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13.08.2017, 17:01

Interview mit dem ehemaligen Rostocker und Berliner

Beinlich: "Die Hertha weiß nicht genau, wo sie steht"

Zum Abschluss der ersten Runde im DFB-Pokal empfängt am Montagabend (20:45 Uhr, LIVE! bei kicker.de) Drittligist Hansa Rostock den Bundesligisten und Europa-League-Teilnehmer Hertha BSC. Einer, der für beide Vereine aktiv war, ist Stefan Beinlich. Im Interview spricht der ehemalige Nationalspieler, der als Manager zwischen 2010 und 2012 in Rostock arbeitete, über das Duell und die Lage beim FC Hansa. Im kicker (Montagsausgabe) lesen Sie zudem eine Doppelseite zur Lage in Vergangenheit und Gegenwart bei Hansa Rostock sowie zum Duell mit der Hertha.

Stefan Beinlich spielte für Hansa Rostock und auch die Berliner Hertha.
Stefan Beinlich spielte für Hansa Rostock und auch die Berliner Hertha.
© imagoZoomansicht

kicker: Herr Beinlich, wenn zwei Ex-Klubs eines Spielers aufeinandertreffen, ist es eine beliebte Frage, für welchen der beiden ehemaligen Arbeitgeber das Herz mehr schlägt. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Stefan Beinlich: Ich lebe in Rostock...(lacht). Es wäre schön, wenn Hansa die erste Runde überstehen würde. Auch deshalb, weil sie der Underdog sind.

kicker: Hansa ist trotz der Niederlage zuletzt gegen Meppen ordentlich in die Saison gestartet. Was trauen Sie der Mannschaft zu?

Beinlich: Man soll ja nicht zu schnell vom Aufstieg sprechen, aber ich glaube, die Rückkehr in die 2. Liga sollte immer das Ziel sein. Die ersten Spiele haben gezeigt, dass die Mannschaft sehr kompakt steht. Sie machen es bisher gut. Ich traue ihnen zu, dass sie um den Aufstieg mitspielen können.

kicker: Und im Pokalspiel gegen Hertha?

Beinlich: Da brauchst du bekanntlich immer auch das Quäntchen Glück. Hertha spielt zwei Ligen über Hansa, sie sind natürlich der Favorit. Aber: Hansa hat schon ein paar Spiele hinter sich, sie sind schon in die Liga gestartet. Die Hertha hingegen weiß nicht genau, wo sie steht. Das ist ja immer der Reiz der ersten Pokalrunde.

kicker: Die erste Pokalrunde bietet auch immer Gelegenheit, sich mit früheren Bundesligaklubs zu beschäftigen, die etwas in der Versenkung verschwunden sind. Hansa galt lange Jahre als Leuchtturm des Fußball-Ostens, musste zuletzt aber um den Verbleib in der 3. Liga kämpfen. Wie würden Sie die Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahren beschreiben?

Beinlich: Ich kann nur über meine beiden Jahre als Manager sprechen. Da haben wir es leider nicht geschafft, in der 2. Liga zu bleiben. Die größte Schwierigkeit sind immer die Finanzen. Wenn du finanzielle Probleme hast und mit einem kleinen Etat in die Saison gehst, kannst du trotzdem mal aufsteigen; wir haben es damals auch geschafft, Darmstadt ist ein anderes gutes Beispiel, die sind sogar bis in die Bundesliga gekommen. Aber grundsätzlich brauchst du ein gutes Fundament, und das sind die finanziellen Möglichkeiten. Die sind hier oben nicht so gegeben, wie es sein sollte. Man hat jetzt einen Investor (Rolf Elgeti, Anm. d. Red.), der den Verein unterstützt. Ich kenne keine Details, aber ich glaube, man hat zumindest für den Lizenzbereich ganz gute Möglichkeiten für die Saison. Daraus gilt es jetzt, etwas zu basteln und aufzubauen, um wieder in die 2. Liga zu gelangen.

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kicker: Als Sie 2010 als Manager antraten, ist Hansa mit einer neu formierten Mannschaft mit vielen eher unbekannten Spielern in die Drittliga-Saison gestartet - und aufgestiegen. Inwieweit ist die jetzige Situation mit der damaligen vergleichbar?

Beinlich: Es stimmt, wir hatten damals auch eine neue Mannschaft, einen neuen Trainer. So ein Umbruch ist immer eine Herausforderung, aber die vergangenen Jahre, in denen sich Hansa mehr im unteren Bereich der Tabelle bewegt hat, haben gezeigt, dass so ein Schnitt auch mal ganz gut sein kann, um einen Neuanfang auszurufen. Die Verpflichtung von Pavel Dotchev finde ich gut, er ist erfahren, er kennt die 3. Liga, er hat bewiesen, dass er aufsteigen kann. Jetzt muss die Mannschaft funktionieren. In der 3. Liga ist nicht das Fußballspielen ausschlaggebend, sondern du musst über 90 Minuten Gas geben können und als Team funktionieren. Ich glaube, Hansa kann das und hat deshalb die Chance, oben mitzuspielen. Für die Region und für den Verein wäre das toll.

kicker: Die Verantwortlichen halten sich mit Kampfansagen zurück, Sie klingen da optimistischer.

