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24.11.2011, 21:48

Dynamo nun prüft eine Berufung

Dresden wird vom DFB-Pokal ausgeschlossen!

Unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz hat das DFB-Sportgericht Dynamo Dresden vom DFB-Pokal 2012/13 ausgeschlossen. Damit ahndete das Gericht die schweren Ausschreitungen Dresdner Fans am 25. Oktober in Dortmund. Zum Auftakt hatten die Dresdner sich vehement gegen die vorgesehene drakonische Strafe seitens des DFB gewandt. Doch es half nichts: Die Sachsen müssen in der kommenden Spielzeit im DFB-Pokal zuschauen.

Sehen erstmal kein DFB-Pokalspiel ihres Teams mehr: Dynamo Dresdens Fans.
Sehen erstmal kein DFB-Pokalspiel ihres Teams mehr: Dynamo Dresdens Fans.
© picture allianceZoomansicht

"Ich möchte vorausschicken, dass wir die Fans nicht verteidigen, die Krawallmacher. Wir haben ein evidentes Interesse, dass sie hinter Schloss und Riegel kommen", stellte Dynamo-Anwalt Christoph Schickhardt in Frankfurt/Main klar.

Dennoch sei die Strafe von einer noch nie gekannten Härte. Denn die Pokaleinnahmen seien eine grundlegende Voraussetzung für die wirtschaftliche Sanierung und für die Jugendarbeit des Vereins, so Schickhardt. Der Verein fürchtet neben dem finanziellen Schaden auch "emotionale" Nachwirkungen.

Das DFB-Sportgericht wollte darauf aber keine Rücksicht nehmen und schloss Dynamo Dresden vom DFB-Pokal 2012/13 aus.

Tote gab es noch nie in unseren Stadien. Wenn es so weiter geht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es Tote gibtHans E. Lorenz

"Fußball ist zur Zeit eine der größten Bühnen unserer Gesellschaft. Auf dieser Bühne suchen viele einen Platz oder eine Nische, das gilt auch für gewaltbereite Menschen. Nie war die Gewalt in unseren Fußballstadien größer als in diesem Jahr", erklärte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz nach der über fünfstündigen Verhandlung.

"Tote gab es noch nie in unseren Stadien. Wenn es so weiter geht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es Tote gibt", warnte Lorenz. Gastgeber Borussia Dortmund wurde wegen der Vorfälle zu einer Geldstrafe von 8000 Euro verurteilt.

Geht Dresden in Berufung?

Dynamo prüft nun eine Berufung gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts. Das kündigte der Sportliche Leiter des Zweitligisten, Steffen Menze, an. Binnen einer Woche müssen die Dresdner über einen Antrag beim DFB-Bundesgericht entschieden haben.

Für Dynamo ist der Ausschluss aus einem Wettbewerb nichts Neues: Die Dresdner waren bereits 1991 für zwei Jahre aus allen Europapokal-Wettbewerben verbannt worden. Das Viertelfinal-Rückspiel der Dresdner gegen Roter Stern Belgrad war damals wegen Krawallen abgebrochen worden. Daraufhin reagierte die Kontroll- und Disziplinarkommission der UEFA mit dieser drastischen Strafe. Im Rudolf-Harbig-Stadion hatte der spanische Schiedsrichter Aladren in der 78. Minute beim Stande von 1:2 die Begegnung vorzeitig abgepfiffen.

Hintergrund der heutigen Verhandlung waren die Ausschreitungen bei der Pokalpartie am 25. Oktober zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden (2:0), bei der Gäste-Anhänger während des Spiels Böller und Raketen gezündet und damit mehrfach einen Spielabbruch provoziert hatten. Bei der Partie hatte es 17 Verletzte, 15 Festnahmen und einen Sachschaden im Gästebereich des Stadions von 150.000 Euro gegeben. Die Vorfälle bei dem Pokalspiel hatten eine erneute Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball entfacht.

Hofften vergeblich, den Pokalausschluss vermeiden zu können: Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz (li.) und Anwalt Christoph Schickhardt.
Hofften vergeblich, den Pokalausschluss vermeiden zu können: Dynamo-Geschäftsführer Volker Oppitz (li.) und Anwalt Christoph Schickhardt.
© Getty ImagesZoomansicht

Während der Verhandlung schilderte der Polizei-Einsatzleiter mit drastischen Worten die Ohnmacht der Sicherheitskräfte bei den schweren Ausschreitungen Dresdner Rowdys. "Es wäre ein Blutbad entstanden - das sage ich hier so deutlich - wenn wir härtere Maßnahmen getroffen hätten", so der Dortmunder Polizeidirektor. Die 1400 Polizisten hätten die Randalierer demnach zwischenzeitig kaum noch im Griff halten können.

Oberstes Ziel der Beamten sei zunächst gewesen, einen angekündigten Marsch durch die Stadt auf das Stadion zu verhindern. Die Polizei richtete den Dresden-Anhängern einen Parkplatz mit drei Bierständen als Alternative ein. Zunächst ging die Rechnung auf und 4500 Fans sammelten sich, aber die Situation spitze sich schnell zu: "Überall da wo Fahrzeuge einparkten, explodierten Böller. Das Ganze eskalierte auf dem Stadionvorplatz." Fans sprangen demnach über die Absperrungen und versuchten, das Stadion zu stürmen. Die Polizei schloss daraufhin die Türen der Arena. Die ausgeschlossenen Dynamo-Anhänger hätten mit Flaschen, Böllern und Pyrotechnik geantwortet. "Ordner und Polizisten mussten sich 20 Minuten bewerfen lassen."

Die Polizei habe dann die Tore wieder geöffnet. Intensive Kontrollen seien aber nicht mehr möglich gewesen. Während des Spiels gingen die Krawalle im Dresdner Fanblock weiter. Dafür muss der Verein nun geradestehen.

 

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