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09.04.2015, 11:27

Gladbach scheitert in Bielefeld auch an fehlender Leidenschaft

Favre ärgert das Berlin-Gerede

Das vermeintliche "Glückslos" Arminia Bielefeld entpuppte sich als Alptraum: Nach der 4:5-Niederlage im Elfmeterschießen des DFB-Pokal-Viertelfinals zeigt sich Borussia Mönchengladbach "tief enttäuscht" und sucht nach Gründen für das unerwartete Aus. Fehlte die Leidenschaft? Trainer Lucien Favre ärgerte sich vor allem über die forschen Töne im Vorfeld.

Lucien Favre in Bielefeld
Augen zu auf der Alm: Gladbach und Trainer Lucien Favre flogen in Bielefeld aus dem Pokal.
© picture allianceZoomansicht

Als Bielefelds Trainer Norbert Meier von der "sehr guten Gladbacher Mannschaft" sprach, rollte Lucien Favre nur mit den Augen, in einer Mischung aus Ironie und Verzweiflung. Das Pokal-Aus beim Drittligisten empfindet auch Gladbachs Coach spürbar als eine Form der Blamage, obgleich er festhielt: "Wir wissen, dass es überall schwer ist. Es war in Offenbach schwer für uns, und es war klar, dass es auch bei einem Drittligisten schwer sein würde."

Trotzdem gibt Favre zu: "Wir sind tief enttäuscht." Nicht zuletzt deshalb, weil die Borussia in einem Duell zweier grundverschiedener fußballerischer Stilformen am krassen Außenseiter scheiterte. Die Arminia zwang dem Champions-League-Anwärter ihren rustikalen, laufintensiven und körperbetonten Hauruck-Stil in imponierender Art und Weise auf. Favre konnte hinterher nur feststellen: "Wir haben versucht, Fußball zu spielen."

Es blieb beim Versuch, weil bei aller Überlegenheit in puncto Ballbesitz es an den Grundtugenden mangelte, die Bielefeld so mustergültig an den Tag legte. Favre: "Unsere Bewegung war nicht gut, nicht gut genug. Wir hatten zu wenig Aktionen, die Ballzirkulation war zu langsam." Ein Einstellungsproblem mag der Fußballlehrer daraus zwar nicht ableiten: "Wir sind viel gelaufen. Aber nicht immer richtig."

Ich weiß nicht, wer gesagt hat, dass wir nach Berlin wollen. Ich habe das ganz sicher nie gesagt.Lucien Favre

Trotzdem bleibt festzuhalten: Jene Leidenschaft, die der Underdog über 120 Minuten versprühte, erwiderte Gladbach zu keiner Sekunde. Die Borussia versuchte es - nahezu ausschließlich - mit ihrer ureigenen fußballerischen Qualität. Und scheiterte. Der Traum vom Finale in Berlin, vom Titelgewinn gar, den Sportdirektor Max Eberl und etliche Profis schon vorm Achtelfinale in Offenbach immer wieder thematisiert hatten, ist damit jäh geplatzt. Zum Ärger auch von Favre, der knarzt: "Ich weiß nicht, wer gesagt hat, dass wir nach Berlin wollen. Ich habe das ganz sicher nie gesagt. Ich habe gesagt, wir haben ein Spiel in Bielefeld, fertig. Vom Finale zu reden, wenn man gerade mal im Viertelfinale steht, ist immer gefährlich."

Dass es seinen Profis auf der Alm eben doch an der nötigen Mentalität fehlte, lässt der Coach damit zumindest durchblicken. Das vermeintliche "Glückslos" Arminia wurde so zum Alptraum, der kürzeste (weil einzige) Weg nach Europa führt nun also doch über die Liga. Immerhin: Auswirkungen auf den dortigen Endspurt sind durch den Pokal-K.-o. nach menschlichem Ermessen nicht zu erwarten. "Wir haben schon nach dem Aus gegen Sevilla bewiesen, dass die einzelnen Wettbewerbe nichts miteinander zu tun haben", sagt Tony Jantschke. Und der Einzug in die Champions League wäre für die Borussia am Ende ja sogar deutlich mehr wert als der Pott.

Thiemo Müller

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09.04.15
 
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