Beinlich: Dass von denen niemand sagt, dass man aufsteigen will, ist angesichts der jüngeren Klubgeschichte verständlich und auch richtig. Aus meiner Sicht muss aber klar sein, dass, wenn man nach Rostock kommt, zu einem Verein, der jahrelang in der Bundesliga gespielt hat, und immer über noch gute Möglichkeiten in Sachen Stadion und Trainingsbedingungen verfügt, man diesen Schritt gehen möchte. Ob es dann am Ende passiert, wird die Zukunft zeigen. Klar ist auch: Wenn man als Verein sportlich wie finanziell vorankommen und auch den Nachwuchs wieder besser fördern möchte, muss man den Weg aus der 3. in die 2. Liga finden.

kicker: Hansas jüngere Vereinsgeschichte ist von Unruhe sowie vielen Wechsel auf der Trainerposition und auch in der Klubführung gekennzeichnet. Wie sehr hat das dem Verein geschadet?

Beinlich: Du kriegst nur dann Ruhe rein in einen Verein, wenn du sportlichen Erfolg hast. Das ist immer die Grundvoraussetzung für alles andere. Ich hoffe, dass man das jetzt mit René Schneider und Pavel Dotchev schafft. Sie müssen in dieser Saison nicht aufsteigen, aber man sollte sehen, dass es vorangeht. Es wäre schön, wenn man Kontinuität reinkriegt.

Stefan Beinlich
"Es wäre schön, wenn Hansa die erste Runde überstehen würde": Stefan Beinlich.
© imago

kicker: Haben Sie den Eindruck, dass der Verein die richtigen Lehren aus der Vergangenheit und den vielen personellen Wechseln gezogen hat?

Beinlich: Ich glaube schon. Auf Funktionärsebene war in der vergangenen Saison, in der es sportlich auch nicht so lief, Ruhe drin.

kicker: Wenn man sieht, dass RB Leipzig, Union Berlin, Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, zuletzt auch Magdeburg Hansa überholt haben, wie kann Rostock wieder nach oben kommen?

Beinlich: Es lohnt sich nicht, auf die anderen Ostvereine zu schauen. Hansa muss einen eigenen Weg finden und gucken, welche Möglichkeiten es hier gibt. Wir haben eine schöne Stadt, ein gutes Stadion. Mecklenburg-Vorpommern steht, so glaube ich, hinter dem Verein. Wie in allen Städten gibt es auch hier ein paar Idioten, die Probleme gemacht haben. Aber das gibt es leider überall, das ist ein gesellschaftliches Problem. Insgesamt gibt es in Rostock ein Potenzial, auf dem man aufbauen kann.

kicker: Früher hat Hansa Talente entwickelt, unter anderem war man auch auf dem skandinavischen Markt sehr erfolgreich, und hat Transfererlöse erzielt. Das ist ein Ansatz, den heutzutage viele Klubs wählen. Inwieweit kann Hansa da noch einen eigenen Weg beschreiten?

Beinlich: Das ist sehr schwer. Als Klub mit geringen finanziellen Mitteln hat man nicht die Möglichkeiten, überall eigene Scouts hinzuschicken. Zudem ist es schwierig geworden, Spieler aus der eigenen Jugend mit hohem Gewinn zu verkaufen. Die unterschreiben keinen Fünfjahres-Vertrag mehr, sondern kommen mit einer Restlaufzeit von ein oder zwei Jahren in den Seniorenbereich. Da zahlt dann kaum einer noch eine Millionenablöse. Hinzu kommt, dass du als Drittligist nicht die Möglichkeit hast, sehr viel Geld in den Nachwuchs zu stecken. Eigentlich müsste man ja sagen, wenn wir den Nachwuchs nicht unterstützen, wird es in der Zukunft schwierig. Aber als Drittligist kannst du das einfach nicht, da kannst du nur den Blick darauf richten, dass du die Profis in die 2. Liga bekommst. Erst danach kannst du den Nachwuchs wieder finanziell besser unterstützen. Dieser Spagat ist nur mit einem Aufstieg zu bewältigen.


Die große Geschichte rund um Hansa Rostock - die Historie, die Probleme, die Chancen des Klubs - erscheint in der Montagsausgabe des kicker. Am Abend folgt dann das DFB-Pokal-Duell gegen Hertha BSC.

Interview: Jan Reinold

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14. August 1994: Meister Bayern mit Kahn, Matthäus, Scholl und Papin wird in der 1. Runde vom Drittligisten Vestenbergsgreuth düpiert, der in der damaligen Regionalliga Süd kickt. Roland Stein macht in der 43. Minute in Nürnberg das entscheidende Tor, vom Jubel existiert nur eine Schwarz-Weiß-Aufnahme.
© picture alliance

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Vereinsdaten

Vereinsname:Hertha BSC
Gründungsdatum:25.07.1892
Mitglieder:35.150 (01.07.2017)
Vereinsfarben:Blau-Weiß
Anschrift:Hanns-Braun-Straße, Friesenhaus 2
14053 Berlin
Telefon: (0 30) 30 09 28 0
Telefax: (0 30) 30 09 28 94
E-Mail: info@herthabsc.de
Internet:http://www.herthabsc.de

Vereinsdaten

Vereinsname:Hansa Rostock
Gründungsdatum:28.12.1965
Mitglieder:12.000 (10.08.2017)
Vereinsfarben:Weiß-Blau
Anschrift:Kopernikusstraße 17 c
18057 Rostock
Telefon: (03 81) 49 99 91 0
Telefax: (03 81) 49 99 97 0
Internet:http://www.fc-hansa.de/


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