Das 58. Pokal-Finale, das zehnte zwischen einem erst- und einem unterklassigen Verein, besaß zweifelsfrei einen gewissen Unterhaltungswert, ohne großklassigen Fußball zu präsentieren. Der FC Schalke 04 gewann verdient seinen dritten Pokal-Titel, vermochte jedoch über die 90 Minuten hinweg seinen hohen Standard der Bundesliga-Saison nicht zu untermauern.
Im Gegenteil, der deutsche Vizemeister musste froh sein, in einer ungewohnt schwachen Anfangsphase nicht überrascht zu werden und am Ende durch einen längst verdienten Anschlusstreffer nicht nochmals in Bedrängnis zu geraten. Zwei Latten- bzw. Pfosten-Treffer der Berliner in der 23. und 50. Minute verdeutlichen, wie knapp die Schalker an einem Rückstand und damit an einem psychologischen GAU vorbeischrammten.
Dass die Dramatik des Bundesliga-Finales nicht spurlos an den Schalker Aktiven vorübergegangen war, deckten die Berliner besonders in der Anfangsphase deutlich auf. Mit eckigen Bewegungen und selten abgestimmtem Defensiv-Verhalten ließen sich die Hajto, Van Hoogdalem oder Van Kerckhoven ein ums andere Mal austanzen, ja mehrfach "tunneln" - die Höchststrafe für einen Profi durch unterklassige Spieler.
Viel zu weit weg standen die Schalker von ihren Gegnern, die dadurch Zeit und Raum für beherzte und erstaunlich kombinations-sichere Angriffe fanden. Isa und Durkovic, im Aufbau unterstützt von den wie auf freier Wildbahn unbehelligten Koilov und Okeke oder dem im Vorwärtsdrang starken Nikol, tanzten so leichtfüßig wie umgekehrt den Schalkern eine zentnerschwere mentale Last umzuhängen schien. Wäre in dieser Phase ein Torjäger wie der völlig überraschend auf die Bank versetzte Teixeira zur Verfügung gestanden, hätte die Sensation durchaus ihren Lauf nehmen können.
Jörg Böhme und Gerald Asamoah blieben in dieser Phase die einzigen Schalker, die dem Druck standhielten. Böhme hatte die gewohnte linke Außenbahn für Van Kerkhoven freigemacht und sorgte von seiner halblinken Position aus kreuz und quer über das gesamte Spielfeld hinweg ebenso für eine gewisse Unruhe im lange Zeit sicheren Abwehrverbund der Berliner wie Asamoah, der nur durch wiederholte Fouls zu bremsen war. Nemec, anstelle des verletzten Kapitäns Waldoch Abwehrchef, stand oft verloren im Raum, Möller hielt sich bis zur Halbzeit zurück, Mpenza und vor allem Sand gewannen kaum Laufduelle oder Zweikämpfe.
Erst nach einem Drittel der Spielzeit fanden die Schalker ganz langsam zu ihrem Selbstvertrauen zurück. Der zweite Pfostenschuss von Union in der 50. Minute wirkte dann wie ein Wachmacher und ließ den nun das Tempo forcierenden Möller, den im Zweikampf bissigeren Mpenza, vor allem aber den allerorten präsenten Jörg Böhme förmlich explodieren. Bezeichnend jedoch, dass zwei Standard-Situationen herhalten mussten, um das Spiel zu entscheiden.
Im Vorgefühl des sicheren Sieges ließen die Schalker am Ende die Zügel schleifen und bescherten dem nie aufsteckenden Zweitliga-Aufsteiger dadurch noch die ein oder andere Chance. Schalke erfüllte sein Soll, Union Berlin demonstrierte, dass auch Mannschaften aus der Regionalliga ein Finale offen halten können.
| 1. FC Union Berlin |
|---|
| FC Schalke 04 |
![]() Aufstellung: Reck (3) - Hajto (4) , van Hoogdalem (4) - Nemec (3,5) - Oude Kamphuis (3,5) , van Kerckhoven (4) - Möller (3) - Sand (4,5) , Mpenza (3) Trainer:
Stevens |

