So etwas habe ich auch noch nie erlebt", sagte der 33-Jährige. Mit all seiner Erfahrung nahm er die späten Schocks aber gefasst hin. "Der Stolz überwiegt", meinte Hilbert und verriet mit einem Schmunzeln, wie er mit solchen Niederlagen umgeht: "Man schläft bis 4 Uhr nicht, trinkt ein paar Gläser Cola und dann geht es schon wieder, zumindest in meinem Fall." Der Rechtsverteidiger zog letztlich positive Erkenntnisse aus dem leidenschaftlichen Auftritt: "Es war eine geschlossene Teamleistung. Es stimmt in der Mannschaft, wir haben einen klaren Plan. Ich bin davon überzeugt, dass mit dieser Mannschaft sehr viel möglich ist." Das sieht auch Linksverteidiger Maximilian Wittek so: "Trotz der Niederlage haben wir großes Selbstvertrauen getankt. Man hat gesehen, wie wir gegen die zweitbeste Mannschaft Deutschlands verteidigen können." Das macht Mut für die 2. Liga. Nach vier Punkten aus den ersten zwei Spielen ist Fürth am Samstag (13 Uhr) zu Hause gegen Aufsteiger Paderborn gefordert.

David Bernreuther

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