
Hertha BSC hat das ganze Theater um den entlassenen Trainer Markus Babbel gut weggesteckt und am Mittwoch unter Interimscoach Rainer Widmayer durch ein 3:1 gegen Kaiserslautern erstmals seit 2007 das Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht. Die Berliner, die ohne den gesperrten Raffael und Hubnik (Leistenprobleme) auskommen mussten, mussten in einer umkämpften aber keineswegs hochklassigen Partie nach der Pause den Ausgleich hinnehmen, ein Kraftakt von Lasogga nach einer knappen Stunde sorgte jedoch für die erneute Führung. Ein Ebert-Treffer in der Nachspielzeit ebnete dem Hauptstadtklub endgültig den Weg in die nächste Runde. "Das bedeutet uns sehr viel. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie von der Situation unbeeindruckt ist", freute sich Manager Michael Preetz nach dem Spiel, während FCK-Trainer Marco Kurz fehlendes "Format gegen einen schlagbaren Gegner" beklagte.
Format zeigte dagegen der einzig verbliebene "Amateur-Klub" Holstein Kiel. Die "Störche", die schon den beiden Zweitligisten Cottbus und Duisburg das Nachsehen gaben, zeigten auch gegen den 1. FSV Mainz 05 kein Erbarmen und schafften die Sensation. Kampfkraft, Leidenschaft, gepaart mit dem nötigen Quäntchen Glück - am Ende sprang auf dem schwer bespielbaren Untergrund ein verdienter 2:0-Erfolg gegen den Bundesligisten heraus. Die frühe Führung durch ein Eigentor spielte dem Underdog in die Karten, Steve Müller machte nach einer guten Stunde den Einzug gegen eine ideenlos auftretende Tuchel-Elf perfekt. Kiel ist der erste Viertligist seit elf Jahren (damals der 1. FC Magdeburg), der die Runde der letzten acht Mannschaften erreicht.
Der Traum von der Titelverteidigung ist für Schalke 04 ausgeträumt. Beim Pokalknaller in Mönchengladbach mussten die von Seppo Eichkorn betreuten "Königsblauen" (Trainer Huub Stevens weilte bei seiner erkrankten Mutter) früh einem Rückstand hinterherrennen, fanden gegen die gut organisierten "Fohlen" aber in der Offensive kein Mittel. Als Huntelaar kurz nach der Pause die Ampelkarte sah und Reus Unnerstall auf dem falschen Fuß erwischte, schien die Partie gelaufen. Schalke schöpfte nach dem Anschlusstreffer von Draxler noch einmal Hoffnung - mehr aber auch nicht. Reus machte alles klar, zudem flog auch noch S04-Akteur Jones.
Der Hamburger SV kassierte die erste Pflichtspielniederlage unter seinem neuen Trainer Thorsten Fink und verabschiedet sich vom DFB-Pokal. Nach acht ungeschlagenen Spielen erwischte es die Fink-Elf in Spiel neun in Stuttgart, weil Cacau zweimal traf und der HSV in einer rasanten zweiten Hälfte erstklassige Chancen zum möglichen 2:2 ungenutzt ließ. "Wir haben uns alles kaputt gemacht, der Pokal ist nun eine sehr wichtige Sache für uns", hatte VfB-Trainer Bruno Labbadia nach dem 0:1 in Wolfsburg gesagt - für die Schwaben geht der Weg nach Berlin weiter.

Es war ein hartes Stück Arbeit, doch die Bayern stehen in der Runde der letzten Acht: In Bochum gewann der Rekordpokalsieger in letzter Minute der regulären Spielzeit mit 2:1. Zur Pause lag der Underdog nach Federicos Treffer noch vorn, dann machten die Münchner ernst. Gomez kam als Joker (Müller fehlte mit Oberschenkelverhärtung) und legte Kroos prompt das 1:1 auf (52.), Boateng hatte zuvor an die Latte geköpft. Bochum kämpfte aufopferungsvoll um die Verlängerung und wurde, kaum dass eine Minute Nachspielzeit angezeigt war, aus allen Träumen gerissen: Robben machte es nach Lahms Ballgewinn und Riberys Vorlage eiskalt. Die Bayern bleiben in allen Wettbewerben vertreten.

Ein anderer Zweitligist erlebte ein Happy-End - und was für eines: Die SpVgg Greuther Fürth zitterte sich am Ende zum 1:0-Sieg im 254. Franken-Derby in Nürnberg. Nach verdienter Pausenführung - Prib köpfte nach einer Ecke ein, Schröck ließ das 2:0 leichtfertig liegen - geriet der Außenseiter immer stärker unter Druck, erst recht, als Nehrig mit Gelb-Rot flog (66.). Didavis vermeintlicher Ausgleich zählte zu Recht nicht, weil sich Bunjaku zuvor aufgestützt hatte (80.). Mit Glück, Geschick und Grün im Tor reichte es so zur Fürther Sensation beim Nachbarn.
Ein Nervenspiel wurde das Weiterkommen für den BVB. Der ersatzgeschwächte Meister setzte sich bei Zweitliga-Spitzenreiter Düsseldorf mit 5:4 im Elfmeterschießen durch! Weidenfeller hielt in einem wahren Krimi vom Punkt gegen Bröker entscheidend, zwei Elfer hatten wiederholt werden müssen. Zuvor hatte sich aus dem vermeintlichen Kracher ein chancenarmes Spiel entwickelt, das fast nur von der Spannung lebte - weil Owomoyela die ersten beiden Gelben Karten der Partie sah und mit der Ampelkarte vom Platz musste (34.). Dortmund agierte danach abwartend, der Fortuna fehlte die Durchschlagskraft. Bezeichnend, dass Piszczek mit seinem Kopfball an den eigenen Pfosten einem Tor aus dem Spiel heraus am nächsten kam (98.).
„Im Moment tendiere ich noch zu Vollidiot.“Patrick Owomoyela auf die Frage, ob man ihn am Ende als Glückspilz oder Pechvogel bezeichnen sollte.
Schlecht besucht, aber durchaus unterhaltsam war das Bundesliga-Duell zwischen Hoffenheim und Augsburg. Die Hausherren setzten sich wie schon in der Liga (2:0) verdientermaßen durch, zum Matchwinner beim 2:1 wurde Salihovic: Der Kunstschütze versenkte einen Freistoß zur Führung und zirkelte einen weiteren Ibisevic zum 2:1-Siegtor auf den Fuß. Beim zwischenzeitlichen 1:1 durch Oehrl sah TSG-Keeper Starke (wie Pendant Amsif beim ersten Tor) nicht gut aus.