| Vorname: | Michael |
| Nachname: | Büskens |
| Nation: | Deutschland |
| Verein: | SpVgg Greuther Fürth |

Schuss, Pfosten, Rücken, Tor - Schlusspfiff. Die Sequenz in der 120. Minute war wie ein Filmriss für die Fürther Anhängerschaft, die ihre Mannschaft lautstark unterstützt und Richtung Finaleinzug angetrieben hatte. Doch ausgerechnet der Ex-Nürnberger Ilkay Gündogan machte den Kleeblatt-Hoffnungen am Frühlingsanfang noch einen dicken Strich durch die Rechnung.
Das Elfmeterschießen hätten die Hausherrenfans doch allzu gerne noch gesehen. Mit dem langen Fejzic im Tor, der in der 118. Minute für den starken Max Grün in den Kasten gewechselt war. Mike Büskens' Plan: Fejzic sollte in der Lotterie vom Punkt das Zünglein an der Waage sein. "Das war vorher abgesprochen. Max hatte auch gesagt, er geht dann raus, weil wir wussten, dass Jasmin Fejzic einiges zu halten in der Lage ist", sagte der 44-Jährige via "Sky".
2007 hatte Hans Meyer als Trainer des 1. FC Nürnberg ähnlich agiert, auf dem Weg zum Pokaltriumph in Berlin über den VfB Stuttgart (3:2 n.V.) im Viertelfinale gegen Hannover 96 (4:2 i.E.) in der 119. Minute Daniel Klewer für Raphael Schäfer gebracht. Klewer hielt zweimal und wurde zum Helden. Fejzic hatte nicht das Glück. An Gündogans platzierten Flachschuss aufs linke untere Eck kam der Bosnier nicht ran. Der Rest ist bekannt. "Bitter, wenn der Ball an den Pfosten, dann an seinen Rücken und von da aus reingeht", sagte Büskens.
Sein Gegenüber Jürgen Klopp bezeichnete den Wechsel als "völlig legitim", den Zeitpunkt verstand der BVB-Coach nicht ganz. "Fakt ist nur, sie haben sich zwei Minuten zu früh auf das Elfmeterschießen eingestellt. Die zwei Minuten fand ich dann schon lässig, dass wir da nochmal aufs Tor geschossen haben und der Ball auch noch reingegangen ist, das ist geil", so Klopp in seiner unnachahmlichen Art.
„Das hat Nerven gekostet, es war ein absoluter Abnutzungskampf. Es war grausam. Das ist Wahnsinn, war an Dramaturgie nicht zu toppen.“Hans-Joachim Watzke, BVB-Vorstand
Dass Edelreservist Gündogan den goldenen Schuss abgefeuert hatte, freute Klopp ganz besonders: "Ilkay Gündogan ist so ein fantastischer Fußballer, er schießt nur zu selten aufs Tor. Das habe ich ihm in der Pause der Verlängerung gesagt, dass er noch mindestens einmal schießen soll. Ich würde sagen, wer nicht schießt, kann auch nicht treffen." Mit dem Tor hätte sich Gündogan unsterblich gemacht bei den Fans - "das ist seine Eintrittskarte zu Borussa Dortmund, er hat Geschichte geschrieben". Viel schöner als ein Freifahrtschein für den Stammplatz, so der Erfolgscoach, der Gerüchte über einen Wechsel zum FC Chelsea in Fürth ins Reich der Fabel verwies ("Da werde ich nicht hinwechseln").
Dass doch ein gehöriger Schuss "Schalke gegen Dortmund" mit im Spiel war, zeigte sich dann mit dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Florian Meyer (Burgdorf), der nach Gündogans Tor gar nicht wieder anpfiff. Dortmunds Kevin Großkreutz und der Ex-Königsblaue Gerald Asamoah gingen sich verbal an, nachdem der BVB-Profi die Kontrahenten provoziert haben soll.
