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25.05.2014, 16:33

Real feiert die Erlösung - Simeone räumt Fehler ein

Der Zauber der Zweistelligkeit

"Das ist mehr wert als der WM-Titel": Real Madrid hat am Samstagabend aus dem Fluch "La Decima" einen Segen gemacht - weil Sergio Ramos die toten "Königlichen" in einem packenden Finale neu belebte und Atletico-Trainer Diego Simeone einen folgenschweren Fehler beging. Nur Sami Khedira wirkte auf der nächtlichen Party sehr nachdenklich.

Sergio Ramos, Göttin Kybele und Iker Casillas
Feierlaune im Madrider Morgengrauen - von links nach rechts: Sergio Ramos, Göttin Kybele und Iker Casillas.
© Getty ImagesZoomansicht

Er hat große Ohren, ist leichter als erwartet, und jeder wollte ihn mal halten: Als Iker Casillas am Samstagabend um 22.36 Uhr Ortszeit die Champions-League-Trophäe in den Lissaboner Nachthimmel hievte, fühlte sich ein ganzer Klub wie neugeboren. Endlich zweistellig! Nach elf vergeblichen Anläufen und Abermillionen Euro Transferausgaben hat Real Madrid den zehnten Triumph in der Königsklasse eingeheimst. "La Decima" ist real.

"Darauf haben wir alle so lange gewartet", sprach Kapitän Casillas, der einzige im Kader, der schon 2002 dabei war. "Das ist mehr wert als der WM-Titel." Die Schlagzeilen gehörten nach dem 4:1-Sieg nach Verlängerung gegen Atletico Madrid Sergio Ramos, der in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit mit brachialer Bestimmtheit eine Fortsetzung des Endspiels erzwungen hatte und sein Tor als das "von allen Madridistas, auch von meiner Frau und von meinem Kind" bezeichnete.

"Zehn-Meister" Ancelotti schafft, was zehn Vorgänger nicht schafften

Die Schlagzeilen gehörten Gareth Bale, der in der 110. Minute mit dem Kopf zum Matchwinner aufstieg und seine 90- bis 100-Millionen-Euro-Ablösesumme damit ein wenig rechtfertigte. Sie gehörten "Zehn-Meister" Carlo Ancelotti, der mit "La Decima" in seiner ersten Saison schaffte, was seine zehn Vorgänger seit 2002 vergeblich versucht hatten, und der jetzt der zweite Trainer nach Bob Paisley (FC Liverpool - 1977, 1978, 1981) ist, der den Henkelpott zum dritten Mal gewinnt. Seiner "hartnäckigen Geduld" verdanke Real diesen Erfolg, schwärmte die italienische Zeitung "Repubblica", "er hat eine Mannschaft neu gestaltet und aus jedem Spieler das Beste herausgeholt".

Wir sind unglaublich stolz. Aber wir denken schon jetzt an die Undecima und die Duodecima.Florentino Perez, Präsident von Real Madrid

Nicht jedoch gehörten die Schlagzeilen Iker Casillas und Sami Khedira. Doch das hätte ganz anders kommen können: Ein kolossales Missverständnis zwischen dem Torhüter-Routinier und dem genesenen deutschen Nationalspieler hatte Atletico die Führung beschert, unverdient war sie nicht. "Es schreit einer 'Torwart', ich schaue zurück, Iker kommt raus, deswegen war ich eigentlich relativ sicher, dass Iker rangeht. Aber er blieb auf halbem Weg stehen", beschrieb Khedira die Szene, die erst Ramos in letzter Instanz nicht spielentscheidend machte. "Wir waren schon tot", sagte Khedira.

Gehemmter Jubel: Rückkehrer Khedira genießt lieber still

Nach seinem Kreuzbandriss hatte er überraschend den gelbgesperrten Xabi Alonso im defensiven Mittelfeld vertreten dürfen. Und auch wenn er bis zu seiner Auswechslung in Minute 59 zu den schwächsten Madrilenen zählte, war nicht zu übersehen, wie nahe ihm dieser Triumph ging. "Ich glaube, es war nicht selbstverständlich, dass ich auf dem Platz stehen durfte", erklärte er seinen zurückhaltenden Jubel nach dem Schlusspfiff. "Deswegen musste ich das erstmal verarbeiten." Der Griff zum Pokal ("Nicht ganz so schwer wie gedacht") fiel kurz aus, und auch als er mit einigen Teamkollegen Ancelotti auf der Pressekonferenz überraschte, wirkte er ein wenig gehemmt.

Während Real-Präsident Florentino Pérez noch am Abend "die Undecima und die Duodecima", also Titel Nummer elf und zwölf, anpeilte, stimmte Khedira nachdenkliche Töne an: "Ich glaube, wir haben immer das Problem, dass wir immer auf neue Ziele schauen. Man sollte mal den Moment genießen und erst dann neu angreifen."

