| Vorname: | Andrea |
| Nachname: | Pirlo |
| Nation: | Italien |
| Verein: | Juventus Turin |
| Geboren am: | 19.05.1979 |

Auf dem Platz will er nur spielen. Auf dem Podium im Pressesaal will er am liebsten gar nichts kundtun. So sieht das Bild aus, das sich die Fußball-Welt von Andrea Pirlo in groben Zügen gemalt hat. Realistische Malerei, wie leicht festzustellen ist, als der Star sich nach seiner fulminanten Strafstoß-Show im Casa Azzurri die Ehre gibt.
Mit hängenden Schultern, mit gesenktem Kopf, ohne eine Regung im kantigen Gesicht schlendert er zur Tat. Ein Schleicher, wie auf dem Feld, wenn er fast unbemerkt durchs Mittelfeld huscht und seine Zauberpässe zelebriert. Pokerface Pirlo. Vor dem Halbfinale lässt er nicht in sein Inneres blicken.
Also ist es so wie häufig. Viel erzählt, wenig gesagt. Es beginnt mit dem obligatorischen Lob für den Widersacher. Die Deutschen seien in Defensive und Angriff stark, sagt der von der Gazzetta dello Sport zum Genie beförderte Lombarde. Sie hätten viele Topspieler und davon sei Özil ein außerordentlicher.
"Doch wir wissen, wie wir Deutschland schlagen können", meint er mit seiner unverwechselbaren Reibeisenstimme über die eigenen Qualitäten. Nachfragen zur Strategie: Wie Italia auftreten werde? Pirlo, der Architekt der aufblühenden Squadra, verrät, was indes kaum mehr ein Geheimnis ist. Er setzt auf den Spieltrieb, seinen Antrieb, den sich das Team zu eigen gemacht hat. Pirlo will Aktion und Dominanz, Ballkontrolle und Kombinationen: "Wir müssen spielen wie gegen England. Nur so geht es, nur so können wir siegen."
Mit ihm als dem Komponisten der neuen italienischen Fußball-Oper, uraufgeführt bei der EURO. Wie Beethoven und Mozart spiele er, meinte Christian Karembeu, als er ihm die Trophäe für den Mann des Tages übergab. Auf seine alten Tage verzaubert der Weltmeister von 2006 alle Fußball-Liebhaber auf dem Kontinent. Als Auslaufmodell galt er, ausrangiert bei Milan, das ihm nur einen neuen Vertrag über zwölf Monate statt der gewünschten drei Jahre bot.
Um mit "Trap" zu sprechen: Pirlo habe fertig. Er strafte sie Lügen. Meister mit Juve, Spieler der Saison, Bester der Azzurri. In Topform, wie früher. Seine Ballfertigkeit ist bekannt. Seine Präsenz auf dem Platz noch imposanter, weil er läuft wie ein Junger, zwölf Kilometer gegen Spanien. Manche halten ihn für den besten EM-Akteur. Kann er gar Weltfußballer werden? Die Namen der Rivalen fallen: Cristiano Ronaldo und Lionel Messi. "Keine Chance", sagt Pirlo. "Weil die beiden Tore schießen." Er lächelt, die erste Gemütsregung. Dabei ist es zum Weinen.