Juventus Turin steht vor dem frühen Aus - Aktie auf Talfahrt

Frust! Cristiano Ronaldo mit provokanter Fünf-Finger-Geste

Champions League - 21.02. 13:00

Die Zähne vorne ausgebissen, defensiv den Ball in den entscheidenden Momenten nicht geklärt bekommen - und am Ende mit einem heftigen Nackenschlag wieder nach Turin abgereist. Das 0:2 bei Atletico Madrid wiegt im Lager von Juventus schwer. Mittendrin befindet sich Superstar Cristiano Ronaldo, dessen Rückkehr in seine alte Heimatstadt komplett scheitert - und ihn nach Spott von den Rängen zu einer provokanten Geste hinreißen lässt.

1, 2, 3, 4, 5: Cristiano Ronaldo verweist auf seine fünf Champions-League-Titel. © imago

Mit der Verpflichtung von Cristiano Ronaldo hat sich Juventus Turin vor dieser Saison noch hochwertiger aufgestellt. Das Ziel dieser Maßnahme ist klar: Mit dem Portugiesen soll einerseits das weltweite Interesse an den Bianconeri noch weiter gesteigert - und auf sportlicher Ebene endlich wieder die Königsklasse gewonnen werden. Schließlich schmerzen die Finalniederlagen der letzten Jahre noch immer: 1:3 gegen Dortmund 1997, 0:1 gegen Real Madrid 1998, 2:3 i.E. gegen Milan 2003, 1:3 gegen Barcelona 2015, 1:4 gegen Real Madrid 2017. Fünf CL-Finals in Folge in den Sand gesetzt? Ein trauriger Negativ-Rekord, der in den italienischen Medien immer wieder das Wörtchen "Maledizione" (Fluch) mitschwingen und den letzten Titel (4:2 i.E. gegen Ajax Amsterdam 1996) stets ein Stück mehr verblassen lässt.

Ob es in diesem Jahr noch zu einem erneuten Angriff auf den Henkelpott reicht, erscheint nach dem verdienten 0:2 im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals bei Atletico Madrid mehr als fraglich. Das bestens aufgestellte Team von Trainer Massimiliano Allegri wusste die felsenfeste Abwehr der Madrilenen zu keinem Zeitpunkt ernsthaft zu überwinden - und ließ sich nach ausgeglichener Anfangsphase immer mehr den Schneid von den Rojiblancos abkaufen. Gerade die Abwehr, eigentlich bekannt für Gelassenheit und Durchhaltefähigkeit, wankte des öfteren immens. Die Folge waren etliche Atleti-Chancen, die allerdings bis zur 78. Minute auch dank eines starken Juve-Keepers Wojciech Szczesny ungenutzt blieben.

Letztlich war allerdings auch der Pole mitsamt seiner Defensive um die beiden Recken Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci geschlagen: José Maria Gimenez traf aus dem Getümmel, ehe Diego Godin gar noch das 2:0 gelang - und die Turiner Ausgangslage vor dem Rückspiel am 12. März (Dienstag, 21 Uhr) erheblich verschlimmerte. Denn sollte den Colchoneros in der Turiner Heimat ein Auswärtstor gelingen - was ob des Angriffs um Antoine Griezmann, Diego Costa, Alvaro Morata nicht abwegig erscheint -, würde Juve bereits vier eigene Tore brauchen.

Allegri: "Eine schlimme Niederlage"

Bedient: Juve-Coach Massimiliano Allegri. © imago

"Nacht des Alptraums", titelte deswegen am Donnerstagmorgen die "Gazzetta dello Sport" wenig überraschend - auch bezogen auf die aktuelle Standardschwäche der Alten Dame (sechs der letzten sieben Gegentoren fielen nach ruhenden Bällen). Für Turins Trainer Max Allegri, der nach vier Doubles in Serie aus Serie-A-Titel und Pokal bereits den zweiten Titel in dieser Saison früh zu verspielen scheint (Aus in der Coppa nach 0:3 bei Atlanta Bergamo), sei dies eine "schlimme Niederlage" gewesen. "Schlechter als in der zweiten Hälfte konnten wir nicht sein."