Büskens bezeichnete Großkreutz' Verhalten als "eigentlich beschämend". Der Coach mit der 18-jährigen blau-weißen Vergangenheit soll vom Dortmunder beleidigt worden sein. "Was in meine Richtung gekommen ist, das ist einfach nur peinlich. Derjenige ist bekannt dafür, dem wird das egal sein. Das ist einfach traurig", sagte der Fürther Trainer. Großkreutz, der anschließend zu den Fans auf den Zaun stieg, verteidigte sich: "Ich hab nur gejubelt." Ein Konter Richtung Asamoah war es aber doch. Der eingwechselte Fürther Winterneuzugang hatte vor dem Spiel von einem "Sieg über Lüdenscheid geträumt", mit dem entscheidenden Tor durch Asamoah in der 89. Minute.

"Er hat ja auch schon öfter ein paar Sprüche gegeben, er wollte ja mal zu Fuß von Dortmund nach Gelsenkirchen. Das kann er jetzt auch wieder tun. Das ist so unter Fußballern, so was passiert, dann darf er keine Sprüche geben", so Großkreutz. Asamoah via "Sky": "Zu so einem Typen brauch ich nicht viel sagen, er ist es nicht wert, darüber zu reden. So ein Typ interessiert mich gar nicht."
Ex-Schiedsrichter Markus Merk war der Meinung, dass sich der Dortmunder die Provokationen hätte sparen können: "Das darf natürlich nicht passieren. Vor allem ist er in der Gewinnerposition. Da ist es noch weniger verständlich. Man muss sehen, dass der Gegner wirklich am Boden liegt nach so einem Gegentor in der letzten Sekunde." Doch Großkreutz sei schließlich "Dortmunder mit Leib und Seele und lebt die Ruhrpott-Rivalität" (Zitat Steffen Freund, spielte für Schalke und den BVB). BVB-Vorstand Hans-Joachim Watzke bezeichnete es als "auffällig, dass wenn in irgendeiner Weise so was ist, Gerald Asamoah immer dabei ist".
Nachdem der erste Schock verdaut war, feierten die Fürther vor der Nordtribüne mit ihren Fans. Ein Sponsor stellte 1000 Liter Freibier bereit. Jede Menge Stolz mischte sich in die Enttäuschung. "Schade" war wohl eines der am meisten benutzten Wörter aus Fürther Sicht. Büskens richtete den Blick nach vorn. "So ist der Fußball leider. Wir müssen jetzt wieder aufstehen, uns aufrappeln. Das sind Nackenschläge, die gehören zum Fußball. Da musst du Charakter zeigen." Am Samstag ist dann wieder Zweite Liga in Fürth. Der Karlsruher SC kommt, dessen Sportliche Leitung mit Trainer Jörn Andersen und Sportdirektor Oliver Kreuzer auf der Gegengerade Augenzeuge des Pokalkampfs war. Die KSC-Vertreter werden hoffen, dass der Zweitliga-Primus einige Körner gelassen hat.
Sky-Experte Ralf Rangnick ist derweil vom Aufstieg der SpVgg überzeugt. "Wenn sie momentan mit diesem Selbstvertrauen, mit diesem Zusammenhalt in der Bundesliga spielen würden, glaube ich nicht, dass sie ganz unten stehen würden. Ich denke schon, dass man die Mannschaft derzeit im Mittelfeld der Bundesliga ansiedeln kann. Man wird es nächste Saison sehen. Ich gehe fest davon aus, dass sie aufsteigen."
Dann wäre der BVB auch im kommenden Spieljahr wieder Gast in Fürth, das ein neues Stadion plant und in den Süden der Stadt abwandern will. Die Stimmung im alten Ronhof war schon am Dienstag erstligatauglich. Und riesengroß war die Erleichterung beim glücklichen Gewinner. "Aki" Watzke war der Stress der vorangegangenen 120 Minuten deutlich anzumerken: "Das hat Nerven gekostet, es war ein absoluter Abnutzungskampf. Es war grausam. Das ist Wahnsinn, war an Dramaturgie nicht zu toppen." Dem muss nichts mehr hinzugefügt werden.