"Innen drin", versicherte er immerhin, "ist eine riesengroße Freude." Die "größte Trophäe im Klubfußball" gewonnen zu haben, erfülle ihn mit Stolz. Nach einer Jubelarie à la Cristiano Ronaldo, der sich beinahe schon beim Anlauf zum irrelevanten Elfmeter zum 4:1-Endstand selbstverliebt das Trikot vom Leib gerissen hatte, war ihm dennoch nicht zumute.

Simeone gibt Fehler zu, sagt aber: "Es macht keinen Sinn zu weinen"

Die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts missfiel an diesem historischen Abend auch der gegnerischen Seite. "An einem Tag hast du alles, am nächsten nichts", sagte Atletico-Trainer Diego Simeone eine Woche nach der Sensationsmeisterschaft. Die absolute Krönung einer fabelhaften Saison blieb den "Colchoneros" auch deswegen verwehrt, weil sich ebenjener Simeone verpokert hatte.

Den angeschlagenen Torjäger Diego Costa von Beginn an zu bringen, bezeichnete er als "Fehler". Hätte er den Brasilianer nicht schon in der neunten Minute wieder vom Feld nehmen müssen - für Ramos' Ausgleich wäre mit einem späteren Wechsel womöglich keine Zeit mehr gewesen. "Es war meine Verantwortung", räumte Simeone ein, "ich entschuldige mich dafür."

Gleichzeitig machte er seine Richtlinie unmissverständlich deutlich, für den Konjunktiv oder Selbstmitleid ist darin kein Platz. Nicht erlaubt: der Blick zurück, zum Beispiel zum 15. Mai 1974, als Atletico durch ein Last-Minute-Tor von Bayerns Anti-Torjäger "Katsche" Schwarzenbeck schon einmal ein Königsklassen-Titel entrissen worden war. Gewünscht dagegen: der Blick nach vorn.

Costa & Co.: Droht Atletico jetzt der Zerfall?

"Ich habe meinen Spielern gesagt, dass es keinen Sinn macht zu weinen", so Simeone: "Sie müssen den Kopf oben halten und an die nächste Saison denken." Dass manchem dabei auch die persönliche Zukunft in den Sinn kommen wird, ist gewiss. Nicht nur Diego Costa (zu Chelsea?) dürfte Atletico verlieren - es droht ein ungewollter Umbruch.

Die gerade erst eroberte Vorherrschaft über Madrid ist schon jetzt passé, zumindest wenn es nach Bayern- und Atletico-Schreck Ramos geht. "Wir haben den Indios (den Atletico-Fans, d.Red.) gezeigt, wer in der Hauptstadt das Sagen hat!", rief er dem Real-Anhang zu, als er um 6 Uhr morgens den Cibeles-Brunnen erklommen hatte. Dort hatten sich die "Madridistas" versammelt, schon lange bevor die Profis aus Lissabon zurückgeflogen und im offenen Bus durch die Stadt getourt waren, um ihr "Baby" zu präsentieren. Die Geburtsurkunde wird man in Kürze in den Kontakten des Traditionsklubs finden: Dank "La Decima" endet die Telefonnummer für die Mitglieder künftig mit den Endziffern "10".

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 25.05., 13:10 Uhr
Gestörte PK, Tränen der Rührung: So feiert Real
Die "Königlichen" sind am Ziel: "La Decima" ist endlich real. Nach dem 4:1 n.V. im Champions-League-Finale gegen Atletico Madrid konnte die Fete steigen - auf der Pressekonferenz, auf dem Partybus in Madrid und natürlich bei den Fans. Auch Tränen flossen dabei.
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25.05.14
 
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zum Thema

weitere Infos zu Khedira

Vorname:Sami
Nachname:Khedira
Nation: Deutschland
Verein:Juventus Turin
Geboren am:04.04.1987

Vereinsdaten

Vereinsname:Real Madrid
Gründungsdatum:06.03.1902
Vereinsfarben:Weiß-Blau
Anschrift:Real Madrid Club de Fútbol
Avenida Concha Espina, 1
28036 Madrid
Telefon: 00 34 - 91 - 3 98 43 00
Telefax: 00 34 - 91 - 3 98 43 83
E-Mail: oas@corp.realmadrid.com
Internet:http://www.realmadrid.com/

Vereinsdaten

Vereinsname:Atletico Madrid
Gründungsdatum:26.04.1903
Vereinsfarben:Rot-Weiß
Anschrift:Club Atlético de Madrid
Paseo Virgen del Puerto, 67
28005 Madrid
Telefon: 00 34 - 90 - 2 26 04 03
Telefax: 00 34 - 91 - 3 65 00 88
E-Mail: socio@clubatleticodemadrid.com
Internet:http://www.clubatleticodemadrid.com/