Ein Erklärungsversuch Allegris für den komplett gebrauchten Abend lautete: der leicht erkrankte Miralem Pjanic (in der 73. Minute durch Emre Can ersetzt) und die "traumatisierende Abwesenheit" von Sami Khedira. Der deutsche Weltmeister, bei den Bianconeri im fitten Zustand stets gesetzt, leidet an Herzrhythmusstörungen und fehlt rund einen Monat .

Spott für und Konter von Cristiano Ronaldo

Ein anderer Erklärungsansatz in Bezug auf die Juve-Offensive: Cristiano Ronaldo, seit seiner Ankunft in Turin in 33 Pflichtspielen an 33 Toren direkt beteiligt (21 Treffer, zwölf Assists), war bis auf einen saftigen Freistoß in der 9. Spielminute kaum ein Faktor. CR7 wurde stets hart attackiert, gedoppelt - und vom Start weg gnadenlos vom Madrider Publikum ausgepfiffen, verhöhnt.

"Ich habe fünf Champions-League-Trophäen und Atleti hat null."

Cristiano Ronaldo

Das alles ließ den 34-Jährigen, der zuletzt dreimal in Folge mit Atletico-Rivale Real Madrid (insgesamt viermal) und zuvor einmal mit Manchester United die Champions League gewonnen hatte, nicht kalt. Beim Abgang vom Feld in Richtung Zuschauer richtete der Europameister von 2016 mit eiserner Miene offenbar angefressen die rechte Hand offen vor seine Brust. Man braucht wenig Einfallsreichtum, um zu deuten, dass jeder Finger für einen seiner CL-Titel stehen sollte - und das als Konter in Richtung Fans der Colchoneros gemeint war. Schließlich haben die Rojiblancos die Königsklasse trotz dreier Finalteilnahmen noch nie gewonnen. Falls doch noch Fragen aufgekommen waren, beantwortete diese CR7 vor laufender Kamera beim Abgang in Richtung Bus selbst mit nachdrücklichen Worten: "Ich habe fünf Champions-League-Trophäen - und Atleti hat null." Dabei formte er wieder die Hand mit fünf Fingern, ehe er beim zweiten Teil seiner Aussage eine Null formte.

Später meldete sich Cristiano Ronaldo dann auch noch via Twitter, diesmal aber bezogen aufs Spiel: "Das war ein schwieriger Abend." Trotzdem müssten alle bis zum Schluss "an uns glauben". Eine Aussage, die auch Trainer Allegri unterstrich: "Jetzt gibt es Enttäuschung, aber wir müssen daran glauben, dass wir es herumreißen können. Solche Dinge passieren. Wir wussten, dass es gegen Atletico schwer werden würde. Und wir wissen, dass wir jetzt ein großartiges Rückspiel benötigen."

Aktie rutscht ab

Das 0:2 bei Atletico Madrid hatte für Juventus Turin auch Folgen an der Börse. © imago

Nach der Niederlage in Madrid gerät Italiens Rekord- und Serienmeister auch an der Mailänder Börse in arge Turbulenzen. Die Juve-Aktie brach zu Beginn des Handels am Donnerstag um 13 Prozent auf 1,25 Euro ein. Die Juve-Anteilscheine waren am 27. Dezember in den Kreis der 40 wichtigsten börsennotierten Unternehmen aufgenommen worden. Seit dem Wechsel von Portugals Superstar Cristiano Ronaldo zum Turiner Klub im Juli vergangenen Jahres hatten die Juve-Aktie monatelang kräftig zugelegt.

Juventus war Ende 2001 als dritter Serie-A-Klub nach Lazio Rom und AS Rom an die Börse gegangen. Der damalige Emissionskurs betrug 3,70 Euro. Hauptanteilseigner ist mit 63,2 Prozent der Aktien die niederländische Investment-Firma "Exor" aus dem Besitz der italienischen Industriellen-Familie Agnelli ("Fiat-Chrysler"), für die Andrea Agnelli die Geschicke bei Juventus leitet.

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